03.07.2008

Claudio D'Ambrosio im Interview

»Ein Knistern ist immer da«

Als Claudio D'Ambrosio nach langer Zeit wieder ein deutsches Stadion betrat, war er entsetzt: Nichts los, fast wie bei einer Andacht. Und überall wo er hinschaut, sieht er gleichgemachte Event-Fans. Was beim AC Milan anders ist, erzählt er hier.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Claudio D'Ambrosio im Interview
Claudio D’Ambrosio, Sie sind Mitglied der »Alternativa Rossonera«. Ist der Fanclub für Sie wie eine große Familie?

Irgendwie schon. Zumal wir uns alle untereinander kennen, obgleich die Mitglieder in Europa verstreut leben. Ich komme zum Beispiel aus Hamburg. Und das Band, das eine Familie eint, ist immer dehnbar, es bietet uns jederzeit Freiräume.



Welche?


Wir haben vor einiger Zeit den deutschen Fanclub »Rossoneri Germania« gegründet. Dennoch sind wir weiterhin in die Arbeiten und Aktionen der »Alternativa Rossonera« involviert und stehen mit ihnen in der Kurve. So haben wir eine gewisse Eigenständigkeit, verneinen aber unsere Herkunft nicht. Wir werden langsam erwachsen. (lacht)

Wofür steht »Alternativa Rossonera« eigentlich?

Die Basis des Fanclubs ist sicherlich in der Ultra-Kultur zu finden, doch wie der Name schon sagt: Ursprünglich sollte eine Alternative geschaffen werden zu den normalen Fanclubs, die mit ihren Schals auf der Haupttribüne sitzen und den Ultras, die mit ihren Bannern in der Kurve stehen.

Wo stehen Sie am liebsten im San Siro?

Im zweiten Ring in der Curva Sud. Dort passiert es einfach! Von dort aus wird die Mannschaft angefeuert, dort nehmen die Choreos ihren Anfang. Ich könnte mir keinen anderen Platz im Stadion vorstellen außer diesen.

Sind Sie an der Entstehung der Choreos beteiligt?

Nicht direkt, ich komme ja aus Hamburg, bin also unter der Woche selten vor Ort, und kann dementsprechend nicht wirklich mitwirken.

Welche Choreos haben Sie in den letzten Jahren besonders begeistert?

Sicherlich die Umsetzung des »Schreis« von Edvard Munch beim »Derby della Madonnina«. Ich stand direkt unter der Choreo. Generell haben die Mailänder Derbys stets die besten Choreos. Eine andere sehr schöne war die mit dem Teufel, der mit bengalischen Feuern über die ganze Kurve gezogen wurde.

Sie sind in Hamburg aufgewachsen. Wie sind Sie eigentlich Milan-Fan geworden?

Mein Vater ist Italiener, und auch ich bin italienischer Staatsbürger, obwohl ich nie dort gelebt habe. Doch der Verein hat mich immer schon interessiert, auch wenn damals, als ich mich für den AC Milan entschied, andere Clubs viel größer waren. Juventus Turin zum Beispiel. Doch spätestens als ich zum ersten Mal im San Siro war, konnte ich nicht mehr loslassen. Dabei hat mich zunächst das Spiel kaum interessiert. Ich habe bei den ersten Spielen im Stadion oftmals mehr zu den Fans geschaut, als auf den Rasen. Und diese Faszination ist ungebrochen. Dann noch dieses Stadion...

Für viele ist es das schönste Stadion der Welt.

Für mich auch. Durch seine eckige Bauweise und dem Dach wirkt es gewaltig und mächtig. Herinnen kann sich eine unbeschreibliche Atmosphäre entfachen. Ich habe viele Stadien gesehen und manche werden unken, dass ich die Mailand-Brille aufhabe, doch für mich ist San Siro das Stadion.

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