Der Ein-Mann-Fanblock von Illertissen im Interview

»Ich bin das Mädchen für alles«

Stefan Dömsödi ist Fan des FV Illertissen, einem Regionalliga-Verein in Südbayern. An sich nichts besonderes, gäbe es nicht ein Youtube-Video von ihm, das bereits Kultstatus erreicht hat. Wir wollten mehr über den Ein-Mann-Mob wissen.

Stefan Dömsödi, durch Ihren leidenschaftlichen Support für den FV Illtertissen sind Sie zum Youtube-Star geworden. Wie kam es zum kuriosen Ein-Mann-Mob im Gäste-Fanblock? Standen die anderen Fans noch im Stau?
(lacht) Nein, das ist für mich Fan-Alltag. Zumindest was Auswärtsspiele betrifft.


Hat Illertissen ein Fanproblem?
Das kuriose beim FV Illertissen ist, dass es einfach keine Fankultur und somit auch keine Fangruppierungen gibt. Ich bin der einzige aktive Fan des gesamten Vereins. Die Ausnahme bilden höchstens noch die Jugendspieler. Insofern habe ich keine andere Wahl, als es trotzdem durchzuziehen und meinen Verein so zu unterstützen, wie er es verdient.

Keine Fans sind eher ungewöhnlich für einen Verein, der immerhin in der Regionalliga spielt.
Richtig! Das hat natürlich auch damit zu tun, dass der Nachbarverein SSV Ulm heißt. Das ist ein Traditionsklub, der attraktiver ist und dementsprechend viele Fans hat. So fehlt leider das Interesse für den FV Illertissen.
 
Wie entstand Ihr Interesse am Verein?
Ich hab die Mannschaft schon in der Oberliga begleitet, da Illertissen ein gut geführter  Verein ist und dort wirklich schöner Fußball gespielt wird. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga habe ich dann gedacht, dass die Mannschaft endlich richtige und vor allem mehr Fans braucht. Ich gründete daraufhin den ersten Fanklub, obwohl der Verein bereits seit 1921 existiert. Dieser Fanklub hat mittlerweile 65 Mitglieder.

Trotzdem fahren Sie immer noch alleine auswärts?
Das Problem ist, dass viele Fanklub-Mitglieder bereits dem älteren Semester angehören und somit keine Lust und auch Zeit für Auswärtsfahrten haben. Hin und wieder kann es mal vorkommen, dass die Familien die Mannschaft begleiten, aber im Endeffekt stehe ich meistens alleine im Block - mit Trommel und Fanfare.

Wie reagieren die gegnerischen Fans darauf?
Die sind natürlich irgendwie baff. Mannschaften, wie z.B. die Würzburger Kickers, haben ihre hundert Anhänger, während ich alleine im Block stehe. Als wir vergangene Saison aufeinandertrafen, lieferten wir uns ein richtigen verbalen Schlagabtausch. Ich war mit meiner Trommel alleine sogar lauter als die hundert Würzburger. Und dann haben wir auch noch gewonnen. Da war die Stimmung dann doch ein bisschen aufgeheizt. Aber generell bekomme ich von den gegnerischen Fans positive Resonanz. Und viel Verwunderung. (lacht) Viele können nicht glauben, dass ich wirklich alleine bin. 

Sie sind also so etwas wie das Maskottchen des Vereins?
Irgendwie schon, aber nicht nur das.

Sondern?
Ich habe auch eine Zeit lang Interviews mit den Spielern geführt und diese dann Online gestellt. Außerdem war ich offizieller Fanbeauftragter des Vereins. Als Vorstandsvorsitzender des einzigen Fanklubs wurde ich quasi automatisch zum Fanbeauftragten. Dieses Amt musste ich allerdings aus zeitlichen Gründen abgeben.

Fassen wir zusammen: Sie sind der einzige aktive Fan des Klubs, zudem noch Fan- und Medienbeauftragter.
(lacht) So ungefähr lässt sich mein Lebenslauf als Illertissen-Fan beschreiben. Ich bin das Mädchen für alles. Vielleicht könnte man noch meine Aufgabe als Glücksbringer des Vereins hinzufügen.

Inwiefern?
Aberglaube hin oder her, aber in der letzten Saison hat Illertissen nie gewonnen, wenn ich nicht dabei war. Wenn ich sie angefeuert habe, gab es, bis auf zwei Niederlagen, mindestens ein Unentschieden. Das gilt auch für diese Saison. 

Was sagen die Spieler zu ihrem Ein-Mann-Mob?
Die sind hellauf begeistert und glücklich, dass überhaupt irgendwer sie anfeuert! (lacht) Sollte ich mal ein Spiel verpassen, heißt es oft bei Spielern und dem Vereinsstab, dass ich gefehlt hätte.  Bei uns ist das Verhältnis zu den Spielern allerdings auch anders als bei anderen Vereinen. Ich bin mit vielen aus der Mannschaft befreundet und fahre auch zu den Auswärtsspielen im Mannschaftsbus mit. Nach den Spielen gehen ich mit den Spielern auch mal einen trinken. Oder wir lassen es im Bus richtig krachen!

In dem Youtube-Video singen Sie vom Europapokal. Das ist noch ein weiter Weg für den FV Illertissen.
(lacht) Wir hatten uns für den DFB-Pokal qualifiziert. Die Teilnahme ist für eine Kleinstadt wie Illertissen ein Riesenerfolg. Der DFB-Pokal ist generell auch ein Sprungbrett für Europa. Und für uns ist er eben ein Sprungbrett, um überregionale Mannschaften kennen zu lernen. Das ist unser Europapokal, nur halt innerhalb der Republik.

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