23.11.2011

Das große Bernd Schuster-Interview (#1)

»Bayern statt Barca: Das war mein Traum«

Er ist das große Mysterium des deutschen Fußballs: Bernd Schuster. Als Spieler ein unverstandenes Genie, als Trainer umstritten. Philipp Köster und Tim Jürgens trafen ihn im November 2011 zum großen Interview. Teil 1 lest ihr hier.

Interview: Philipp Köster und Tim Jürgens Bild: Gunnar Knechtel


Aber Ihr Verhältnis zu Bundestrainer Jupp Derwall war stets von Spannungen geprägt.

Bernd Schuster: Überhaupt nicht. Er hat mich schon bei meinen ersten Einsätzen gegen Irland und Island durchspielen lassen. Leider war ich damals der Überzeugung, immer meinen Kopf durchdrücken zu müssen. Letztlich trug indirekt auch das Heimweh dazu bei, dass ich mich falsch verhielt.

Wie dürfen wir das verstehen?

Bernd Schuster: Der ganze Ärger fing an, weil ich der Ansicht war, dass der Aufwand, den ich betrieb, um zur Nationalelf zu kommen, von den DFB-Funktionären nicht genug gewürdigt wurde. 


Von welchem Aufwand sprechen Sie?

Bernd Schuster: Damals mussten die Vereine ihre Spieler nicht wie heute für Länderspiele freigeben. Im Mai 1981 fand an einem Dienstagabend in Stuttgart ein Freundschaftsspiel gegen Brasilien statt. Endlich konnte ich gegen Zico und Socrates spielen. Das Problem: Tags drauf spielten wir mit Barcelona im Pokal gegen einen Zweitligisten, man verbot mir zur Nationalelf zu reisen. Also flog ich ohne Erlaubnis nach Stuttgart. 


Ein unerhörte Disziplinlosigkeit.

Bernd Schuster: Den Ärger nahm ich für so ein Spiel in Kauf. So war ich. Aber in Deutschland nahmen die Offiziellen überhaupt nicht wahr, was für einen Aufstand ich machte, um dabei zu sein. Derwall ließ mich nur eine Halbzeit spielen. Nach dem Spiel lud Hansi Müller die Mannschaft zu einer Feier bei sich ein. Da ich aber in der Früh fliegen musste, sagte ich einem Mitspieler, dass ich nicht mehr mitkäme. Mein Fehler war, dass ich mich nicht offiziell beim Trainer abmeldete. Das führte zu mächtig Groll gegen mich im DFB-Tross.


Woran merkten Sie das?

Bernd Schuster: Morgens um vier Uhr klingelte bei mir im Zimmer das Telefon. Ein DFB-Mitarbeiter teilte mir mit, dass ich zum Länderspiel gegen Norwegen am darauffolgenden Samstag nicht mehr kommen müsste, der Bundestrainer sei furchtbar enttäuscht. Ich war völlig fertig. Ein paar Minuten später wieder Telefon. Udo Lattek war dran, er hatte die Sache irgendwie mitbekommen, und er sagte, ich solle mich nicht aufregen, er würde das mit Jupp Derwall regeln. Er meldete sich kurz darauf dann nochmal und sagte, es sei alles okay. 
War es aber nicht. Als ich zurück nach Spanien kam, herrschte dort natürlich furchtbares Theater. Am Abend musste ich spielen, ich war abgehauen und bekam erst nach und nach mit, dass mein Ausschluss offenbar doch beschlossene Sache war.

Jetzt kommen wir aber langsam nicht mehr mit.

Bernd Schuster: So ähnlich ging es mir auch. Folgendes war passiert: Ein Freund von mir aus Köln namens Diewald hatte am Tag des Brasilien-Spiels bei uns im Mannschaftshotel genächtigt. Von ihm erfuhr ich, dass er in dieser Nacht morgens um halb fünf einen mysteriösen Anruf bekommen hatte. Er schreckte hoch, nahm ab und hörte wie ein Mann davon sprach, dass »der Bernd nicht ausgeschlossen werden dürfe und wieder mitgenommen werde müsse.« Mein Kumpel dachte sich nichts dabei, sagte »Alles klar, schon richtig« und legte auf. Sie ahnen, was passiert war: Die Rezeptionistin hatte Latteks Anruf nicht zu Herrn Derwall, sondern zu Herr Diewald durchgestellt.

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