»Das Schöne am Fußball: Hoffen geht immer«

Bleiben Sie in Nürnberg, Julian Schieber?

Julian Schieber ist mit vier Toren und sieben Vorlagen der Garant für die solide Hinrunde des 1. FC Nürnberg. Der Schwabe ist einer von vielen Leihspielern des Clubs. Ein Gespräch über seine Perspektive und Dieter Hecking. »Das Schöne am Fußball: Hoffen geht immer«

Julian Schieber, passen Ihnen Ihre Hemden noch?

Julian Schieber: Alles gut. Warum?

Ihr Trainer Dieter Hecking hebt Ihren Einsatz und Ihre Torgefahr heraus. Kapitän Raphael Schäfer schwärmt von Ihrem Charakter. Ein bisschen viel Lob für einen 21-Jährigen?

Julian Schieber: Das tut doch gut. Solche Aussagen steigern mein Selbstbewusstsein. Für einen jungen Spieler ist diese Rückendeckung entscheidend.

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Sie haben in der Hinrunde vier Tore selbst erzielt und konnten sieben Vorlagen verbuchen. Sind Sie für einen Stürmer nicht egoistisch genug?

Julian Schieber: Es ist das Resultat unseres Systems.

Sie dürfen keine Tore schießen?

Julian Schieber: Doch, ich muss aber oft auf die Außenpositionen ausweichen. Deshalb bekomme ich gar nicht so oft die Chance, selber ein Tor zu schießen und lege dann den Ball auf. Klar sind für einen Stürmer vier Assists und acht Tore besser als andersherum, aber solange wir erfolgreich sind, stört das nicht.

Sie sind in die Mannschaft gerückt, weil sich Albert Bunjaku nach dem 3. Spieltag am Knie verletzte. Wie wird sich das System verändern, wenn er zurückkehrt?

Julian Schieber: Gar nicht. Wir spielen mit zwei offensiven Außenspielern und einem zentralen Stürmer. Er hat auch vor seiner Verletzung als offensiver Außenspieler gespielt. Albert oder ich können auf beiden Positionen spielen und würden uns nicht auf den Füßen stehen. Leider sieht es aber im Moment so aus, dass Albert in dieser Saison gar nicht mehr zu Einsatz kommt.

Das würde bedeuten, dass Sie vielleicht beide gar nicht mehr zusammen spielen.

Julian Schieber: Stimmt. Ich bin nur für ein Jahr vom VfB Stuttgart an den Club ausgeliehen.

Sie können ganz entspannt spielen und müssen sich über den Klassenerhalt keine Gedanken machen, da Sie nach der Saison wieder weg sind.

Julian Schieber: Das ist nicht entscheidend. Für mich zählt im Fußball nur das Hier und Jetzt. Jetzt bin ich in Nürnberg. Für mich zählt nur diese Saison.

Sie wissen aber, wie es um den VfB gerade steht, oder?

Julian Schieber: Natürlich schaue ich mit einem Auge nach Stuttgart. Dort habe ich einen Vertrag. Trotzdem steht meine Zukunft in den Sternen.

Sie könnten in Nürnberg bleiben?

Julian Schieber: Das ist nicht klar. Ich habe einen Vertrag in Stuttgart. Trotzdem ist doch gar nicht klar, ob ich dort gebraucht werde. Zum Beispiel habe ich mit dem neuen Trainer Bruno Labbadia noch nicht gesprochen und weiß nicht, was er für Spielertypen möchte.


Ein besonderes Merkmal beim 1. FC Nürnberg sind die vielen Leihspieler in wichtigen Positionen. Kann der Club nur durch Leihgeschäfte bestehen?

Julian Schieber: Es gibt doch keine andere Chance. Nürnberg ist kein Verein mit großen finanziellen Möglichkeiten. Da fällt es schwer, Spieler langfristig zu binden. Mit diesem Konzept kann man in der Bundesliga überleben.

Eine langfristige Planung ist aber nicht möglich.

Julian Schieber: Mit ein bisschen Glück kann man vielleicht doch einige Leihspieler an sich binden. Das ist doch das Schöne am Fußball: Hoffen geht immer.

Sie sprechen vom Hier und Jetzt.

Julian Schieber: Klar ist, dass ich zum Club gekommen bin, um mich weiter zu entwickeln. Beim VfB wäre das nicht sicher gewesen. Hier spiele ich regelmäßig und gehöre mit meinen 21 Jahren zu den Leistungsträgern und darf Verantwortung übernehmen.

Kann man als Zeitarbeiter für ein Jahr eine Bindung zum Verein aufbauen?

Julian Schieber: Ich fühle mich gar nicht als Leihspieler. Die Mannschaft und die Fans haben mich super aufgenommen. Ich bin Teil des Teams und kein Zeitarbeiter. Das Gefühl gibt mir auch der Trainer.

Was hat Ihnen Dieter Hecking mitgegeben?

Julian Schieber: Er ist jemand, der jedes Spiel gewinnen möchte. Das lebt er uns täglich vor. Es klingt abgedroschen, aber diese Mentalität hat er mir eingeschärft. So können wir in der Rückrunde wieder 22 Punkte sammeln und den Klassenerhalt schaffen.

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