Daniel Schwaab über Dutt, Hyypiä und sein Studium

»Hyypiä ist der geborene Trainer«

Daniel Schwaab ist keiner, der die Spotlights sucht. Dabei ist der Leverkusener einer der Shootingstars der Saison – zuletzt verdrängte er sogar den Turm zu Bayer, Sami Hyypiä, aus der Stammelf. Wir sprachen mit ihm über Heynckes, Dutt und seinen Studentenalltag. Daniel Schwaab über Dutt, Hyypiä und sein StudiumImago

Daniel Schwaab, die Legende besagt, dass Sie mit Patrick Helmes, Eren Derdiyok und Renato Augusto in einer Kölner WG gewohnt haben.

Daniel Schwaab: Man darf sich das nicht als Studenten-WG vorstellen. Wir haben lediglich im gleichen Haus gewohnt. Jeder hatte seine eigene Wohnung. Zwischen Bayer und dem Vermieter besteht ein guter Kontakt.

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Darf man als Leverkusener überhaupt in Köln wohnen?

Daniel Schwaab: Ehrlich gesagt wohnen die meisten von uns in Köln. Das ist überhaupt kein Problem.

Neben dem Fußball studieren Sie Wirtschaftswissenschaften an der Fern-Uni Hagen. Wollen Sie später mal Wolfgang Holzhäuser beerben?

Daniel Schwaab: Ich hoffe mal, es dauert noch eine Weile bis meine Karriere vorbei ist. Danach wird man sehen. Eine Karriere im Management, Marketing oder eine eigene Fußballschule – das sind Konzepte, die ich mir gut vorstellen kann. Ich möchte mich aber in erster Linie weiterbilden und es kann nicht schaden, sich ein zweites Standbein aufzubauen.

Wie lässt sich der Profialltag mit dem Studentenleben verbinden?

Durch das Konzept der Fern-Uni kann ich bequem von zu Hause aus lernen. Wenn wir mit der Mannschaft unterwegs sind, nehme ich mir auch mal ein paar Übungsblätter mit. Ich bin keiner, der sich nach dem Training vor die Playstation setzt. Da bleibt genug Zeit. Dennoch: Priorität hat der Sport.

Lassen Sie uns über Fußball reden. Sie haben sich trotz großer Konkurrenz in Leverkusen durchgesetzt und stehen regelmäßig in der Startformation. Welche Faktoren waren für Ihre positive Entwicklung entscheidend?

Daniel Schwaab: Ich bin ja nicht aus Freiburg gekommen, um mich auf die Bank zu setzen und mir das mal anzuschauen. Ich war davon überzeugt, dass ich mich auch hier durchsetzen werde. Außerdem sehe ich mich als Vollprofi, der alles für seinen Beruf gibt und bringe meine Qualitäten im Sinne der Mannschaft ein. Das hat der Trainer registriert und mich regelmäßig aufgestellt.

Jupp Heynckes hat Ihnen von Anfang an vertraut. Wie schwer wiegt sein Abgang?

Daniel Schwaab: Das ist schade, da wir sehr erfolgreich sind und die Mannschaft ein gutes Verhältnis zu ihm hat. Aber ich weiß, dass wir auch in Zukunft einen sehr guten Trainer haben werden.

Robin Dutt ist ein alter Bekannter von Ihnen.

Daniel Schwaab: Wir haben in Freiburg schon zusammen gearbeitet und den Aufstieg in die Bundesliga geschafft.

Was wird Dutt anders machen als Heynckes?

Daniel Schwaab: In Freiburg haben wir noch mehr Leistungsdiagnostik betrieben als in Leverkusen – und auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse noch umfangreicher individuell trainiert. Dutt ist ein Trainer der neueren Schule, aber er kann natürlich noch nicht die Erfahrung haben, die ein Jupp Heynckes hat.

Wer trainiert härter?

Daniel Schwaab: Uns werden zukünftig härtere Trainingseinheiten erwarten.



Warum kann sich Leverkusen so viele Talente angeln?

Daniel Schwaab: Mittlerweile haben wir natürlich einen sehr guten Ruf. Wenn junge deutsche Spieler geholt werden und die auch direkt einschlagen, wird das in anderen Vereinen natürlich registriert.

Wie läuft der Eingliederungsprozess eines jungen Spielers in Leverkusen ab?

