26.03.2009

Daniel Fernandes im Interview

»Es ist hart für Ronaldo«

Vor dem Qualifikationsspiel gegen Schweden sprachen wir mit Portugals  Nationalkeeper Daniel Fernandes über seine Jugend in Kanada, seine Freundschaft zu Cristiano Ronaldo und ein Angebot vom FC Chelsea.

Interview: Frank Schwantes Bild: Imago
Daniel Fernandes, Sie sind ein bemerkenswerter Torhüter – mit jeder Menge sportlichem Talent.

Ja, ich habe in der Vergangenheit schon so einige Sportarten ausprobiert: Snowboarden, Basketball, Surfen, Mountainbiking und Streethockey. Ich bin in Vancouver in Kanada aufgewachsen, und dort ist das nichts Ungewöhnliches. In der Region hat man Wasser und Berge, was einem viele Freizeitmöglichkeiten bietet.



Wie sind Sie zum Fußball gekommen – in einem Land, wo doch Eishockey Nationalsport ist?

Durch meine Mutter. Als ich zehn oder elf war, hat sich mich zu einem Training gebracht. Der Verein hieß Vancouver Olympics.

Wie muss man sich das Leben in Vancouver vorstellen?

Es ist eine Multikulti-Stadt. Nicht nur wegen der vielen Nationalitäten, sondern auch, was die Möglichkeiten angeht. Die Leute an Kanadas Westküste sind sehr offen. Sie leben einen »free spirit«, probieren gerne neue Dinge aus. Als Kind möchtest du Footballer, Basketballer, Eishockeyspieler oder Sänger werden? In Vancouver hast du die Chance dazu. Du kannst es sogar bis zum Profi bringen – wie die Beispiele von Steve Nash (NBA-Basketballer, Anm.) oder das der Rockband »Nickelback« zeigen.  

Wann haben Sie sich entschieden, Fußball-Profi zu werden?

Als ich mit 16 Jahren nach Europa ging. In Portugal, in der Jugendakademie des FC Porto, habe ich mir gesagt: Okay, das willst du packen! 

Wie hat Ihre Familie reagiert, als sie erfuhr, dass Sie mit 16 Jahren allein fortgehen? 

Mein Vater sagte: »Mach es.« Aber für meine Mutter war es eine Tragödie. Noch heute ist das sehr hart für sie. 

Sie sind in Kanada aufgewachsen, haben sich aber für Portugals Nationalmannschaft entschieden. Wie kam das?

Portugal ist die Heimat meines Vaters, für das Land wollte ich schon immer spielen. Vom Kopf her bin ich eher Kanadier, doch durch meine Adern fließt portugiesisches Blut. Ich hatte zwar einige Einsätze für Kanada, doch die wurden von der FIFA nicht registriert. So konnte ich mich für Portugal entscheiden.

In der Bundesliga kämpfen Sie mit dem VfL Bochum gegen den Abstieg. Wie stehen da Ihre Chancen, Portugals Nummer eins zu werden?

Ich spiele regelmäßig in der Bundesliga, bin bei der portugiesischen Nationalmannschaft willkommen – es liegt also vor allem an mir. Portugals Torhüter-Position ist vakant, und diese großartige Chance will ich nutzen. 

Wer sind Ihre Rivalen? 

Ich würde sagen, Eduardo von Sporting Braga und Beto von Aufsteiger Leixoes. Quim von Benfica Lissabon ist mittlerweile zu alt. Und Ricardo (Portugals EM-Keeper, Anm.) wurde nicht mehr nominiert. Ich konzentriere mich aber lieber auf meine Leistungen, als mir Gedanken über die Konkurrenz zu machen.

In der WM-Qualifikation ist Portugal aktuell nur Gruppenvierter. Hinter Teams wie Dänemark, Ungarn und Albanien.

Unser nächster Gegner am 28. März ist Schweden. Wir sind in einer schwierigen Position in unserer Gruppe, müssen alle Spiele gewinnen. Doch wir sind der Favorit – es gibt kein besseres Team in unserer Gruppe. Einhundertprozentig.

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