»Das Wasser steht bis unter die Torlatte«

Wie schlimm ist die Flut in Queensland, Thomas Broich?

Australiens Bundesstaat Queensland erlebt die schwerste Flutkatastrophe seiner Geschichte. Mittendrin: Der ehemalige Bundesligaprofi Thomas Broich. Ein Gespräch über ein überschwemmtes Paradies und die Champions League. »Das Wasser steht bis unter die Torlatte«

Thomas Broich, beim A-League-Spiel Ihres Klubs Brisbane Roar am Mittwoch bei den Central Coast Mariners in der Nähe von Sydney sind beide Teams mit Trauerflor aufgelaufen, vor dem Spiel gab es eine Schweigeminute. Wie sehr nehmen die Australier Anteil an der Flutopfern in Queensland?

Thomas Broich: Das ist ganz extrem. Die Berichterstattung läuft Tag und Nacht im Fernsehen. Hier an der Küste werden Spenden gesammelt, bei Sportveranstaltungen gibt es Schweigeminuten. Es ist das Thema schlechthin, landesweit. Jeder hier ist sehr betroffen.

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Am schlimmsten soll es in der Stadt Toowoomba, 50 Kilometer westlich der Zwei-Millionen-Metropole Brisbane, gewesen sein.

Thomas Broich: In der Stadt gab es einen Dammbruch, überall war die Rede von einem Inland-Tsunami. Da ist das Wasser durchgerauscht und es sind zwölf Menschen ums Leben gekommen. Dagegen ist es in Brisbane noch moderater. Klar, da sind auch viele Häuser einfach weggeschwemmt worden, aber die Leute hatten wenigstens noch ein, zwei Tage Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Bei Ihnen ist es jetzt 0:30 Uhr. Das Spiel wurde drei Stunden vor diesem Gespräch abgepfiffen und ist 3:3 ausgegangen, Sie haben auch ein Tor geschossen. Was erwartet Sie, wenn Sie morgen wieder zurückfliegen nach Brisbane?

Thomas Broich: Das wissen wir auch noch nicht so genau, morgen soll ja der Höchststand der Fluten erreicht sein. Ich werde höchstwahrscheinlich nicht in mein Appartment zurück können, das ist 200 Meter vom Flussufer entfernt. Ich habe noch Glück, dass es vom Brisbane River ein wenig bergauf geht, und es im zweiten Stock liegt. Ich habe also Chancen, dass meine Wohnung nicht geflutet wird. Aber selbst wenn ich hinein könnte, ist da kein Strom, kein Wasser, nichts. Diese Unsicherheit ist schon bedrückend.

Wo kommen Sie unter?

Thomas Broich: Bekannte haben ein Hotel, ich gehe in ein Zimmer im 13. Stock.

Sind Mannschaftskameraden noch direkter betroffen als Sie?

Thomas Broich: Da habe ich noch nicht den Überblick. Ich weiß von einem Mitspieler, der direkt nach dem Spiel abgereist ist. Es ist definitiv so, dass wir alle unmittelbar betroffen sind. Das sind nicht nur die Anderen.

Die »Tagesschau« berichtet von Hamsterkäufen und davon, dass das kommerzielle Leben in der Stadt praktisch zum Erliegen gekommen ist und der Strom abgeschaltet wurde. Wie schlimm ist es wirklich?

Thomas Broich: Die komplette Innenstadt wurde geräumt, in den Supermärkten gab es regelrechte Panikkäufe. Es ist zum Beispiel auch so, dass Sprit nur noch an Rettungswagen herausgegeben wird.

Der Kölner »Express« hat Sie Ende Dezember am Ufer des Brisbane Rivers abgelichtet, das wirkte wie das Paradies. Brisbane gilt als die sonnigste Großstadt Australiens mit einem besonders entspannten Flair. Wie sieht es dort jetzt aus?

Thomas Broich: Die Stelle, an der ich vor ein paar Tagen fotografiert wurde, wird morgen komplett überschwemmt sein, wenn es nicht sogar jetzt schon passiert ist. Dieses kleine Paradies ist in den nächsten Wochen und Monaten erst einmal keines mehr.

Am Sonntag soll Ihr Heimspiel gegen Wellington Phoenix stattfinden...

Thomas Broich: ... das ist schon abgesagt. Das ganze Stadion steht unter Wasser. Da kannst du höchstens drin schwimmen im Moment. Das Wasser steht fast bis zur Torlatte.

Wie geht es in den nächsten Wochen weiter?

Thomas Broich: Das wissen wir noch gar nicht, wir haben jetzt erst einmal drei Tage frei. Was sollen wir auch machen? An Training jedenfalls ist nicht zu denken. Danach wird weiter geschaut, wie sich die Lage entwickelt, ob es sich entspannt oder nicht.

Sie sind erst seit Ende Mai in »Down Under«. Wie nah lässt man das an sich heran?

Thomas Broich: Das geht einem schon nahe, weil es dieses Mal nicht so ist, dass man das Ganze nur im Fernsehen mitbekommt. Ich habe diese Stadt lieb gewonnen und wenn man jetzt diese ehemals schönen Orte sieht und die obdachlos gewordenen Menschen, dann macht das betroffen.

Thomas Broich, sprechen wir trotzdem über Ihre sportliche Situation: Sie haben sich im australischen Fußball gut eingelebt. Eines ihrer vier Saisontore erfuhr eine besondere Ehrung.

Thomas Broich: Ja, das 1:0 im Hinspiel gegen Central Coast wurde sogar zum besten Tor in der Klubgeschichte gewählt. Die größte Zeitung hier hat es dazu gemacht.

Wie haben Sie die Kugel ins Netz befördert?

Thomas Broich: Ich habe den Ball in einer relativ ungefährlichen Zone bekommen, am Strafraumeck, und habe dann überlegt, ob ich flanken soll. Dann habe ich das Tempo verzögert, einen Gegenspieler ausgespielt und den Ball lang in den Winkel geschlenzt (hier gibt es einen Youtube-Clip, d. Red.).

Gewollt oder abgerutschte Flanke?

Thomas Broich: Schon gewollt, aber ich war selbst überrascht, als er dann oben eingeschlagen ist. Ich wollte mich fast entschuldigen, nochmal werde ich das mit Sicherheit nicht hinbekommen.

Sie haben erst eines von 26 Saisonspielen verpasst, gehören zu den Leistungsträgern. Ist die die Bundesliga noch eine Option?

Thomas Broich: Ich glaube, dass das Thema Bundesliga durch ist. Ausschließen will ich nichts, aber ich habe hier für drei Jahre unterschrieben und es läuft im Moment super. Ich bin glücklich hier.

Brisbane Roar hat erst ein Saisonspiel verloren und führt fünf Spieltage vor dem Ende der regulären Saison souverän die A-League an. Es winkt der Einzug in die asiatische Champions-League.

Thomas Broich: Der Meister der regulären Saison wird mit einem Champions-League-Platz belohnt. Unsere Konkurrenten haben zwar noch ein, zwei Spiele in der Hinterhand, aber unser Vorsprung beträgt zehn Punkte. Das sollten wir packen. Um Meister zu werden, muss man dann noch die Playoffs gewinnen und auch dann qualifiziert man sich für die Champions League.

Wie weit würden Sie die weitesten Auswärtsfahrten führen? Nordkorea? Indien? Katar?

Thomas Broich: Da bin ich noch nicht ganz im Bilde. Aber Asien schließt auch Dubai mit ein, das könnten mitunter 14 Stunden Flug werden. Auch in der australischen Liga fahren wir nur zu einem Auswärtsspiel mit dem Bus.

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