24.11.2011

Das große Bernd Schuster-Interview (#2)

»Ich war wie John McEnroe«

Im zweiten Teil unseres großen Interviews mit Fußball-Legende Bernd Schuster sprechen Philipp Köster und Tim Jürgens die ganz heißen Eisen an. Wie war Gaby Schuster wirklich? Ist Arjen Robben wirklich so schlimm? Und wann wird er wieder Bundesliga-Trainer.

Interview: Philipp Köster und Tim Jürgens Bild: Imago
Bernd Schuster, warum sind Sie Trainer geworden? Sie wissen doch wie anstrengend Spieler sein können.

Stimmt, mein ganzes Profi-Leben habe ich mich über Trainer geärgert. Mit 30 war ich überzeugt, dass ich das niemals machen werde, dann ich bin da irgendwie reingerutscht.

Wie rutscht man denn da rein?

Als meine Karriere in Leverkusen austrudelte, habe ich parallel in Köln den B-Schein gemacht. Aus Langeweile. Ich dachte, das sei besser, als nach der Laufbahn ganz ohne Qualifikation da zu stehen. Ich habe auch den Motorradführerschein, obwohl ich gar nicht fahre. Als später den Trainerschein an der Kölner Sporthochschule draufsetzen will, sitze ich eines Tages in einem Seminar von Gero Bisanz in der Aula, plötzlich geht die Tür auf. Ein kölscher Jung tritt rein und sagt: »Ich muss den Schuster sprechen.« Jean Löring hatte ihn geschickt, um mich als Coach zu Fortuna Köln zu holen. Ich sollte sofort anfangen.



Der Sprung ins kalte Wasser.

Der Mann von Fortuna brauchte ja sofort eine Antwort. 


Und plötzlich steht der als Eigenbrötler gescholtene Bernd Schuster vor den Zweitligaprofis von Fortuna Köln und macht den Übungsleiter.

Was heißt steht? Damals war ich noch fit und spielte im Training mit. Gleich der erste Fehler. 


Warum?

Einige hat meine Präsenz angestachelt, die wollten mir zeigen, was sie können. Aber andere hat es gehemmt, der Respekt war wohl zu groß. Ich hätte es besser wissen müssen, das hatte mir schon Leo Beenhakker zu verklickern versucht, bei dem ich in Rotterdam hospitiert hatte. Als ich dort beim Abschlussspiel mitkickte, kam Leo und sagte: »Spieler Schuster – Ende. Jetzt kommt Trainer Schuster«. Das bedeutete: Kein 5 gegen 2 mehr, keine Torschüsse. Grausam. Ich stand auf dem Platz, schaute beim Training zu und langweilte mich. 
Aber so ist der Job nun mal, von außen sieht man mehr als direkt im Geschehen. Ich wollte es wohl nicht wahrhaben. Nach ein paar Tagen luden mich einige Spieler ein, noch ein paar Torschüsse mit ihnen mache. Als ich gerade zum ersten Schuss aushole, brüllt Beenhakker über den Platz: »Schluuuussss.« Das war mir zu blöd, ich bin abgehauen. Statt drei Monaten, habe ich nur drei Wochen hospitiert.


Kein Wunder, dass Ihnen der Ruf vorauseilt, dass Sie schnell dicht machen, wenn Ihnen etwas nicht passt?

Diese Episode liegt 15 Jahre zurück. Ich habe seitdem acht Trainerstationen gemacht, die mich sehr verändert haben. Ich musste mühsam lernen zu kommunzieren, und mich intensiv mit Spielern zu beschäftigen. 


Über den Spieler Schuster haben Sie mal gesagt: »Für mich gab es nichts Schlimmeres als Langeweile, wenn es mir eintönig wurde, habe ich gezündelt. Wenn es richtig kracht, spiele ich am besten.«

Schon richtig, zur aktiven Zeit war da bestimmt etwas dran. Ich hasse eben Langeweile. Damals habe ich mich oft mit John McEnroe verglichen, der immer, wenn es nicht lief, anfing, sich mit dem Schiedsrichter zu streiten. Daraus schöpfte er neue Kraft für Höchstleistungen.


Aber Höchstleistungen muss man auch als Trainer bringen.

Glauben Sie mir, das lodernde Feuer, das ich einst war, hat sich reduziert. Natürlich kommt die Flamme beim Schuster auch immer noch mal raus. Muss sie ja, schließlich will ich Erfolg haben. Aber die unkontrollierten Ausbrüche von früher, gibt es nicht mehr.

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