Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz im Interview

»Ich will in die erste Liga«

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz im Interview

Claus-Dieter Wollitz, Energie Cottbus hat den Aufstieg nicht gepackt. Ein verschenktes Jahr oder darf man Ihnen zum 6. Platz gratulieren?

Claus-Dieter Wollitz: Verschenkt war die Saison auf gar keinen Fall! Wir standen im Halbfinale des DFB-Pokals, haben junge Spieler weiterentwickelt und mit 65 Treffern so viele Tore erzielt wie noch nie. Außerdem stellen wir den Toptorjäger der zweiten Liga.

Lautet das langfristige Ziel Aufstieg?

Claus-Dieter Wollitz: Natürlich. Cottbus gehört aber nicht zu den Vereinen, die vor der Saison sagen können, dass sie in die Bundesliga wollen.

[ad]

Sie stapeln tief.

Claus-Dieter Wollitz: Schauen Sie sich doch an, welche Vereine aufgestiegen sind. Mit Hertha BSC Berlin und dem FC Augsburg spielen die zwei finanzstärksten Teams der zweiten Liga nächstes Jahr in der Bundesliga. Wir können mit diesen beiden Teams finanziell nicht mithalten.

Und somit nicht aufsteigen?

Claus-Dieter Wollitz: Wir können nur aufsteigen, wenn wirklich alles passt. Das kann man aber leider nicht planen.

Stört es Sie als Trainer, dass Sie nicht so aus dem Vollen schöpfen können wie Ihre Kollegen Markus Babbel und Jos Luhukay?

Claus-Dieter Wollitz: Ich bin nicht neidisch und erkenne die Leistung der Kollegen absolut an. Man muss diese Gegebenheiten einfach akzeptieren.

Schließt diese Situation höhere Ambitionen aus?

Claus-Dieter Wollitz: Bleiben wir realistisch. Unser sechster Platz ist doch eine gute Platzierung. Schauen Sie sich bitte an, welche Platzierung Arminia Bielefeld und der Karlsruher SC erreicht haben. Die sind gleichzeitig mit Energie Cottbus aus der ersten Liga abgestiegen und sind jetzt im Keller der zweiten Liga.

Warum steht der FC Energie besser da?

Claus-Dieter Wollitz: Wir haben den Umbruch geschafft und Spieler mit einer guten Perspektive in unseren Reihen. Das ist den beiden Vereinen nicht gelungen.

Der neue Stil weckt Begehrlichkeiten. Ihr Torschützenkönig Nils Petersen wechselt jetzt zum FC Bayern. Kann man in Cottbus überhaupt etwas Großes aufbauen?

Claus-Dieter Wollitz: Wir müssen grundsätzlich froh sein, dass wir solche Spieler in unseren Reihen haben. Es ist exemplarisch für den Weg, den der Verein in den letzten Jahren gegangen ist. Ein Verein wie Cottbus muss damit rechnen, dass Spieler aus den Verträgen gekauft werden. Das ist aber auch nötig für den FC Energie und Teil der Philosophie, um mittelfristig im Konzert der zweiten Liga entscheidend mitzuspielen.

Sie sind auf die Ablösen angewiesen?

Claus-Dieter Wollitz: Natürlich. Wir müssen Spieler entwickeln, von denen einer in zwei Jahren verkauft werden kann. Cottbus verfügt über vier Millionen Sponsorengelder, fünfeinhalb Millionen Fernseheinnahmen und durch die Zuschauer nehmen wir circa zwei Millionen ein. Das reicht leider nicht, um sich in der zweiten Liga zu etablieren. Wir brauchen die Einnahmen aus Spielerverkäufen.

Droht dem FC Energie Cottbus das Schicksal eines Ausbildungsclubs?

Claus-Dieter Wollitz: Sie sprechen von Schicksal. Es ist doch eine Auszeichnung, dass andere Vereine auf unsere Spieler aufmerksam werden! Das zeigt, dass unsere Trainingsbedingungen und die Struktur des Vereins sehr gut sind. Und es dokumentiert, dass die handelnden Personen hier im Verein junge Spieler voranbringen wollen und können.

Zu den handelnden Personen zählen in erster Linie Sie. Macht es Ihnen besonders viel Spaß mit jungen Spielern zu arbeiten?

Claus-Dieter Wollitz: Meine erste Station war der KFC Uerdingen. Der Verein stand kurz vor der Insolvenz. Beim VfL Osnabrück waren die finanziellen Gegebenheiten auch nicht rosig. Ich musste also immer mit jungen Spielern arbeiten. In Cottbus sollte ich bei meinem Amtsantritt dem Verein eine neue Identität geben und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs fördern. Das habe ich beherzigt.



