21.11.2012

Dänemarks Co-Trainer Peter Bonde über Ajax-Hoffnung Christian Eriksen

»Er könnte der Ibrahimovic Dänemarks werden«

Christian Eriksen heißt das Top-Talent von Ajax Amsterdam, 2011 wurde er zu Dänemarks Fußballer des Jahres gekürt, heute Abend dürfte er für Borussia Dortmund die größte Gefahr sein. Wir sprachen mit Peter Bonde, dem Co-Trainer der dänischen Nationalmannschaft, über seinen Schützling.

Interview: Raffaela Angstmann Bild: Imago

Peter Bonde, Christian Eriksen ist aus der Startelf von Dortmund-Gegner Ajax Amsterdam nicht mehr wegzudenken. Was sind seine größten Stärken?
Christian ist taktisch enorm begabt und auf beiden Füßen gleich stark. So ein Talent sieht man selten. Er kann sich flink und schnell über kleine Flächen bewegen und dank seiner kreativen Spielübersicht kann man ihn auf allen offensiven Positionen einsetzen. Auch in der ersten Angriffslinie gelingt es ihm, noch Chancen vorzubreiten.

Worin ist er unschlagbar?
In seiner Ausdauer, der Junge ist laufstark wie kein anderer. Ich habe gehört, dass er in der ersten Champions-League-Runde von allen Spielern in allen Partien am meisten gerannt sein soll.

Was trainiert man mit einem Spieler, der so jung schon eine solche Qualität aufweist?
Manchmal rennt er zu viel. Als dritter Angreifer sollte er das Spiel länger beobachten, um seine Stärken gezielter einzusetzen. Christian muss sich mehr auf die komplexen Spielzüge konzentrieren. Das klingt vielleicht etwas merkwürdig aus dem Munde eines Trainers, aber manchmal zeigt er zu einfache Kombinationen.

Heute spielt Eriksen mit Ajax gegen Dortmund in der Champions League. Worauf müssen die Dortmunder bei ihm besonders Acht geben? 
Sie müssen ihn immer im Blickfeld haben, denn sie können nie wissen, wo er am Ende stehen wird, da er sich überdurchschnittlich viel bewegt. Also muss der BVB die Räume möglichst eng machen. Im ersten Spiel waren die Dortmunder viel zu bescheiden, das können sie besser.

Wie wird das Spiel ausgehen?
Ich denke Ajax hat eine 25-prozentige Chance, etwas aus dem Spiel mitzunehmen. Natürlich hoffe ich auf Ajax wegen den vielen Dänen, allerdings wird es sehr schwer für sie. Ich fürchte, Dortmund geht als Sieger vom Platz.

Wie viele der 25 Prozent sind Eriksen?
(lacht) Da müssen wir wohl in die Ronaldo-Messi-Liga gehen, wenn ein Spieler eine Partie alleine entscheiden kann. So weit ist Christian noch lange nicht.

Eriksens Aufstieg in Dänemark ist vergleichbar mit Götzes in Deutschland. Worin unterscheiden sich die beiden?
Christian bewegt sich auf dem ganzen Feld, während Götze sich nach vorne auf die Angriffsauslösung konzentriert. Er versteht es, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Christian ist von den beiden allerdings der größere Teamplayer. Beide könnten sich vom anderen etwas abschauen.

Gab es je Rückschläge für Eriksen?
Nach seiner Teilnahme an der WM in Südafrika hatte er eine harte Zeit. Es gab viele negative Reaktionen nach dem Ausscheiden, der Erwartungsdruck der Fans war einfach zu groß für einen so jungen Spieler. Theo Walcott erlebte dasselbe nach seinem Debüt in der englischen Nationalmannschaft als er erst 17 war. Für junge Spieler ist es ein Ding der Unmöglichkeit, diese Erwartungen zu befriedigen. Aber Christian nimmt es gelassen und ist wieder auf dem richtigen Weg, was in den Champions-League-Partien gegen Manchester City (3:1 und 2:2) gut zu sehen war.

Mit 16 Jahren bekam Eriksen bereits Angebote von Barcelona und Chelsea, entschied sich aber für Ajax. Wer hat ihn beeinflusst?
In Dänemark haben wir eine Tradition: die guten Spieler gehen zu Ajax. Es hatten einige Leute ihre Hände im Spiel, aber Christian ist durchaus selbst clever genug. Er ging zu dem Klub, wo seine Chancen, für die erste Mannschaft zu spielen, am besten standen. Zurzeit stehen sechs dänische Spieler bei Ajax unter Vertrag. Das spricht für unsere Tradition.

Man hat Eriksen schon mit Ajax-Co-Trainer Dennis Bergkamp verglichen. Welchen Vergleich halten Sie für angebracht?
Er ist definitiv kein Pirlo, manchmal sieht er aber aus wie Wesley Sneijder, weil auch er beidfüssig und klein ist. Aber Christian rennt mehr und greift schneller an. Doch Sneijder hat den besseren Blick für das Passspiel und auch eine höhere Vorlagenquote als Christian. Eigentlich gibt es ihn kein zweites Mal, er ist ein Unikat.

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