Der Fall von Inter Bochum

»Das ist unverzeihlich«

Inter Bochum erlangte vor zwei Jahren als zweitschlechteste Mannschaft Deutschlands Berühmtheit. Nun hat der Verein sich nach Ausschreitungen abgemeldet. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Ralf Bellmann. Der Fall von Inter Bochum

Ralf Bellmann, können Sie noch einmal kurz darlegen, wie es zu der Abmeldung des Vereins kam?

Ausschlaggebend war das Spiel beim FC Neuruhrort, als einer unserer Spieler einen gegnerischen Spieler niederschlug und das Spiel abgebrochen wurde. Für uns war die Entscheidung damit klar, die Mannschaft zurückzuziehen, um bestimmte Dinge aufzuarbeiten und die Strukturen innerhalb des Vereins zu verändern.

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Was muss denn konkret verändert werden?


Die Personaldecke rund um die Mannschaft ist ziemlich dünn. Wir haben alle vor zwei Jahren ziemliches Neuland betreten, als wir beim Verein angefangen haben. Da haben uns dann auch zu oft Leute hineingeredet, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn hatten. Als wir die Sache übernommen haben, wussten wir doch zum Beispiel gar nicht, dass man den Kapitän im Spielberichtsbogen unterstreichen muss.

Sie hatten also keinerlei Vorerfahrungen.


Nein, wir haben in Kulturvereinen gearbeitet. Für uns war es eine besondere Herausforderung, in einem multikulturellen Verein mitzuhelfen und Integrationsarbeit zu leisten. Bei jedem unserer Heimspiele hängt auch ein Transparent gegen Rassismus.

Es hieß auch, der Verein wolle sich für Toleranz und Fairplay einsetzen. Wurde Ihre Arbeit nun konterkariert?


Ich möchte noch einmal betonen, dass es sich bei dem Vorfall am letzten Wochenende um zwei Spieler handelte, die sich daneben benommen haben. Wir haben ansonsten super Jungs bei uns in der Mannschaft, es war eine tolle Einheit, die Moral hat gestimmt. Natürlich ist das, was am letzten Wochenende passiert ist, unverzeihlich. Aber wir haben daraus die Konsequenzen mit der Abmeldung gezogen und werden versuchen, in der nächsten Saison für die Kreisliga B wieder eine super Truppe zusammen zu haben.

Es gab also in der Vergangenheit keine derartigen Vorfälle?

In der Bezirksliga galten wir als bundesweit zweitschlechteste Mannschaft, da ist nie etwas passiert. Wir sind immer angetreten und haben uns fair verhalten. Das galt auch für die Saison in der Kreisliga A. Dann kam jedoch die lange Winterpause, und wir hatten eine hohe Fluktuation im Kader. Die Spieler, die am letzten Wochenende ausgerastet sind, kamen in dieser Zeit zu uns.

Wurden diese Spieler nun aus dem Verein geworfen?

Nein, wir werden zunächst das Gespräch mit ihnen suchen, das war bisher noch nicht möglich. Natürlich müssen wir abwarten, wie die Kreisspruchkammer urteilt.

Sie haben die Geschichte mit dem zweitschlechtesten Verein angesprochen, nun gab es Aufsehen um die Abmeldung. Der Verein existiert erst seit 2003. Ist er besonders anfällig für Schlagzeilen?

Man muss auch sehen, dass in den letzten Jahren erst einmal Aufbauarbeit geleistet werden musste. Direkt nach dem Aufstieg in die Bezirksliga sind Mannschaft, Vorstand und Spieler gegangen, und der Club lag am Boden. Es ist klar, dass nicht alles reibungslos ablaufen kann.

Ist es aus Ihrer Sicht Zufall, dass bei den vielen Spielabbrüchen in der letzten Zeit immer wieder ausländische Mannschaften beteiligt sind? Hängt dies mit Provokationen zusammen?


Klar gibt es eine Reihe von Provokationen. Sticheleien aufgrund nationaler Herkunft sind keine Seltenheit. Aber das war am letzten Wochenende nicht der Fall, der Gegner hat sich absolut fair und sportlich verhalten. Die Attacke ist nicht zu entschuldigen.  

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