Der Ex-Sportdirektor über Dynamo Dresden

»Ein Umdenken hat hier nicht stattgefunden«

»Letzte Ausfahrt Dresden« heißt die große Reportage im aktuellen 11FREUNDE-Heft. Tim Jürgens sprach dafür mit Ex-Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge über das Verhältnis der Stadt zu ihrem Klub und seine einstige Idee, nach Leizpig umzuziehen. Der Ex-Sportdirektor über Dynamo Dresden
Heft#112 03/2011
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Ralf Minge, wie sehen Sie als ehemaliger Sportdirektor die Entwicklung bei Dynamo?

Ralf Minge: Im Zusammenhang mit der Stadionnutzung wurde nach meinem Rücktritt ein Vertrag unterschrieben, deren Parameter die Existenz des Vereins gefährden. Daran hat sich nichts geändert. Der Verein braucht eine längerfristige Planungssicherheit, als nur eine Unterstützung durch die Stadt für ein oder zwei Jahre. Außerdem fehlt dem Klub durch die Belastungen aus den Verträgen etwa mit der Kinowelt die Handlungsfreiheit. Fakt ist aber, das man mit dem neuen Stadion und der Umstrukturierung einen Schritt nach vorne gemacht hat.

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Die Geschäftsführung strebt an, die Stadionmiete von aktuell 2,4 Millionen Euro durch Zuschüsse der Stadt auf 500.000 Euro zu senken.

Ralf Minge: Das Ziel von der jetzigen Geschäftsführung geht ganz klar in die Richtung dessen, was vertretbar ist. Aber das haben wir vor ein paar Jahren auch versucht, aber es hat nicht geklappt.

Sie haben damals vorgeschlagen, statt der von der Stadt vorgelegten Stadionnutzungsverträge, die den Verein existenziell belasteten, lieber in ein Stadion nach Leipzig umzuziehen.

Ralf Minge: Ein hilfloser Versuch, um ein bisschen Druck zu machen. Ich habe doch nicht ernsthaft erwogen, nach Leipzig umzuziehen. Als ehemaliger Spieler und Funktionär hat doch kaum jemand eine engere Bindung zum Klub und zum Standort als ich. Ich habe damals bloß eine Alternative aufgezeigt, um diesen langfristigen Vertrag zur Stadionnutzung nicht zu unterschreiben und auf die enormen Kosten hinzuweisen. Aber es hat nichts genutzt. Ein Umdenken hat bei der Stadt nicht stattgefunden.

Die große Reportage »Letzte Ausfahrt Dresden« im aktuellen 11FREUNDE-Heft >>

Reiner Calmund kennt von Ihnen die schwierige Gemengelage, dennoch steht er dem Klub beratend zu Seite. Warum tut er sich das an?

Ralf Minge: Er hat eine enge emotionale Bindung zum Klub, kennt Dynamo schon seit der Wende sehr gut. Er war mit mir viele Male in Dresden und hat auch mit der Oberbürgermeisterin und dem Finanzbürgermeister zusammen gesessen. Wenn er das jetzt nicht hinkriegt oder der aktuelle Aufsichtsrat, dann weiß ich auch nicht, wer für den Klub noch eine Wende erwirken soll.

Wenn Sie eine aktuelle Prognose abgeben müssten, wie groß ist die Chance, dass die Stadt dem Klub entgegenkommt?

Ralf Minge: Die Frage ist nicht, ob sie dem Verein entgegenkommt, denn sie zahlt aktuell eine Million Euro pro Jahr als Zuschuss. Entscheidend ist, für welchen Zeitraum? Zweimal ein Jahr Unterstützung bedeutet für einen Profiverein keine Planungssicherheit, wenn er langfristig Spieler binden will. Nur wenn eine längerfristige Zusage von der Stadt erreicht werden könnte, wäre das ein Quantensprung für den Klub.

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