03.01.2014

Das kuriose Hotel in West Hams Upton Park

»Am Spieltag werden die Betten geräumt«

Im Stadion von West Ham United gibt es ein Hotel, von dem die Gäste das Spielfeld und die Tribünen sehen können. Das Problem ist nur: Am Spieltag dürfen sie gar nicht auf den Zimmern sein.

Interview: Maximilian Greschak Bild: Imago

José Rodrigues, sind Sie der unbeliebteste Hotelmanager Londons?
Wie kommen Sie denn darauf?

Vor jedem West-Ham-Heimspiel müssen Sie Ihre Gäste aus den Betten scheuchen. 
Wir informieren natürlich die Gäste über diesen Umstand, bevor sie ihre Zimmer beziehen. Viele, die den Aufenthalt mit einem Stadionbesuch verbinden, nutzen den Vormittag für einen Stadtbummel. Nach dem Spiel, etwa gegen 20 Uhr, können die Zimmer außerdem wieder bezogen werden.

Während des Spiels werden die Hotelzimmer flugs in VIP-Logen umgewandelt. Wie lange dauert das?
Zusätzliches Personal sorgt dafür, dass alle Betten herausgeschafft und anschließend durch Sessel ersetzt werden. Bei 60 Zimmern ist das mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Um sicherzugehen, dass die Logen rechtzeitig vor dem Anpfiff fertiggestellt sind, müssen am Spieltag alle Zimmer bis 8 Uhr geräumt sein.

Achten Sie darauf, dass die Hotel-Mitarbeiter auch Fans von West Ham sind?
Das ist jedem selbst überlassen. Allerdings wird jeder hier irgendwann automatisch zum Hammers-Fan.

Wer kam überhaupt auf die Idee, ein Hotel im Upton Park zu eröffnen?
Der Verein wollte etwas ins Leben rufen, das über den gewöhnlichen Stadionbesuch hinausgeht und in den Köpfen hängenbleibt. Als das »West Ham United Hotel« 2002 eröffnete, diente es vor allem Geschäftsterminen. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Mittlerweile verbringen sogar Familien mit Kindern die Ferien bei uns.

Gibt es unter den Zimmern eines, das bei den Gästen besonders beliebt ist?
Nicht, dass ich wüsste. Alle Zimmer haben den gleichen Standard, und jedes einzelne verspricht einen optimalen Blick auf das Innere des Stadions. Mal ehrlich: Wer kann schon sagen, dass er aus dem Bett heraus auf das Spielfeld seines Lieblingsklubs blickt und davon träumen kann, wie die Fans am nächsten Tag wieder »I’m Forever Blowing Bubbles« singen, oder sich daran erinnern, wie Geoff Hurst hier einst seine Buden gemacht hat?

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