16.12.2012

Das dänische Enfant Terrible Preben Elkjaer Larsen im Interview

»Fußball war wie Krieg, ich musste mich wehren!«

Ein Tor auf Socken machte das dänische Enfant Terrible unsterblich. Preben Elkjaer Larsen über Autorennen mit Hans-Peter Briegel, den Sound gebrochener Beine und die schönste Zigarette seines Lebens.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Fiel es Ihnen schwer, von zu Hause fortzugehen?
Mir nicht. Aber meine Mutter wollte mich nicht gehen lassen, sie hat viel geweint. Mein Vater hingegen hat nur gesagt: »Geh, geh! Spiel Fußball!« Er war Werkzeugmacher und hat immer hart gearbeitet, ohne viel zu verdienen. Das wollte er mir wohl ersparen.

Sie haben Tore aus schier aussichtslosen Situationen geschossen, umzingelt von drei, vier Verteidigern. Kann man das trainieren?
Man kann stundenlang durch den Wald laufen, den Baumstämmen ausweichen, hinfallen, wieder aufstehen, weiterlaufen. Das habe ich auch getan. Aber in erster Linie ist es eine Sache des Kopfes: Ich wollte einfach immer der Beste sein. 

Waren Verteidiger Feinde für Sie?
Vor und nach dem Spiel nicht, aber währenddessen. Und ich war ihr Feind. Die Schiedsrichter und das Regelwerk schützten die Stürmer damals kaum, es gab auch noch keine TV-Beweise. Also musste ich mich selbst wehren. Ja, Fußball war wie Krieg damals.

Wer hat Ihnen beigebracht, sich zu wehren?
Vor allem Wolfgang Overath beim 1. FC Köln. Der wusste genau, wie es ist, wenn man die ganze Zeit mit dem Rücken zum Verteidiger steht und Angst haben muss, dass man gleich seine Stollen in der Kniekehle spürt. Er hatte seine Tricks, und die hat er mir vererbt.

Was zum Beispiel?
Sein Ellbogeneinsatz war virtuos. Mehr möchte ich nicht verraten, ich will ja nicht an einem Denkmal kratzen.

Wer war Ihr härtester Gegenspieler?
Oh, hart waren sie alle! Terry Butcher, Karlheinz Förster, Andoni Goikoetxea, der Schlächter von Bilbao. Aber mein Alptraum war Harald Konopka. Ihn sah ich jeden Tag im Training. Das heißt: Ich sah ihn vom Boden aus, denn da lag ich die meiste Zeit.

Haben Sie Fußball manchmal als Qual empfunden?
Es war schon anstrengend, aber ich habe das immer als Weg zum Erfolg gesehen. Manche superschlauen Psychologen sagen, Leistungssportler würden sich gern quälen, weil sie zum Selbsthass neigen. Ich kenne keinen Selbsthass, nur Selbstliebe!

Für den FC bestritten Sie letztlich nur neun Spiele. Eine verlorene Zeit?
Nein, im Gegenteil. Hennes Weisweiler war der beste Trainer, den ich in meiner Laufbahn hatte. Er war unglaublich hart und streng, aber dahinter verbarg sich ein großes pädagogisches Gespür. Er hat mir beigebracht, was man tun muss und was man nicht tun sollte. Leider hat das erst so richtig gefruchtet, als ich Köln wieder verlassen hatte. Ich hätte ihm gern etwas zurückgegeben.

Von Köln sind Sie 1978 in die belgische Liga gewechselt, zum SC Lokeren.
Der Trainer hatte mich in einem Länderspiel gegen Polen gesehen, in dem mir drei Tore gelungen waren. Lokeren war ein kleiner Klub, ich dachte, dort würde ich nicht lange bleiben. Es wurden schließlich sechseinhalb Jahre.

Warum so lange? Sie müssen doch andere Angebote gehabt haben.
Das schon, allein der RSC Anderlecht hat wohl zehn Mal angefragt. Aber die Fans liebten mich. Das gibt man nicht so einfach auf.

Man nannte Sie den »Verrückten von Lokeren«.
Ja, weil ich mich so kamikazeartig in die Zweikämpfe stürzte. Wissen Sie, ich habe gegen die größten Klopper gespielt, die die Welt je gesehen hat. Diese Männer haben Beine gebrochen! Ich hatte also die Wahl – entweder ich blieb liegen, wenn mich ein Verteidiger umtrat, oder ich sagte: »Wenn du Krieg willst, bekommst du Krieg.« Das mag dann auf dem Platz durchaus ein wenig verrückt ausgesehen haben.
 
Wie klingt es, wenn ein Bein bricht?
Da wird einem schlecht, dieses Geräusch vergisst man nie. Wie morsches Holz, das bricht. Aber ich wurde zum Glück nie ernsthaft verletzt. Ich war immer schnell genug, um zu entkommen. Herzlichen Dank an meinen Körper!
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