28.09.2010

Cottbus' Steffen Ziffert im Interview

»Wir tragen Verantwortung«

Der Anteil der deutschen Spieler in den Bundesligen ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch Energie Cottbus setzt heute verstärkt auf die Jugend. Wir sprachen mit Nachwuchsleiter Steffen Ziffert über Chancen und Hürden.

Interview: 11Freunde Bild: Energie Cottbus
Steffen Ziffert, Energie Cottbus stand jahrelang für viele osteuropäische Spieler. Wann haben Sie umgedacht?

Der Umschwung kam mit dem Abstieg aus der Bundesliga und auch mit Claus-Dieter Wollitz, der verstärkt auf unsere gut ausgebildeten Nachwuchsspieler gesetzt hat. Mit seinem Amtsantritt kam wieder Hoffnung unter den Jugendspielern auf. Er gibt jungen Spielern eine Chance und hat den Mut sie einzusetzen. Ob diese sie nutzen, liegt in aller erster Linie an ihnen selber. Profifußball ist zum größten Teil Eigenverantwortung.



Sie möchten Spieler aus der Region fördern. Wie spüren Sie die Talente auf?

Die Sichtung erfolgt in Verbindung mit dem Fußball-Landesverband Brandenburg, der pro Jahr zwei große, zentrale Sichtungslehrgänge durchführt. Außerdem werden regionale Sichtungsturniere und Überprüfungen durchgeführt. Natürlich ist auch jeder Trainer in seiner Alterklasse für die Sichtung von Talenten zuständig.
 
Dem Trend zufolge kehren immer mehr junge Menschen Ostdeutschland den Rücken. Gilt das auch für den Fußball-Nachwuchs?

Das kann ich so nicht bestätigen. Manch einer wird sicherlich mal zu einem größeren Klub wechseln wollen, weil vielleicht der Name attraktiver ist. Aber auch viele junge Fußballer aus ganz Deutschland bewerben sich zur Aufnahme an unserer Sportschule und wollen zu Energie Cottbus wechseln. Weil die Ausbildung ebenso gut ist wie die Perspektive.

Andere Vereine sind im Scouting-Bereich nicht untätig. Wie locken Sie den Nachwuchs nach Cottbus?

Mit den sehr guten Bedingungen: Sportschule und Internat. Unsere Infrastruktur verbessert sich ständig. Im A- und B-Junioren-Bereich spielen wir in der Bundesliga, auch die anderen Mannschaften im Aufbau- und Leistungsbereich sind in den höchsten Spielklassen vertreten. Das ist erstmal eine wichtige Basis.

In Ihrem Konzept heißt es: »Spieler werden gefordert, gefördert, begleitet und vorbereitet«. Was heißt das konkret?

Es ist schon eine enorme Belastung für junge Spieler mit Schule, Training und Wettkampf. Dazu kommt in den meisten Fällen noch die räumliche Trennung vom Elternhaus. Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf sportliche Ausbildung wert zu legen. Da haben wir in der gesamten Entwicklung der Persönlichkeit eine große Verantwortung.
 
Wie schult man so etwas?

Den Grundcharakter eines Menschen kann man schlecht verändern, aber sicherlich kann man darauf einwirken. Die Trainer machen das eher begleitend, in der Sportschule arbeitet eine Sozialpädagogin, zu der können die Jungs jederzeit mit ihren Problemen kommen.
 
Haben Sie einen bestimmten Werte-Kodex?

Das nicht, uns geht es um die ganz normalen Verhaltens-Kodizes: Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Respekt, eine gute Darstellung von Energie Cottbus – das sind Dinge, die selbstverständlich sein sollten.
 
Wie sind Ihre Erfahrungen mit der »Jugend von heute«?

Es gibt bestimmte Regeln, an die man sich halten muss. Die Jungs haben nicht alle Freiheiten der Welt und das vermitteln wir ihnen auch. Aber man muss mit der Zeit gehen und bereit sein, so zu denken, wie es die Jugendlichen heute tun. Das ist anders als vor zehn Jahren.

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