24.11.2011

Das große Bernd Schuster-Interview (#2)

»Ich war wie John McEnroe«

Im zweiten Teil unseres großen Interviews mit Fußball-Legende Bernd Schuster sprechen Philipp Köster und Tim Jürgens die ganz heißen Eisen an. Wie war Gaby Schuster wirklich? Ist Arjen Robben wirklich so schlimm? Und wann wird er wieder Bundesliga-Trainer.

Interview: Philipp Köster und Tim Jürgens Bild: Imago


Dennoch haftet zumindest in Deutschland das Image des eigensinnigen Querkopfs noch an Ihnen.

Die Schublade ist leider nie zugemacht worden. Ich habe es gerade bei der Trainersuche beim HSV mitbekommen. Da wurde ein Journalist interviewt, der zu verschiedenen Optionen Stellung beziehen sollte. Plötzlich fällt da auch mein Name und was sagt der Kollege? »Schuster? Bloß nicht. Vor zehn Jahren kam der eine Stunde zu spät zu meinem Interviewtermin. Wenn der Trainer wird, steht er mit fünf Bodyguards auf den Platz.« Das war sein Urteil. So sehen mich die Leute. Bitter. Ganz davon abgesehen, dass ich noch nie fünf Bodyguards hatte, sondern zeitweise mal einen.


Sie haben in den letzten Jahren immer wieder mit Bundesligisten verhandelt. Warum hat es nicht geklappt?

Das kann ich Ihnen gar nicht genau sagen. Ich vermute, dass es einerseits immer noch mit meinem Image in Deutschland zusammenhängt und andererseits damit, dass ich schon so lange mit Spanien assoziiert werde. 


Der Weltklub Real Madrid, den Sie 2008 zur Meisterschaft führten, hatte hingegen keine Probleme Sie einzustellen.

Die wussten eben einzuschätzen, wie ich bin und arbeite. Ich habe dort zwei Jahre gespielt und als Trainer zuvor großen Erfolg beim FC Getafe gehabt. Die Verantwortlichen holten mich, weil ich einen Fußball befürworte, den die Leute in Madrid gerne sehen. 


Für welche Spielphilosophie stehen Sie denn?

Spieler sollen ihre Fähigkeiten entfalten können, sie müssen Freiheiten spüren. Natürlich muss es eine taktische Grundordnung geben, aber ich bin kein Freund davon, Profis in ein Korsett zu stecken. Als Aktiver habe ich mir auch viele Fähigkeiten angeeignet. Mein Spiel fing hinten an und hörte beim Torschuss auf. Ecken, Freistöße, ich habe verteidigt und angegriffen, nie war auf nur eine Aufgabe begrenzt. Das fehlt heute vielen. 


Den Provinzclub FC Getafe haben Sie mit dieser Philosophie zum Spitzenteam gemacht.

Die jungen Spieler haben meine Idee von Freiheit aufgenommen und umgesetzt. Das Team war wie eine Knospe, die sich öffnete. Vorher hatten sie dort ein defensives System gespielt, um nach dem Aufstieg in der ersten Liga zu bleiben. Bei mir haben sie sich nach und nach davon gelöst, eigene Lösungen entwickelt und nach vorne gespielt. Dieser Stil hat sich in Getafe bis heute gehalten, darauf bin ich sehr stolz.

Sie reiften einst unter Hennes Weisweiler zum Profi. Wieviel von dessen Autorität steckt im Trainer Schuster?

Wenig. Was ich von Weisweiler übernommen habe, ist sein Wille, junge Talente zu fördern. Ich kam mit Pierre Littbarski zu den Profis des 1.FC Köln, als sie 1978 gerade das Double geholt hatten. Die Stars brüllte Weisweiler bei jeder Gelegenheit zusammen, aber uns ließ er völlig in Ruhe. Das gab uns Selbstverstrauen. 


Brüllen Sie Ihre Spieler auch an?

So wir früher geht das nicht mehr. Da schrie der Trainer »Lauf« oder »Schieß« und wir haben nur genickt und gemacht. Heute muss ein  Trainer viel mehr auf Spieler eingehen. Dennoch pflege ich eine klare Ansprache, lege auf Disziplin und Pünktlichkeit wert. Ich erwarte auch, das ein Spieler den Spaß am Fußball mitbringt. Profis, die Training nur als Arbeit sehen, kann ich nicht verstehen.

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