Den Nicklas Bendtner machen – Ein dänischer Journalist tut es

»Als ich besoffen genug war, fuhr ich los«

Sonntagnacht wurde der dänische Nationalspieler Nicklas Bendtner betrunken am Steuer erwischt. Daraufhin verlor er seinen Führerschein und flog aus der Nationalmannschaft. Der dänische Jounalist Mads Bloch Kristensen machte den Bendtner-Test und erzählt von seiner einmaligen Chance und dem Kater danach.

Ekstra Bladet / Troels Trier

Mads Bloch Kristensen, sind Sie mittlerweile wieder nüchtern?
Danke, mir geht es wieder sehr gut.

Dänemarks Nationalstürmer Nicklas Bendtner wurde Sonntagnacht in Kopenhagen mit 1,75 Promille am Steuer erwischt. Für Ihre Zeitung »Ekstra Bladet« haben Sie nun den Selbstversuch gemacht und sich ebenfalls betrunken ans Steuer gesetzt. Wessen Idee war das?
Ursprünglich kam das von unserem Nachrichtenchef. Als er es in der Redaktionskonferenz vorschlug, lachten alle kurz, dann wurde die Idee allerdings verworfen. Nach kurzer Zeit sagte ein Redakteur: »Das ist genial. Wir machen das.«

Wie groß ist das Thema »Bendtner« in Dänemark?
Derzeit ist es das Thema Nummer Eins. Wann schmeißt ein angesehener Nationalspieler schon Mal in dieser Form seine Karriere weg? Bendtner hat schon viele dumme Sachen gemacht, wenn er verletzt war, aber dieses Mal hat er den Vogel abgeschossen. Er stieg besoffen in sein Auto, fuhr verkehrtherum in eine Einbahnstraße, verbrachte die Nacht auf dem Präsidium, ist jetzt seinen Führerschein für lange Zeit los und flog auch noch aus der Nationalelf. Das ist rekordverdächtig.

Haben Sie sich freiwillig für den Test gemeldet?
Von wegen. Die Kollegen sind durch die Redaktion gegangen und haben einen nach dem anderen gefragt. Ich war allerdings der einzige, der die wahre Chance hinter diesem Versuch erkannte.

Welche?
Wann bekommt man schon Mal die Möglichkeit, während der Arbeit und völlig legal total betrunken mit dem Auto zu fahren, während dir dabei ein Polizist zusieht? Diese Geschichte kann ich noch meinen Enkeln erzählen.

Was mussten Sie trinken, um auf Bendtner-Pegel zu kommen?
Zum Warmwerden gab es ein Bier, danach eine Dreiviertel-Flasche-Whiskey. Leider war der Alkoholtester, den wir uns besorgt hatten, etwas ungenau. Die Werte schwankten ziemlich krass. Also habe ich so lange getrunken, bis der Polizei-Beamte meinen Blutalkoholwert anhand einer offenbar ziemlich komplizierten Formel errechnet hatte. Als ich besoffen genug war, fuhr ich los.

Mit Ihrem Auto?
Oh, mein Gott! Auf keinen Fall. Glücklicherweise ist mein Nachbar Fahrlehrer. Er hat uns gerne geholfen und uns auch seinen Übungsplatz zur Verfügung gestellt. Er hätte jederzeit eingreifen können, wenn ich richtig Mist gebaut hätte.

Das Auto ist unser einziger Kritikpunkt an Ihrem Test: Ein hochbezahlter Profi wie Nicklas Bendtner würde niemals mit so einer Familienkutsche fahren.
Ganz sicher nicht. Er steht auf schnelle Autos. Aber jetzt muss er sich wohl ein neues Hobby suchen.

Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Jetzt habe ich keine Kontrolle mehr über das Auto?
Das war seltsam. Mit 20 k/mh hatte ich alles im Griff. Ich fuhr wie immer, der Slalomparkour war ein Kinderspiel. Aber dann erhöhten wir das Tempo nur um 10 k/mh – und ich war verloren. Ich fuhr über alles, was mir im Weg stand. Im Straßenverkehr hätte ich sicher auch ein paar Fußgänger erwischt.

Wie haben Ihre Leser auf diesen Versuch reagiert?
Es gibt zwei Lager: Die einen sagen, dass wir Bendtner einfach in Ruhe lassen sollen. Die anderen erkennen, dass es durchaus ein großes Thema ist, wenn sich ein nationales Idol besoffen ans Steuer setzt. Wir wollten auch zeigen, dass es unmöglich ist, betrunken Auto zu fahren.

Wird Nicklas Bendnter sich von dieser Geschichte erholen können?
Das wird schwierig. Seit 1984 sagen wir hier »einen Elkjaer machen«, wenn jemand auf besonders blamable Art scheitert. Das soll an Preben Elkjær Larsens miesen Elfmeter von 1984 erinnern. Nach dieser Posse gibt es bereits einen neuen Ausdruck: »einen Bendtner machen«. Ich bin sicher, er wird sich durchsetzen.

Eine letzte Frage: Wie war Ihr Kater?
Schrecklich, denn er kam bereits ein paar Stunden später. Ich hatte nach dem Selbstversuch frei, ging nach Hause und sagte meinem Mitbewohner, dass ich soeben meine Karriere als seriöser Journalist versaut hatte. Dann ging ich ins Bett. An die Kopfschmerzen, die nach ein paar Stunden Schlaf kamen, denke ich sehr, sehr ungern zurück.

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