13.04.2012

Das innere Derby: Ex-Dortmunder Werner Weist arbeitet heute bei Schalke 04

»Sie haben mein Auto zerkratzt«

Werner Weist machte Anfang der Siebziger 75 Spiele für Borussia Dortmund und schoss dabei 34 Tore. Heute leitet er den Fanartikel-Außenverkauf beim FC Schalke 04. Ein Gespräch über Derbystimmung, kaputte Autos und BVB-Trikots in Gelsenkirchen.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Schalke 04

Werner Weist, vor dem Derby zwischen Schalke und dem BVB sind Sie sicher ein gefragter Mann.
Werner Weist: Ja, das stimmt schon. Der ein oder andere hat da ein paar Fragen.

Sie wurden in Dortmund geboren, lernten das Fußball spielen beim Kreisligisten Sportfreunde 08 und wechselten 1966 zum BVB. Heute arbeiten Sie als Leiter des Fanartikel-Außenverkaufs beim Erzrivalen Schalke 04. Ganz ehrlich, wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie morgens in eine Halle voller königsblauer Trikots und Schals kommen?
Werner Weist: Natürlich war das am Anfang ein bisschen komisch für mich. Aber jetzt bin ich glücklich, hier zu arbeiten. Ich bin Dortmunder und werde es auch immer bleiben, aber ich bin genauso froh, dass Rudi Assauer mir damals die Chance gegeben hat, beim FC Schalke etwas Neues aufzubauen.

Wie kam der Kontakt zu Assauer zustande?
Werner Weist: Wir haben damals schon in Dortmund zusammen gespielt und der Rudi hat seine Freunde nie vergessen. Wir hatten immer Kontakt und 1996 rief er mich dann an und fragte: »Werner, willst Du zum FC Schalke kommen?«

Wie haben Sie reagiert?
Werner Weist: Ich hab mir erstmal angehört, ob der mich veräppeln will. Aber er hat mir erklärt, dass im Bereich Merchandising eine Stelle frei wird und ich mir da etwas aufbauen kann. Da überlegt man nicht lange. Ich habe zugesagt.

Das Merchandising steckte 1996 noch in den Kinderschuhen. Wie sah Ihre Arbeit zu Beginn aus?
Werner Weist: Das Angebot war auch jeden Fall übersichtlich. Es gab fünf Schals, zwei Trikots, ein paar Wimpel und natürlich Aufnäher. Wenn ich sehe, was es heute alles zu kaufen gibt, frage ich mich auch manchmal, warum wir nicht früher darauf gekommen sind.

Müssen Sie sich denn ab und an auch mal dumme Sprüche anhören, wenn es um Ihre Herkunft geht?
Werner Weist: Gefrotzelt wird natürlich immer, da ist es das Beste, wenn man dann einfach zurück frotzelt. Ich habe mich nie verstellt und irgendwem erzählt, ich hätte plötzlich ein blau-weißes Herz. Das würde mir auch keiner abnehmen. Aber böse und aggressiv ist mir gegenüber nie jemand geworden. Aber es gab immer mal ein paar Spinner, die mir das Auto zerkratzt haben, weil ich mit dem Dortmunder Nummernschild am Stadion geparkt habe.

Seitdem fahren Sie mit dem Fahrrad?
Werner Weist: Nein, ich habe mir einfach etwas für die Spieltage einfallen lassen: Samstags steht mein Auto im Merchandising-Lager und das Rolltor ist zu. Seitdem ist nichts mehr passiert.

Über einen Jobwechsel haben Sie nie nachgedacht.
Werner Weist: Quatsch. Ich bin gerne hier. Und Sie würden doch auch nicht den Job wechseln, nur weil es mal ein paar Tage bescheiden läuft.

Am Samstag reist der BVB nach Gelsenkirchen. Für Sie sicher ein Großkampftag.
Werner Weist: Ja, klar. Die ganze Woche ist hier was los. Unsere Stände werden natürlich extra bestückt, weil die Fans zum Derby natürlich besonders gerne Flagge zeigen.

Alles, was schwarz-gelb ist, wird aber wohl systematisch verbannt.
Werner Weist: Da habe ich aus meinen Fehlern gelernt.

Das heißt, Sie wollten auf Schalke tatsächlich BVB-Trikots verkaufen?
Werner Weist: In meinem ersten Jahr habe ich mit den Kollegen hier und beim BVB ausgemacht, dass wir in einigen Ständen auch BVB-Schals und -Trikots anbieten wollen. Also haben wir die Stände mit schwarz-gelben Dingen ausgestattet. Am Spieltag brach allerdings die Hölle aus. Die Fans rund ums Parkstadion versammelten sich zu wahren Protestzügen rund um unsere Verkaufsstände, bei mir glühte die Telefonleitung. Nach zehn Minuten musste ich den Befehl geben: »Alles wieder raus aus den Ständen«. Die Sachen landeten sofort unter der Ladentheke und der Versuch wurde als gescheitert erklärt.

Am Samstag trifft FC Schalke in der Arena auf den Borussia Dortmund. Ist es für Sie ein besonderes Spiel?
Werner Weist: Auch wenn es mir keiner glaubt, für mich ist es ein Spiel wie jedes andere. Ich werde in meinem Büro sitzen und die Verkäufe an meinem Computer überwachen.

Sie schauen das Spiel gar nicht?
Werner Weist: Natürlich steht da auch ein Fernseher. Aber ich drücke niemandem die Daumen oder bin besonders aufgeregt. Aber ich glaube, dass der BVB müde vom Topspiel ist und Schalke am Ende knapp gewinnen wird.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden