Der Deutsch-Kasache über Deutschlands Gegner

Peter Neustädter: »Es tut sich was«

Peter Neustädter spielte in der Bundesliga für Karlsruher, Chemnitz und zuletzt für den Mainz 05. Der Deutsch-Kasache machte zudem drei Länderspiele für Kasachstan. Wir sprachen mit ihm über den nächsten deutschen Gegner. Der Deutsch-Kasache über Deutschlands Gegner

Peter Neustädter, Ihre Vita ist etwas kompliziert. Helfen Sie uns doch auf die Sprünge.

Peter Neustädter: Ich bin 1966 in Kara-Balta geboren, eine Stadt innerhalb der damaligen Sowjetunion, dem heutigen Kirgisistan.

Bis Mitte der neunziger Jahre hatten Sie allerdings die kasachische Staatsbürgerschaft inne und haben sogar drei Länderspiele für Kasachstan auf dem Buckel. Ist Kasachstan eine Fußball-Nation?

Peter Neustädter: Eine fußballverrückte Nation auf jeden Fall. Noch vor Ringen, Boxen und Eishockey lieben die Menschen Fußball. Auch wenn sich das Land auf internationaler Ebene noch nicht mit Ruhm bekleckert hat.

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Warum eigentlich nicht?

Peter Neustädter: Wir brauchen Zeit. Das Land ist voll mit Talenten, jungen Spielern, die die Veranlagung besitzen gute Fußball-Profis zu werden. Man darf nicht vergessen, dass die Republik wie Sie heute existiert noch sehr jung ist (seit der Unabhängigkeitserklärung vom 16. Dezember 1991, d. Red.). Erst in den vergangenen Jahren tut sich was im kasachischen Fußball.

Können Sie konkreter werden?

Peter Neustädter: Bestes Beispiel: Der Bau neuer Stadien. In der Hauptstadt Astana entstehen neue Sportanlagen, überhaupt sieht die ganze Stadt inzwischen aus wie ein neues Dubai.

Woher kommt das Geld?

Peter Neustädter: Vom Staat und von Investoren. Wenn das Geld in die Förderung des Fußballs gesteckt wird, kann ich das nur begrüßen.

Wie kann man der Gefahr vorbeugen, dass der nationale Fußball auf der Stelle tritt und das Geld in irgendwelchen Kanälen versickert?

Peter Neustädter: Indem man auf die Kompetenz ausländischer Trainer setzt. Und das tut man längst: Mit Bernd Storck ist ein Deutscher Nationaltrainer der kasachischen Nationalmannschaft. Ich habe erst neulich mit ihm in Bochum gesprochen und war beeindruckt, welche Fortschritte der kasachische Fußball macht.

Gibt es eine Spielkultur, von der der kasachische Fußball stark beeinflusst ist?

Peter Neustädter: Schwer zu sagen. Natürlich spielt Russland eine entscheidende Rolle. In Kasachstan schaut man nach Moskau, wenn man im Fußball lernen möchte.

Während Kasachstan als Fußballnation international kaum wahrgenommen wird, hat sich Russland in den vergangenen Jahren wieder ins Rampenlicht gespielt. Woran liegt das?

Peter Neustädter: Ein Name: Guus Hiddink. Wie er den russischen Fußball weiter entwickelt hat ist phänomenal. Ich selbst hatte den russischen Fußball jahrelang nicht wirklich wahrgenommen, das geschah erst während der Euro 2008.

Sie sagen: Der kasachische Fußball entwickelt sich in die richtige Richtung. Wann wird Kasachstan die Fußball-Welt aufmischen?

Peter Neustädter: Wenn alles gut läuft schon in fünf bis zehn Jahren. Die Talente sind da, die Begeisterung sowieso, Förderung und finanzielle Unterstützung werden angekurbelt. Kasachstan ist eindeutig im Kommen.


Peter Neustädter absolvierte insgesamt 288 Spiele für den FSV Mainz 05, ehe er 2006 seine aktive Karriere beendete. Seinen Job als U23-Trainer der Mainzer musste er im April 2010 beenden, nach fünf Jahren Trainertätigkeit wurde sein Vertrag nicht verlängert.

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