»Der ewige Oka«: Eintracht-Keeper Nikolov im Interview

»...wenn ich dann noch die Treppe hochkomme«

Er stand 1994/95 erstmals im Profikader von Eintracht Frankfurt, hat noch mit Uli Stein zusammengespielt und denkt immer noch nicht ans aufhören: Oka Nikolov, der dienstälteste Spieler der Bundesliga, über seinen x-ten Torwart-Kontrahenten, die Rückpassregel und Jay-Jay Okocha.

Oka Nikolov, die Eintracht hat Kevin Trapp als Torhüter neben Ihnen verpflichtet. Wird er Sie irgendwann beerben?
Das weiß ich nicht. Kevin gehört auf jeden Fall die Zukunft.

Was hat er, was alle anderen Keeper, die vor ihm bei der Eintracht unter Vertrag standen, nicht hatten?
(lacht) Er hat in der vergangenen Saison beim 1. FC Kaiserslautern unter Beweis gestellt, dass er das Zeug dazu hat, in der Bundesliga zu spielen. Was er ansonsten hat oder nicht hat – darüber muss ich mir keine Gedanken machen. Ich kann ihn nicht mit allen Torhütern vergleichen, die in der Vergangenheit hier gespielt haben. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Sie spielen seit 1991 in Frankfurt und sind mittlerweile – was die Anzahl der Jahre angeht – nicht nur Eintracht-Rekordspieler, sondern auch dienstältester Bundesliga-Spieler. Hat Sie das irgendwann als Ziel beschäftigt?
Nein, mit solchen Statistiken beschäftige ich mich generell nicht. Es zeigt allerdings, dass ich in meiner Karriere großes Glück hatte. Ich bin froh, dass ich diese ganzen Jahre erleben durfte. Wir haben einen tollen Beruf und im Alter weiß man das noch mehr zu schätzen.

Sie sind jetzt 38 Jahre alt. Gibt es ein ideales Alter für Torhüter?
Bei Torhütern ist es wie bei Feldspielern: Das Alter ist nicht entscheidend. Es geht nur darum, ob man gut genug ist oder nicht.

Wie viel von jenem Oka Nikolov, der in der Saison 1994/95 als 20-Jähriger erstmals im Profikader stand, steckt noch in Ihnen?
(lacht) Natürlich 100 Prozent! Als Spieler habe ich mich natürlich weiterentwickelt, aber ich bin immer noch derselbe Mensch wie damals.

Wie hat sich das Torhüterspiel seitdem verändert?
Genauso wie der komplette Fußball: Es ist alles viel schneller und athletischer geworden. Daran passt man sich mit der Zeit aber an. Ansonsten habe ich die Einführung der Rückpassregel (1992, Anm. d. Red.) ja noch als junger Torhüter mitbekommen, von daher musste ich mich in der Bundesliga nicht mehr großartig umstellen.

Heribert Bruchhagen nannte Sie einmal einen »Stoiker«. Was muss passieren, damit Sie auf dem Platz einmal richtig wütend werden?
Ich bin keiner, der einen Feldspieler nach einem Fehler schüttelt, wenn ich einen Fehler mache, will ich ja auch nicht, dass das einer mit mir macht. Trotz allem bin ich keiner, der hinten drin steht und den Mund nicht aufbekommt. Ich versuche meinen Vordermännern mit Kommandos zu helfen, nicht runterzumachen.

Was hat sich bei der Eintracht seit den Anfängen Ihrer Karriere verändert?
Der Verein hat eine positive Entwicklung genommen. Ganz wichtig war der Bau des neuen Stadions. Es ist aber insgesamt alles viel ruhiger geworden. Der Begriff von der »launischen Diva am Main« ist verschwunden. Skandale, die früher noch öfters vorkamen, gibt es heutzutage gar nicht mehr.

Für ihre Vereinstreue haben Sie die Spitznamen »Der ewige Oka« oder »Opa Nikolov« erhalten. Empfinden Sie das als auszeichnend oder störend?
Es gibt ja auch noch Leute, die mich als »Odenwälder Bub« bezeichnen, das ist dann etwas neutraler und hat mit meinem Alter weniger zu tun. Spitznamen gehören zu den Dingen, die man nicht ändern kann, von daher mache ich mir darüber wenige Gedanken.

Sie haben noch mit Uli Stein und Andreas Köpke zusammengespielt. Wer war der bessere Torhüter?
Beide waren sehr gut.

Okay, zweiter Versuch: Wer war der beste Feldspieler, mit dem Sie bei der Eintracht zusammengespielt haben?
Da gibt es so viele auf den unterschiedlichsten Positionen. Da jetzt einen zu nennen, damit würde ich vielen nicht gerecht werden.

Wie wäre es mit Jay-Jay Okocha?
Der gehört mit Sicherheit dazu. Aber ich habe damals ja auch noch mit Uwe Bein auf dem Trainingsplatz gestanden, der war ja auch nicht gerade schlecht. Ganz ehrlich: Da hätte ich mich hinsetzen und eine Liste aufstellen müssen, die wir jetzt zusammen durchgehen könnten. Das wäre zu zeitaufwendig.

Oka Nikolov, nächstes Jahr im Mai werden Sie 39 Jahre alt. Wird das Ihre letzte Spielzeit?
Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Warten wir aber erstmal die Saison ab und sehen danach weiter – wenn ich dann noch die Treppe hochkomme.

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