Daniel Schwaab: Wir haben hervorragende Scouts. Die neuen Spieler sind also ohnehin von hoher Qualität. Es wird bei uns außerdem auf den Charakter geachtet. Wer sich nicht in den Dienst der Mannschaft stellt, wird in Leverkusen keine große Zukunft haben. Deshalb funktioniert der Einstieg auch so gut.

Sie haben seit der U18 alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und spielen nächste Saison in der Champions League. Wann rechnen Sie mit einem Anruf von Jogi Löw?

Daniel Schwaab: Es bringt nichts, wenn man ein, zwei überragende Spiele macht und dann in den Himmel gehoben wird. Ich möchte konstant meine Leistung abrufen. Grundsätzlich glaube ich, dass ich das Potenzial zum Nationalspieler habe, aber ich rechne jetzt nicht spezifisch mit einem Anruf.

Ist es ein Fluch, dass ausgerechnet Philipp Lahm auf Ihrer angestammten Position in der rechten Außenverteidigung spielt?

Daniel Schwaab: Wenn ich wirklich konstant starke Leistungen bringe, um da anzuklopfen, dann würde sich da bestimmt ein Lösung finden. Aber das ist Zukunftsmusik. Philipp Lahm kann ja auch auf der linken Seite überragende Leistungen bringen. Ich habe außerdem in den letzten Spielen in der Innenverteidigung gespielt.

Dort haben Sie gerade Sami Hyypiä verdrängt.

Daniel Schwaab: Hyypiä ist aber keiner, der deswegen beleidigt ist. Im Gegenteil: Er hilft uns mit all seiner Erfahrung und gibt mir und Stefan Reinartz gute Tipps, auch wenn er auf der Bank sitzt. Es macht viel Spaß mit ihm zusammenzuspielen.

Robin Dutt mit dem Co-Trainer Hyypiä. Ein mögliches Modell für die Zukunft?

Daniel Schwaab: Da müssen Sie Robin Dutt fragen. Grundsätzlich halte ich Sami Hyypiä für einen geborenen Trainer. Er hat extrem viel Ahnung von Fußball und kann das auch sehr gut vermitteln.

In Leverkusen konzentriert sich viel auf Michael Ballack. Obwohl Sie regelmäßig spielen, stehen Sie nicht unbedingt im Fokus der Öffentlichkeit. Ist das in den ersten Profijahren ein Vorteil oder würde sich Ihr Berater den ein oder anderen öffentlichen Auftritt mehr wünschen?

Daniel Schwaab: Es gibt ja bei anderen Vereinen junge Spieler, die stehen nach jeder Partie am Spielfeldrand und geben Interviews. Ich will mich da nicht so in den Vordergrund drängen. So wie es ist, ist es ganz gut. Wenn es etwas mehr Rummel gibt, hätte ich aber mit Sicherheit auch nichts dagegen einzuwenden.

Was hat Dortmund dieses Jahr noch besser gemacht als Leverkusen?

Daniel Schwaab: Sie haben von Anfang an den absoluten Willen gehabt und sind unglaublich viel gelaufen. Die Offensivspieler haben viel für die Defensive gemacht, die Abwehrspieler haben sich nach vorne eingebracht. Sie haben eine tolle Kollektivleistung gezeigt, haben aber auch überragende Einzelspieler wie Götze, Sahin oder Barrios. Ich glaube aber nicht, dass es nur an den gelaufenen Kilometern liegt, wie so oft behauptet wird. Es kommt darauf an, auch die richtigen Laufwege zu gehen.

Der Rückstand auf Dortmund beträgt nur noch fünf Punkte. Wird es noch einmal spannend?

Daniel Schwaab: Sie hatten ja mal zwölf Punkte Vorsprung. Der Trend spricht für uns. Aber wir müssen natürlich unsere eigenen Spiele gewinnen. Dann werden wir mal sehen. Letztendlich sind in Leverkusen aber alle zufrieden, wenn wir diese Saison Zweiter werden.

Am Sonntag geht es gegen Bayern. Ihr Gegenspieler wird entweder Franck Ribéry oder Mario Gomez sein. Wie bereiten Sie sich vor?

Daniel Schwaab: Es ist natürlich immer eine Herausforderung, sich mit solchen Spielern zu messen. Man sieht dann, wo man selbst steht. Wir machen vor jedem Spiel außerdem eine Videoanalyse. Dort werden die Bewegungsabläufe der Gegenspieler studiert. Ich freue mich sehr auf diese Partie.

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