Clemens Fritz im Interview

„Ich arbeite verbissen“

Nach einer rauschhaften Hinrunde geriet Clemens Fritz ebenso wie die gesamte Werder-Mannschaft in eine Krise. Diese scheint nun überwunden, und Fritz ist fest entschlossen: Er will den UEFA-Cup – und die Deutsche Meisterschaft. Imago
Heft #66 05 / 2007
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Clemens Fritz, Sie waren bei Werder einer der Überflieger der Hinrunde und auch in der Nationalmannschaft die Entdeckung der Saison. Momentan sind Ihre Leistungen eher bescheiden. Haben Sie in dem vergangenen Halbjahr über ihrem Niveau gespielt?

Moment! Natürlich wurmt es mich, dass ich momentan nicht die Spiele abliefere, die man von mir in der Hinrunde gewohnt war. Doch ich arbeite verbissen weiter und lasse mich von niemandem aus der Ruhe bringen.

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Auch nicht von dem Rückkehrer Patrick Owomoyela?

Nein, es ist natürlich immer gut für die Mannschaft, wenn es Konkurrenzkampf gibt - davon profitiert jeder. Und wir haben uns im Kader auch um die Positionen gestritten, als Owo verletzt war. Wir beide sind natürlich Konkurrenten, aber auch Profis genug, dass der eine dem anderen nichts Schlechtes wünscht. Außerdem verstehen wir uns prima.

Auch bei Werder ist die Stimmung nach dem Punktgewinn in München wieder etwas besser. Ist die Durststrecke jetzt endlich überwunden?

Dass wir nicht die gesamte Saison Hurra-Fußball spielen werden, sollte doch eigentlich allen klar gewesen sein. Auch das Rennen um die Meisterschaft haben wir noch nicht verloren. Das Resultat bei den Bayern hat doch bewiesen, dass wir wieder auf einem guten Weg sind.

Heute spielen Sie im UEFA-Cup gegen Celta Vigo. Ist der Viertelfinal-Einzug nach dem Sieg im Hinspiel schon sicher?

Natürlich nicht. Wir haben durch den 1:0-Auswärtserfolg zwar eine gute Ausgangsposition, aber wir müssen sehen, dass wir den Sack früh zumachen. Denn wir wollen nicht nur ins Viertelfinale einziehen, sondern möglichst auch zum Endspiel nach Glasgow fahren.

Dann wäre die aktuelle Saison aber wirklich die Spielzeit Ihres Lebens.

Absolut. Ich bin nach Bremen gewechselt und habe mich sofort durchgesetzt. Ich war in der Champions League gegen Barca und Chelsea dabei, und Deutscher Meister können wir auch noch werden.

Und plötzlich durften Sie auch das Trikot mit dem Adler überstreifen.

Ja! Damit hatte ich mich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht beschäftigt, da nur Werder für mich zählte und ich mich hier durchbeißen wollte. Auf einmal bekam ich den Anruf, der mich einfach nur sehr stolz machte.

Wie bewahren Sie die nötige Bodenhaftung?

Ich habe durch meine Verletzungen gemerkt, wie schnell es auch in die andere Richtung gehen kann. Daher überschätze ich die Entwicklungen, ob positiv oder negativ, nicht.

Apropos Verletzungen: Wie gehen Sie mit diesen zermürbenden Erfahrungen um?

Gerade mein Wadenbeinbruch 2004 war ein Horrorerlebnis, das mich so richtig runter gezogen hat. Ganze fünf Operationen musste ich über mich ergehen lassen, diese Geschichte hat mich ungeheuer zurückgeworfen. Denn zu dieser Zeit spielte ich bei Leverkusen sehr erfolgreich. In solchen Momenten sah ich schon meine Felle davon schwimmen. Aber diese Phase hat mich in meiner Persönlichkeit auch gestärkt. Ich lernte, geduldig zu werden und positiv nach vorne zu blicken.



Wie beurteilen Sie rückblickend die Vorstellungen, die man von einem Bundesligaspieler hat, und die Realität als Profi?

Als Bengel denkst du nicht an das ganze Drumherum, das dieser Sport mit sich bringt. Du willst einfach nur raus auf den Platz und Fußball spielen. Der gesamte Medienrummel, der dann um deine Person entsteht, ist schon erschreckend und ungewohnt. Als Spieler stehst du unter Dauerbeobachtung. Das ist auf der einen Seite anstrengend, gehört aber dazu, und im Laufe der Jahre wächst man auch mit diesen Aufgaben.

Am 24. März spielt Deutschland in Tschechien um die EM-Qualifikation. Wie sehr wurmt es Sie, bei diesem Knaller nicht dabei sein zu können?

Ungemein. Diese unnötige Gelbe Karte aus dem Zypern-Spiel ärgert mich immer noch. Die Partie in Prag wird natürlich eine Bewährungsprobe für uns. Aber wir werden sie bestehen und die drei Punkte mitnehmen.

In Erfurt, Karlsruhe und Leverkusen haben Sie noch im Sturm respektive im Mittelfeld gespielt. Wann wurden Sie zum klassischen Außenverteidiger umgeschult?

Zu meiner Zeit in Leverkusen klemmte es ein wenig auf dieser Position. Klaus Augenthaler fragte mich, ob ich mir die Rolle des Außenverteidigers vorstellen könnte. Ich nahm die Aufgabe an und wuchs rasch in diese Position hinein. Ich merkte, dass mir das Spiel aus der Tiefe sehr liegt. Nebenbei bemerkt: Der typische Knipser war ich eh nie.

Sie stammen aus Erfurt und haben schon in der Jugend von Rot-Weiß mit ihrem Kumpel Marco Engelhardt zusammengespielt. Gemeinsam sind sie dann auch zum KSC gewechselt. Sehen Sie sich bald in der Nationalelf wieder?

Das wäre toll. Marco hat nach seiner Verletzung in der vergangenen Saison eine harte Zeit durchgemacht. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ihm mit Nürnberg in Bielefeld solch ein Comeback gelungen ist. Nach Spielende habe ich ihn sofort angerufen und ihm zu seiner Rückkehr und dem erzielten Tor gratuliert.

Auch bei Ihren ehemaligen Kollegen beim KSC läuft es derzeit überragend.

Wie souverän sie gerade durch die Zweite Liga marschieren – davon konnte niemand ausgehen. Es freut mich ungemein für den KSC, da hinter dem Verein schwierige Zeiten liegen. Was das heutige Umfeld leistet, verdient meinen höchsten Respekt. Ich freue mich, sofern alles glatt geht, in der kommenden Saison wieder im Wildpark zu gastieren.

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Hier findet Ihr ein Interview mit Clemens Fritz' Konkurrenten Patrick Owomoyela www.11freunde.de/bundesligen/100277 .

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