22.05.2011

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz im Interview

»Ich will in die erste Liga«

Beim grundsanierten Verein Energie Cottbus war er das Gesicht des Neuanfangs: Claus-Dieter, genannt »Pele«, Wollitz. Wir sprachen mit ihm über den Abgang von Torjäger Nils Petersen und »Spieler, die richtig Bock auf Fußball haben«.

Interview: Christian Lawendel, eckball-magazin.de Bild: Imago
Claus-Dieter Wollitz, Energie Cottbus hat den Aufstieg nicht gepackt. Ein verschenktes Jahr oder darf man Ihnen zum 6. Platz gratulieren?

Claus-Dieter Wollitz: Verschenkt war die Saison auf gar keinen Fall! Wir standen im Halbfinale des DFB-Pokals, haben junge Spieler weiterentwickelt und mit 65 Treffern so viele Tore erzielt wie noch nie. Außerdem stellen wir den Toptorjäger der zweiten Liga.

Lautet das langfristige Ziel Aufstieg?

Claus-Dieter Wollitz: Natürlich. Cottbus gehört aber nicht zu den Vereinen, die vor der Saison sagen können, dass sie in die Bundesliga wollen.



Sie stapeln tief.

Claus-Dieter Wollitz: Schauen Sie sich doch an, welche Vereine aufgestiegen sind. Mit Hertha BSC Berlin und dem FC Augsburg spielen die zwei finanzstärksten Teams der zweiten Liga nächstes Jahr in der Bundesliga. Wir können mit diesen beiden Teams finanziell nicht mithalten.

Und somit nicht aufsteigen?

Claus-Dieter Wollitz: Wir können nur aufsteigen, wenn wirklich alles passt. Das kann man aber leider nicht planen.

Stört es Sie als Trainer, dass Sie nicht so aus dem Vollen schöpfen können wie Ihre Kollegen Markus Babbel und Jos Luhukay?

Claus-Dieter Wollitz: Ich bin nicht neidisch und erkenne die Leistung der Kollegen absolut an. Man muss diese Gegebenheiten einfach akzeptieren.

Schließt diese Situation höhere Ambitionen aus?

Claus-Dieter Wollitz: Bleiben wir realistisch. Unser sechster Platz ist doch eine gute Platzierung. Schauen Sie sich bitte an, welche Platzierung Arminia Bielefeld und der Karlsruher SC erreicht haben. Die sind gleichzeitig mit Energie Cottbus aus der ersten Liga abgestiegen und sind jetzt im Keller der zweiten Liga.

Warum steht der FC Energie besser da?

Claus-Dieter Wollitz: Wir haben den Umbruch geschafft und Spieler mit einer guten Perspektive in unseren Reihen. Das ist den beiden Vereinen nicht gelungen.

Der neue Stil weckt Begehrlichkeiten. Ihr Torschützenkönig Nils Petersen wechselt jetzt zum FC Bayern. Kann man in Cottbus überhaupt etwas Großes aufbauen?

Claus-Dieter Wollitz: Wir müssen grundsätzlich froh sein, dass wir solche Spieler in unseren Reihen haben. Es ist exemplarisch für den Weg, den der Verein in den letzten Jahren gegangen ist. Ein Verein wie Cottbus muss damit rechnen, dass Spieler aus den Verträgen gekauft werden. Das ist aber auch nötig für den FC Energie und Teil der Philosophie, um mittelfristig im Konzert der zweiten Liga entscheidend mitzuspielen.

Sie sind auf die Ablösen angewiesen?

Claus-Dieter Wollitz: Natürlich. Wir müssen Spieler entwickeln, von denen einer in zwei Jahren verkauft werden kann. Cottbus verfügt über vier Millionen Sponsorengelder, fünfeinhalb Millionen Fernseheinnahmen und durch die Zuschauer nehmen wir circa zwei Millionen ein. Das reicht leider nicht, um sich in der zweiten Liga zu etablieren. Wir brauchen die Einnahmen aus Spielerverkäufen.

Droht dem FC Energie Cottbus das Schicksal eines Ausbildungsclubs?

Claus-Dieter Wollitz: Sie sprechen von Schicksal. Es ist doch eine Auszeichnung, dass andere Vereine auf unsere Spieler aufmerksam werden! Das zeigt, dass unsere Trainingsbedingungen und die Struktur des Vereins sehr gut sind. Und es dokumentiert, dass die handelnden Personen hier im Verein junge Spieler voranbringen wollen und können.

Zu den handelnden Personen zählen in erster Linie Sie. Macht es Ihnen besonders viel Spaß mit jungen Spielern zu arbeiten?

Claus-Dieter Wollitz: Meine erste Station war der KFC Uerdingen. Der Verein stand kurz vor der Insolvenz. Beim VfL Osnabrück waren die finanziellen Gegebenheiten auch nicht rosig. Ich musste also immer mit jungen Spielern arbeiten. In Cottbus sollte ich bei meinem Amtsantritt dem Verein eine neue Identität geben und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs fördern. Das habe ich beherzigt.

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