Ciriaco Sforza über Pizarros Rückkehr zum FC Bayern

»Claudio wird die Ellenbogen ausfahren«

Wer den FC Bayern verlässt, hat durchaus Chancen auf eine Rückkehr zum Rekordmeister. Claudio Pizarro beweist das mit seinem Wechsel in diesem Sommer. Auch Ciriaco Sforza spielte zweimal in München, in einer Saison sogar zusammen mit Pizarro. Wir sprachen mit ihm.

Ciriaco Sforza, Claudio Pizarro wechselt zum zweiten Mal in seiner Karriere zum FC Bayern München. Wie beurteilen Sie diesen Transfer?
Man kann dem FC Bayern nur gratulieren. Claudio ist ein technisch starker Mittelstürmer. Ich vergleiche ihn gerne mit Marco van Basten, weil er einfach das Gespür hat, im richtigen Moment abzuschließen. Dazu konnte er in den vergangenen Jahren ständig Matchpraxis auf hohem Niveau sammeln, ob bei Werder, in seiner ersten Bayern-Zeit oder beim FC Chelsea.

Dass Pizarro einen zweiten Anlauf in München unternimmt, erinnert an Ihre Karriere. Auch Sie haben sich zweimal den Bayern angeschlossen, einmal 1995, dann noch einmal im Jahr 2000. Haben Sie mit diesen Wechseln alles richtig gemacht?
Wer zweimal zum FC Bayern wechseln kann, hat in seiner Karriere zumindest keine schlechten Leistungen gezeigt. Es war für mich eine große Ehre, für einen der besten Vereine der Welt zu spielen. Und Claudio wird es nicht anders ergehen.

Besteht nicht ein gewisses Risiko bei so einem Wechsel? Sie waren vor Ihren beiden Transfers jeweils unumstrittener Stammspieler in Kaiserslautern, beim Ex-Bremer Pizarro ist das ähnlich.
Dass Claudio und ich in unseren vorigen Vereinen ein gewisses Standing hatten, ist unbestritten. Doch wenn du ein Angebot aus München bekommst, ist das nicht mehr relevant. Das ist eine spezielle Situation und du musst nicht zweimal überlegen, ob du annimmst.

Sie schwärmen sehr vom FC Bayern, dabei endete Ihre erste Zeit in München bereits nach einem Jahr. Warum?
Das hatte nichts mit dem Verein zu tun. Ich hatte das Ziel, nach Italien zu wechseln, in das Land, aus dem meine Eltern stammen. Deswegen habe ich 1996 das Angebot von Inter Mailand angenommen. Im Nachhinein war das ein großer Fehler, weil ich in Italien nicht so gut zurechtkam wie in Deutschland.

Haben Sie denn nach Ihrem Abgang ein Abkommen mit den Münchnern getroffen, dass Sie irgendwann wieder zurückkommen dürfen?
Nein. Wenn man einen Verein verlässt, bricht der Kontakt erst einmal ab. Als es mir gelang, mich beim 1. FC Kaiserslautern wieder ins Rampenlicht zu spielen, kam es während der Saison 1999/00 zu Gesprächen über einen zweiten Wechsel. Doch da war es dann auch nicht mehr relevant, dass ich schon einmal in München gespielt hatte. Man fängt bei Null an.

Gab es denn überhaupt keine kritischen Stimmen zu Ihrem zweiten Wechsel nach München?
Die gibt es doch immer. Ich bin ja auch insgesamt dreimal zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt. Da fragen sich natürlich die Leute, was das soll. Häufiger zu einem Verein zu wechseln, spricht aber auch für die Persönlichkeit eines Spielers. Man stellt damit unter Beweis, dass einem seine Vereine am Herzen liegen, dass man immer wieder gerne urückkommt und bereit ist zu helfen.

Das Verhältnis zwischen Ihnen und Claudio Pizarro hält noch eine weitere nette Randnotiz bereit: Seine erste Saison in München 2001/02 war gleichzeitig ihre letzte beim FC Bayern. Wie haben Sie den damals 23-Jährigen kennengelernt?
Außerhalb des Platzes war ein ruhiger Kumpeltyp, im Spiel hingegen unberechenbar. Claudio wird ja immer wieder als Schlitzohr bezeichnet. Das hängt auch mit seiner Herkunft aus Südamerika zusammen. Dort leben die Spieler den Fußball nochmal eine Spur intensiver. Was ihn aber auch auszeichnet: Er hat schnell die deutsche Mentalität angenommen, ähnlich wie Giovane Elber, mit dem er damals ein starkes Duo gebildet hat. Das wird ihm jetzt auch wieder helfen.

Claudio Pizarro wird sich in der kommenden Saison allerdings mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben müssen. Mario Gomez ist in dem System mit einem Stürmer gesetzt. Ihre Meinung?
Das wird definitiv nicht der Fall sein. Claudio weiß, worauf er sich einstellt, weiß, dass er nochmal die Ellenbogen ausfahren muss, um zu seinen Einsätzen zu kommen. Und er wird dies ganz sicher auch tun. Deshalb haben die Münchner ihn verpflichtet. Der FC Bayern wird auf jeden Fall noch viel Freude an ihm haben.

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