Dariusz Wosz über den Trainerjob

»Man muss Mensch bleiben«

Dariusz Wosz ist der neue Mann an Bochums Außenlinie. Wir sprachen bereits vor einigen Monaten mit dem Jung-Trainer über Talente, seinen Werdegang im Osten, brennende Trabis und sein Vorbild Peter Neururer. Dariusz Wosz über den Trainerjob

Dariusz Wosz, wie hält man es als Trainer aus, wenn einem andauernd die besten Spieler weglaufen?

Man muss einfach einsehen, dass Fußball-Profis nach spätestens zwei Jahren weiterziehen, das gehört zum Geschäft und damit muss auch ich leben. Ich würde mir wünschen, dass Bundesliga-Trainer noch mehr Mut hätten, und jüngeren Spielern längere Einsatzzeiten zu geben. Schauen Sie sich doch an, welchen Erfolg Felix Magath auf Schalke hat, oder Michael Frontzeck bei Borussia Mönchengladbach. Talentierte Nachwuchsspieler um die 19 oder 20 Jahre sind zumindest schon so weit, um sie in tägliche Training der ersten Mannschaft einzubinden.  

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Sie selbst sind als junger Fußballer noch in der DDR groß geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre ersten Schritte?

Ich habe die ersten Jahre nur auf der Straße gezockt, erst mit zehn bin ich meinem ersten richtigen Verein beigetreten und beim Halleschen FC begann dann eigentlich die typische DDR-Ausbildung im Sport-Internat. Das wurde brutal ausgesiebt, nicht nur im Fußball. René Tretschok und ich haben aus unserem Jahrgang geschafft, kurz danach auch Steffen Karl.  

In der letzten Saison der DDR-Oberliga 1990/91 wurden Sie zum drittbesten Fußballer der DDR gewählt. Wie verlief diese Spielzeit?

Eigentlich sollte ich längst im Westen spielen, was aber nicht geklappt hat, weil den Interessenten das nötige Kleingeld für einen Transfer fehlte. Mir war das damals ziemlich egal, ich wollte Fußball spielen, wo, das spielte keine große Rolle. Über einen Freund erfuhr ich dann 1992, dass der VfL Bochum starkes Interesse an mir haben würde. Ich bin nach Bochum gefahren, habe die Mannschaft beobachtet und mir schließlich gesagt: »Da gehste hin.« Der VfL galt damals als »unabsteigbar«, in dieser Mannschaft schien es möglich, mir schnell einen Stammplatz zu sichern.

Was ja auch klappte – erst nach sechs Jahren und 211 Spielen haben Sie den Verein Richtung Berlin verlassen. Der Abgang aus Bochum war nicht gerade angenehm...

Vor und nach diesem Wechsel nach Berlin wurden sehr viele Unwahrheiten erzählt und geschrieben. Man warf mir vor, ich hätte Bochum nur wegen des Geldes verlassen, aber das war völliger Quatsch: Wäre ich wegen des schnöden Mammons gewechselt, hätte ich vorher Valencia oder Paris St. Germain zugesagt.

Die Bochumer Fans haben damals sogar Ihren Trabi abgefackelt...

Auch das war eine Folge der vielen unwahren Behauptungen über meine Person. Wie man mich damals behandelt hat – das fand ich einfach nicht in Ordnung. 1,2 Millionen Euro habe ich Bochum gekostet, für 5,2 Millionen haben Sie mich verkauft. Während meiner Zeit beim VfL sind wir aufgestiegen und sogar in den UEFA-Cup gekommen.

Fühlten Sie sich undankbar behandelt?

An diesem Wechseltheater hat man jedenfalls gesehen, wie es in unserer Gesellschaft läuft. Läuft alles gut, klopfen dir die Leute die Schulter weich, läuft es schlecht, bist du an allem Schuld. Ich habe die Wechsel trotzdem nicht bereut. Nicht den nach Berlin und schon gar nicht die Rückkehr zum VfL.

Sie haben Peter Neururer als Ihr Trainervorbild bezeichnet. Warum?

Für mich ist es eigentlich das Wichtigste am Trainerberuf, dass man auch dann Mensch bleibt, wenn um einen herum alles weg bricht, wenn es mal richtig mies läuft. Und Peter Neururer ist immer Mensch geblieben, ganz egal, auf welchem Platz seine Mannschaft stand. Das Training hat immer Spaß gemacht, er hat jeden Tag Herzblut für seine Arbeit vergossen. Klaus Toppmöller ist übrigens auch so ein Typ. Von beiden habe ich eine Menge lernen können.        

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