23.04.2012

Daniel Schulz über Sandhausen, Berlin und Lebensqualität

»Boateng und Dejagah waren spezielle Typen«

U21-Nationalspieler und Kapitän bei Union Berlin – Daniel Schulz galt als großes Talent. Dann bremsten ihn Verletzungen. Seit 2010 spielt er beim SV Sandhausen und konnte am Samstag den Aufstieg in Liga zwei feiern. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang.

Interview: Christoph Drescher Bild: Imago

Daniel Schulz, Glückwunsch zum Zweitligaaufstieg mit dem SV Sandhausen. Damit geht es in der nächsten Saison gegen Ihren Ex-Klub Union Berlin. Freuen Sie sich schon auf die Duelle?
Daniel Schulz: Ich freue mich sehr auf die Rückkehr nach Berlin, auch wenn der Kontakt zu Union mehr oder weniger abgebrochen ist.

Als gebürtiger Berliner könnten Sie dann auch auf Hertha BSC treffen. Waren Sie schon mal im Olympiastadion?
Daniel Schulz: Zum Zuschauen, ja, aber selbst spielen durfte ich da noch nicht. Das wäre natürlich eine Supersache.

In der vergangenen Saison schafften Sie mit dem SV Sandhausen gerade so den Klassenerhalt in der dritten Liga, nun sind Sie aufgestiegen. Was hat sich in Sandhausen geändert?
Daniel Schulz: Die schwierige Situation im vergangenen Jahr hat uns eines bewusst gemacht: nur als Mannschaft kannst du Erfolg haben. Vor allem in einer so ausgeglichenen Liga. Das hat uns richtig zusammen geschweißt. Ganz entscheidend war auch der Trainerwechsel von Pavel Dotchev zu Gerd Dais. Er hat ein defensiveres System spielen lassen mit einem zusätzlichen Sechser. Das liegt uns. Das passt einfach zu unserer Mannschaft.

Aufgewachsen sind Sie in den Ost-Berliner Kiezen Friedrichshain und Köpenick. War Sandhausen da erstmal ein Kulturschock?
Daniel Schulz: Keine Frage, die Umstellung war groß. In Berlin ist ja alles vier Nummern größer, dort brauchst du eine Stunde, um von einem Ende der Stadt zum anderen zu kommen. Von der Lebensqualität her gibt es aber keinen Unterschied. Und zur Not gibt es noch Heidelberg in der Nähe. Eine wunderschöne Stadt.

Sie spielten von 2001 bis 2010 bei Union Berlin. Vermissen Sie diese Zeit?
Daniel Schulz: Auf jeden Fall, Union ist ja kein gewöhnlicher Klub. Das Umfeld, die herausragenden Fans und dieses fantastische Stadion, einfach einmalig. Ich kann es nur jedem empfehlen, dort mal zu spielen.

Sie galten als vielversprechendes Talent und Uwe Neuhaus machte Sie gar mit 21 Jahren zum Kapitän bei Union. Schluckt man da erstmal?
Daniel Schulz: Na klar, zumal wir ein Team mit gestandenen Spielern hatten. Marco Gebhardt und Nico Patschinski waren zum Beispiel erfahrenen Haudegen mit Bundesligaerfahrung. Das mir Uwe Neuhaus dieses Amt anvertraute, hat mich geehrt.

Wie hat er Ihre Wahl denn begründet?
Daniel Schulz: (lacht) Es muss wohl an meinen Charaktereigenschaften gelegen haben. Ich war schon immer sehr ehrgeizig, hab im jedem Training Gas gegeben. Außerdem war ich schon lange bei Union und mit dem Verein tief verwurzelt.

Das Amt hat Sie nicht unter Druck gesetzt?
Daniel Schulz: Ich habe mir zwar meine Gedanken gemacht, ob die älteren Spieler mich auch respektieren, doch die Jungs sind mit der Sache sehr gut umgegangen und haben mich unterstützt. So kam Druck gar nicht erst auf.

Sie haben auch zwei Länderspiele für die deutsche U21-Nationalmannschaft gemacht.
Daniel Schulz: Richtig, eine tolle Erfahrung. Das Team war ziemlich gut. Andreas Beck, Kevin-Prince Boateng und Askhan Dejagah sind Nationalspieler geworden, Kevin-Prince Boateng sogar ein Weltstar. Boateng und Dejagah kannte ich bereits aus den Berliner Auswahlmannschaften. Die zwei waren schon spezielle Typen mit Ecken und Kanten, aber sie sind ihren Weg gegangen und das sehr erfolgreich.

Ärgern Sie sich, dass es diese Spieler soweit nach oben geschafft haben, während Sie noch in der dritten Liga kicken?
Daniel Schulz: Ich habe mich schon mal gefragt, warum das bei mir nicht so gelaufen ist. Doch im Fußball gibt es soviel Unwägbarkeiten wie schwere Verletzungen, die bei mir halt auftraten. Nachtrauern bringt doch nichts.

Mit Union gelang dann der Aufstieg in die zweite Bundesliga, wo Sie allerdings nur fünf Spiele absolvierten. Warum lief es nicht mehr?
Daniel Schulz: Da kam vieles zusammen. Die Aufstiegssaison war schon nicht so gut, weil ich durch eine Meniskusverletzung lange ausgefallen bin. In der Vorbereitung auf die Zweitligasaison konnte ich nicht überzeugen und dann verloren wir auch noch in der ersten DFB-Pokalrunde mit 0:5 gegen Werder Bremen, wo ich keine gute Leistung zeigte. Uwe Neuhaus hat mich dann aus dem Team genommen, was ich sehr schade fand. Anschließend spielte die Mannschaft erfolgreicher und das war’s dann für mich.

Vielleicht läuft es mit Sandhausen für Sie in der zweiten Liga besser.
Daniel Schulz: (lacht) Das hoffe ich sehr.

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