Dank Lotto: Frankfurt-Fans wollen Waldstadion zurückkaufen

»Ein Stück Verbundenheit«

Fans von Eintracht Frankfurt wollen die Namensrechte an ihrem Stadion zurückkaufen – mit einem möglichen Lottogewinn. Wir sprachen mit Initiator Dominik Zierga.

2015 werden die Namensrechte des Frankfurter Stadions neu vergeben, die Nordwestkurve e.V, eine Interessenvertretung verschiedener Fangruppierungen von Eintracht Frankfurt, will in die Verhandlungen einsteigen und das Stadion wieder in Waldstadion zurückbenennen. Dafür müssen sie nur noch im Lotto gewinnen. Wir sprachen mit Norddwestkurve-Sprecher Dominik Zierga über die Aktion »Reclaim the Name«.

Dominik Ziegra, die Frankfurter Fans wollen die Namensrechte des Stadions erwerben, damit es endlich wieder Waldstadion heißt. Die finanziellen Mittel dafür wollen sie per Lotto aufbringen. Wie kamen sie auf die Idee?
Wir saßen vor kurzem in kleiner Runde zusammen und haben überlegt, wie groß die Chancen sind, dass unser Stadion irgendwann wieder Waldstadion heißt. Natürlich wird die Stadt nicht auf die Millionen eines neuen Sponsors verzichten, und selber mal eben einen Millionenbetrag aufzutreiben, um die Namensrechte zu kaufen, ist quasi unmöglich. Es sei denn, man gewinnt im Lotto.

Womit die Aktion »Reclaim the Name« geboren war. Wie sieht die aus?
Wir haben einen Aufruf an alle Eintracht-Fans gestartet, dass wir uns am Samstag, den 13. September um 16 Uhr an der Bockenheimer Warte treffen, um gemeinsam Lotto zu spielen. Mit dem Gewinn wollen wir in den Poker um die Namensrechte einsteigen.

Kann das klappen? Die Chancen auf den Jackpot stehen bei 1:139.838.160.
Wenn wir Pech haben, gewinnen wir eben nur eine oder zwei Millionen, das reicht dann vielleicht für ein Jahr (lacht). Aber klar, wir wissen, dass ein Gewinn unwahrscheinlich ist. Es geht aber vor allem darum, zu zeigen, dass die Diskussion rund um den Verkauf des traditionellen Stadionnamens keinesfalls beendet ist. Durch »Reclaim the Name« haben wir einen guten Aufhänger geschaffen, um diese Diskussion wieder in die Öffentlichkeit zu rücken.

Allerdings gibt es schlechte Nachrichten: Am vergangenen Samstag ist der Jackpot von 9,1 Millionen Euro geknackt worden, auch noch von jemandem aus der Nähe von Frankfurt. Oder war das sogar schon ein Mitglied der Nordwestkurve?
Nein, leider nicht. Wir haben zwar schon ein paar Lottoscheine von Unterstützern der Aktion bekommen, allerdings sind die alle auf den 13.09. datiert. Es sind aber ja auch noch fast drei Wochen, der Jackpot wird also noch steigen.

Was passiert, wenn sie entgegen aller Wahrscheinlichkeiten doch etwas gewinnen?
Das kommt auf den Betrag an. Wenn es eine ordentliche Summe ist, werden wir den Verantwortlichen signalisieren, dass wir in die Verhandlungen einsteigen wollen. Die Bemühungen sind dabei absolut ernst gemeint, auch wenn der Umfang sich dabei natürlich an der Höhe des Gewinnes orientiert. Wenn es sich nur um einen mittelgroßen Betrag handelt, wäre denkbar, dass wir versuchen, den Stadionnamen nur für einzelnes Heimspiel zu erwerben, um so unserer Sache Gehör zu verschaffen.

Was, wenn sie ein paar Millionen gewinnen, der Stadionbetreiber das Angebot aber ausschlägt? Bekommt die Eintracht von dem Geld dann einen neuen Spieler?
Nein. Sollten wir tatsächlich etwas gewinnen und die Bemühungen um den Stadionnamen erfolglos bleiben, werden wir das Geld nachhaltiger anlegen. Dann werden wir es der Jugendabteilung der Eintracht spenden.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?
Schwer zu sagen, aber die Aktion zieht schon ihre Kreise. Über den Nachmittag verteilt werden sicherlich ein paar hundert Leute vorbeikommen und mitspielen. Abseits davon ist die Aktion aber trotzdem schon ein Erfolg. Es war wichtig zu zeigen, dass wir nach wie vor nicht mit dem Stadionnamen einverstanden sind, auch wenn in den vergangenen zehn Jahren, in denen das Stadion Commerzbank-Arena hieß, nicht pausenlos dagegen protestiert wurde. Der Name hat sich in Frankfurt übrigens nie durchgesetzt, das sollte ein zukünftiger Namensgeber mitbedenken.

Bei allen Fehlentwicklungen des modernen Fußballs: Was genau stört Sie gerade am Verkauf des Stadionnamens?
Natürlich ist der Verkauf des Stadionnamens nicht unser einziges Thema und vielleicht gibt es derzeit auch dringlichere. Aber neben dem Verein identifiziert man sich als Fan ja auch mit dem Stadion und geht über Jahre und Jahrzehnte Woche für Woche dorthin. Wenn der Stadionname alle paar Jahre wechselt, geht damit ein Stück Verbundenheit verloren.

Es heißt: »Auf dem Mars, auf dem Mond, überall ein Hesse wohnt.« Wie können sich denn Eintracht-Fans an der Aktion beteiligen, die im Exil wohnen und es am 13. September nicht nach Frankfurt schaffen?
Also mit Bargeld wollen wir ungern rumhantieren, aber wir freuen uns natürlich, wenn uns ausgefüllte Lottoscheine zugeschickt werden. Bei Interesse kann man uns unter www.nordwestkurve.net einfach per Email kontaktieren.

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