29.05.2008

Davor Šuker im Interview

»Alle wollen Euren Skalp«

Bei der WM 1998 besiegte Davor Šuker Deutschland fast im Alleingang. Hier erklärt er, wer die Schlüsselspieler der neuen kroatischen Generation sind, wieso Spanien wieder nichts holt und dass er manchmal von Christian Wörns träumt.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Davor Šuker, heute treffen in der Gruppe B Deutschland und Kroatien aufeinander. Was für ein Spiel erwartet uns?

Sie spielen auf die 3:0-Niederlage der Deutschen von 1998 an, richtig?

Wenn Sie das so interpretieren wollen, bitte.

Nun, seit damals hat sich in ihrem Verband sehr viel verändert. Schon bei der WM 2002 war Deutschland – wie so oft – wieder stark genug, um das Endspiel zu erreichen. Wir erleben heute also ein vollkommen anderes Team als damals.

Tippen Sie ein Ergebnis.


Wenn Kroatien auf Deutschland trifft, steht viel Prestige auf dem Spiel. Ich gehe also davon aus, das beide Mannschaften auf drei Punkte aus sind.

Die Partien bei der EM 1996 in Manchester und bei WM 1998 in Lyon sind auch deshalb noch vielen in Erinnerung geblieben, weil sie von beiden Teams sehr hart geführt wurden.

Sie sehen das falsch. Deutschland ist seit jeher eine der besten Mannschaften in der Welt. Wer gegen die Deutschen antritt, will um jeden Preis gewinnen. So geht es auch uns, denn wir wissen: Wenn wir nur mit 99 Prozent ins Spiel gehen, sind wir verloren. Es geht also um jeden Ball, um jeden Zweikampf. Da kommt es dann auch vor, dass es etwas härter zur Sache geht.

Heißt das, wir können uns wieder auf einen feurigen Schlagabtausch gefasst machen?


Fußball ist ein Männersport (lacht.). Ausschließen würde ich es jedenfalls nicht.

Träumen Sie noch manchmal von Christian Wörns?

Alpträume macht er mir keine, aber ich erinnere mich sehr gut an sein Foul bei der WM 1998. Ich hatte anschließend noch einige Zeit Probleme mit meinem Knie. Die Deutschen haben sich oft beklagt, dass wir im EM-Viertelfinale 1996 sehr hart gespielt hätten – aber ihr habt es uns mit gleicher Münze bei der WM 1998 zurückgezahlt. Was Wörns damals gemacht hat, war mehr als ein gewöhnlicher Platzverweis. Wenn der Schiedsrichter die Möglichkeit gehabt hätte, er hätte ihm drei Rote Karten geben müssen.

Woran liegt es eigentlich, dass so viele Kroaten in der Bundesliga spielen?


Wir haben mit Euch Deutschen sehr viel gemein. Wir sind in Mitteleuropa groß geworden, haben ähnliche Lebensgewohnheiten. In Deutschland gibt es einen hohen kroatischen Bevölkerungsanteil.

Wo sehen Sie die Bundesliga im internationalen Vergleich?


Zu meiner aktiven Zeit war es fraglos eine der besten Ligen der Welt. Inzwischen ist sie von der englischen und spanischen Liga ein bisschen abgehängt worden, was auch mit den Investoren in diesen Ligen zu tun hat. Aber ich bin sicher, dass der DFB mit seinen angeschlossenen Verbänden bald dafür sorgt, dass die Bundesliga wieder auf Augenhöhe ist.

In einem Interview haben Sie gesagt, dem aktuellen Team fehlen Spieler wie die Stars Ihrer Spielerzeit, Leute wie Boban oder Prosine?ki?


Es gibt nun einmal nur einen Boban, nur einen Bokši?. In einem Interview liest sich so was ganz gut. Aber in Wahrheit mag ich solche Vergleiche nicht. In der Qualifikation hat unsere junge Mannschaft immerhin zweimal gegen England gewonnen und auch sehr gut gegen Russland gespielt. Das Spiel von Slaven Bilic ist erfolgreich. Und wenn es ihm gelingt, die Mannschaft auf den Punkt fit zu machen, kann sie auch weit kommen.

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