Sie hatten also keine Wahl.

Claus-Dieter Wollitz: Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Einstellung der Spieler. Die Frage ist: Lassen sie sich von ihrem Trainer etwas sagen? Ich habe Lust auf Spieler, die Bock auf Fußball haben. Wenn Spieler darüber diskutieren, ob Sie zweimal täglich trainieren müssen, haben sie den Ernst der Lage nicht erkannt. Eigentlich müsste der Spieler dankbar sein, dass er diese Möglichkeit erhält.

Deutschland erlebt gerade eine wahren Jugendwahn im Fußball. Sie selbst haben beispielsweise in Ihrem letzten Heimspiel mit Leonardo Bittencourt einen 17-Jährigen in der Startaufstellung gehabt. Werden die erste und zweite Liga nun immer jünger?

Claus-Dieter Wollitz: Ich denke schon. Der Anspruch an den Trainerberuf hat sich dadurch auch gewandelt. Man muss diesen jungen Spielern pädagogisch gerecht werden.

Was bedeutet diese Situation für die Zukunft? Werden ältere Spieler früher aussortiert?

Claus-Dieter Wollitz: Das nicht. Ältere Spieler müssen aber aufpassen, dass sie die Entwicklung mitgehen. Man darf keinen Stillstand mehr haben. Wer den Fußball von vor zehn Jahren spielen will, bekommt Probleme.

Das Platzhirschgehabe kann sich ein moderner Profi also nicht erlauben?

Claus-Dieter Wollitz: Ich mag Platzhirsche aus der neuen Generation an Spielern. Diese Jungs wollen inhaltlich begleitet werden und sind sehr selbstbewusst. Die Spieler wollen wissen, warum man manche Dinge trainiert. Sie machen sich Gedanken und setzen sich mit ihrem Beruf auseinander.

Das erleben Sie bei älteren Spielern nicht?

Claus-Dieter Wollitz: Ich möchte nicht kategorisieren und alle älteren Spieler in Schubladen einteilen. Nur so viel: Man kann mitunter von der Unbekümmertheit der Jungen lernen.

Mit Markus Brzenska, Uwe Hünemeier und Marc Andre Kruska zählen drei ehemalige Dortmunder zu Ihrem Stammpersonal. Nehmen Sie sich die schwarz-gelbe Jugendarbeit zum Vorbild?

Claus-Dieter Wollitz: Wir wollten Markus Brzenska unbedingt als Abwehrspieler haben. Er hat uns damals auch gesagt, dass sich Kruska in Brügge nicht mehr wohlfühlt und er zu haben wäre. In den Gesprächen war schnell klar, dass die beiden zu uns passen. Der Hünemeier-Transfer resultierte aus dem guten Verhältnis zwischen Herrn Watzke und unserem Präsidenten Herrn Lepsch. Herr Watzke meldete sich bei uns und sagte, dass er einen Abwehrspieler hätte, der gut zur Spielphilosophie des FC Energie Cottbus passen würde. Er war überzeugt, dass dieses Geschäft für beide Seiten interessant ist. Und er hatte Recht.

Sie gelten als emotionaler Typ. Erreichen Sie mit dieser Art besonders gut die jungen Talente?

Claus-Dieter Wollitz: Vielleicht. In der Emotionalität liegt aber auch eine Gefahr. Ich lerne immer weiter und setzte mich mit meinem Verhalten auseinander. Das ist ein Vorteil. Trotzdem lebe ich den Fußball in all seinen Facetten.

Bringen Sie so Energie Cottbus in die Bundesliga?

Claus-Dieter Wollitz: Cottbus wird in den nächsten Jahren eine gute Rolle in der zweiten Liga spielen. Das ist gut für den Standort und den Verein. Es können halt nicht alle in der ersten Liga spielen.

Das ist sehr bescheiden. Haben Sie keine Lust auf die erste Liga?

Claus-Dieter Wollitz: Ich möchte gerne einmal einen Erstligisten trainieren. Es muss allerdings passen. Es wäre schön, wenn ich diesen Schritt mit Cottbus gehen könnte. Wenn das nicht klappt müsste ich gucken, ob sich mir die Chance woanders bietet. Ich bin überzeugt, dass ich auch in der ersten Liga meine Vorstellungen vom Fußball umsetzen könnte.


Das Interview mit Claus-Dieter Wollitz wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von den freundlichen Kollegen des formidablen Eckball-Magazins.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!