05.11.2013

Cottbus-Torwart Robert Almer über Bommer, Fans und die WM-Quali

»Sentimentalitäten sind fehl am Platz«

Österreichs Nationaltorhüter Robert Almer stand im Sommer vor einem Wechsel in die Premier League – doch er entschied sich für Energie Cottbus. Auch wegen Rudi Bommer. Wir sprachen mit ihm wenige Stunden vor der Entlassung des Trainers.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Robert Almer, was haben Ihre Nationalmannschaftskollegen im Sommer gesagt, als sie von Ihrem Wechsel zu Energie Cottbus erfuhren?
Der häufigste Satz: »Endlich kannst du wieder Spielpraxis sammeln«. Hätte ich weiter auf der Bank gesessen, wäre es auf Dauer schwierig geworden in der Nationalmannschaft zu spielen. Energie hat sich sehr um mich bemüht und von vornherein gesagt, ich sei die klare Nummer eins. Das war mir wichtig.
 
Haben Sie lange überlegt, ob Cottbus für Sie der richtige Klub ist?
Die Entscheidung ist mir relativ leicht gefallen. Bei den anderen Interessenten hätte es unter Umständen ähnlich laufen können wie in Düsseldorf. Und das wollte ich natürlich unbedingt vermeiden. Denn was würde es mir bringen, bei einem Bundesligaklub auf der Bank zu sitzen?
 
Stimmt es, dass Sie beinahe bei einem Klub aus der Premier League unterschrieben hätten?
Gerüchte stimmen – manchmal (lacht). Im Ernst: Es gab Interessenten aus England. Mit der Rolle als Backup konnte ich mich aber nicht anfreunden.
 
Rudi Bommer hat vor der Saison im 11FREUNDE-Interview von Ihnen geschwärmt. Hat er am Ende den Ausschlag gegeben?
Auf alle Fälle. Wir haben sehr gute Gespräche geführt, die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Mein damaliger Torwarttrainer Manni Gloger hat mir nur Gutes über ihn erzählt – beide kennen sich schon seit langem.
 
Rudi Bommer muss nach vier sieglosen Spielen in Folge um seinen Job bangen – hat die Mannschaft eigentlich ein schlechtes Gewissen? (das Interview wurde wenige Stunden vor Bommers Entlassung geführt, d. Red.)
Im Fußball sind Sentimentalitäten fehl am Platz. Aber der Trainer ist sicher nicht allein Schuld an der aktuellen Misere. Wenn er in Frage gestellt wird, dann wegen der jüngsten Misserfolge. Also wegen unserer unzureichenden Leistung. Das ist immer auch ein schlechtes Zeugnis für uns Spieler.
 
Sie haben vor Ihrer Vertragsunterzeichnung gesagt, die sportliche Perspektive sei entscheidend. Welche Perspektive hat der FC Energie?
Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich Ihnen jetzt nicht erzähle, wo ich Energie in zwei Jahren sehe. Das wäre in der derzeitigen Situation unangebracht. Für die Strategie sind andere verantwortlich. Zurzeit sieht es nicht so toll aus. Wir befinden uns in einer extrem schwierigen Phase. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir das Blatt schon bald wieder wenden werden. Wir haben einen guten Kader, der zuletzt weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hat. Das müssen wir schleunigst korrigieren. Alles andere ist erst mal zweitrangig.
 
Mit welchen Emotionen haben Sie am vorletzten Spieltag die Ausschreitungen einiger Cottbuser in Dresden beobachtet?
Mit Verärgerung. Diese Chaoten schaden dem Fußball. Solche Aktionen sind weder cool noch lustig. Eigentlich ist jedes Wort überflüssig. Die Bilder stehen für sich.
 
Wie groß ist aus Ihrer Sicht der Imageschaden?
Im Endeffekt drehen wir uns bei diesem Thema im Kreis. Es ist kein neues Phänomen, sondern ein Problem, das immer wieder auf der Tagesordnung landet. Schade auch für die vielen echten Fans, die mal wieder blöd dastehen. Das haben sie nicht verdient. Es ist aber nicht meine Aufgabe, mögliche Lösungen zu benennen. Dafür sind andere Leute zuständig.
 
Ihr Klub hat mittlerweile Konsequenzen gezogen: Für die bevorstehende Partie beim FC St. Pauli werden die Tickets personalisiert. Energie verkauft nur noch eine Karte pro Person gegen Vorlage des Personalausweises. Ist das ein Gesprächsthema in der Mannschaft?
Darüber ist kurz diskutiert worden, klar. Dass der Verein nun handelt, ist keine Überraschung. Wir Spieler haben zurzeit aber genug mit uns selbst zu tun, wir haben andere Baustellen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden