Dante über das 1:7-Debakel und das WM-Finale

»Wir waren ein Totalausfall!«

Keine zwei Monate ist es her, da feierte Dante mit dem FC Bayern das Double – als Stammspieler in der Innenverteidigung. Bei der WM im eigenen Land war der Brasilianer meist nur Ersatz. Und als er ran durfte, erlebte er im Halbfinale gegen Deutschland das historische 1:7-Debakel.

Dante, Sie haben die ganze WM über auf Ihren ersten Einsatz gewartet – und dann passiert er im schlimmsten Moment der brasilianischen Fußballgeschichte. Können Sie schon erklären, wie dieses 1:7 zustande gekommen ist?
Eigentlich war ich optimistisch, Brasilien in diesem Spiel helfen zu können. Ein WM-Spiel im eigenen Land gegen Deutschland spielen zu dürfen – das war für mich schon etwas Besonderes. Aber leider hatte unser Team einen ganz schlechten Tag. Wir haben taktische Fehler gemacht und die Deutschen konnten jeden einzelnen ausnutzen. Wir waren nervös, schlicht ein Totalausfall und konnten dann nicht mehr reagieren. Niemand von uns hätte erwartet, dass so etwas jemals in einer WM passieren könnte. Und erst recht nicht uns.
 
Wer trägt die Schuld?
Da kannst du nicht einen einzigen ausmachen. Luiz Felipe Scolari hat eineinhalb Jahre einen guten Job gemacht. Wir waren gut in den Freundschaftsspielen, während des Confederations Cups, und wir haben bei der WM immerhin mal das Halbfinale erreicht. Leider kam dann so ein Spiel, in dem alles schief lief. Deutschland hat daraus seine Tore gemacht.
 
War es Pech, ausgerechnet in diesem Moment Teil des Teams zu sein?
Vor dem Anpfiff war ich einfach nur glücklich, endlich für mein Land spielen zu dürfen, vor meinen Freunden, meiner Familie und unserer ganzen Nation. Jetzt bin ich sehr traurig, wie alles ausgegangen ist.
 
Sie haben gegen viele Spieler gespielt, die Sie aus dem täglichen Bayern-Training kennen – und gegen andere, die Ihnen aus der Bundesliga oder der Champions League bekannt sind. Warum waren die trotzdem nicht aufzuhalten?
Bayern hat eine große Mannschaft, und die sieben Spieler, die zum Nationalteam gehören, haben eine Riesen-Qualität. Ich glaube, zum Anfang des Spiels hatten wir eine ganz schlechte Organisation. Das Mittelfeld war komplett offen. Die Deutschen haben das zu ihrem Vorteil gemacht. Unsere Defensivarbeit hat das sehr erschwert.
 
Die brasilianische Presse hat spekuliert, dass die Deutschen nach dem 5:0 in der Pause einen Pakt geschlossen haben, Brasilien nicht weiter zu demütigen. Haben Sie davon etwas mitbekommen?
Ich könnte die Geste verstehen, wenn sie wirklich passiert ist. Aber ich weiß es nicht. Die Deutschen hatten zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall gewonnen und wussten, dass wir nicht unseren besten Tag erwischt hatten.
Was haben Schweinsteiger, Müller, Kroos nach dem Spiel zu Ihnen gesagt?
Sie haben mir gut zugeredet, dass ich meinen Kopf wieder aufrichten soll. Und immer wieder diesen Satz: Das war kein normales Spiel.
 
Glauben Sie, Ihr schlimmes WM-Debüt kann sich negativ auf Ihre Karriere auswirken?
Nein. Ich glaube, ein einzelnes Spiel kann nicht das aufheben, was ich in zwölf Jahren als Profi erreicht habe. Und wie ich schon gesagt habe: Es gibt nicht einen einzelnen Schuldigen für diese Niederlage. Ein WM-Halbfinale zu verlieren ist traurig. Die Art und Weise noch trauriger. Aber das waren kollektive Fehler und nicht die eines einzelnen.
 
Ob Sie jemals noch die Chance haben werden, für die Seleçao zu verteidigen?
Schwierig. Ich bin schon 30, werde in ein paar Monaten 31. Aber wenn der Coach sagt, dass er mich braucht, kann er auf mich zählen.
 
Wem drücken Sie im WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien die Daumen?
Ich werde Deutschland unterstützen. Ich lebe dort, bin dort in all meiner Zeit gut behandelt worden. Ich fühle mich dem Land sehr zugeneigt. Meinen Teamkollegen von Bayern habe ich schon gesagt, dass ich ihnen viel Glück wünsche, nach 24 Jahren endlich wieder den Titel zu holen.
 
Und was machen Sie danach?
Ich fahre in den Urlaub. Erst mit meiner Familie nach Cancún. Dann geht’s zurück nach Brasilien, wo ich weitere zwei Wochen in meiner Heimatstadt Salvador verbringe. Danach reise ich direkt zurück nach Deutschland – und ab dann zählt wieder nur noch Bayern.

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