12.09.2013

Christoph Metzelder über den DFB-Umbruch und Rudi Völler

»Wir haben nichts vermisst«

Für unser aktuelles Heft #142 zeichnete Tim Jürgens die DFB-Jahre von Rudi Völler nach und interviewte dafür auch Christoph Metzelder. Ein Gespräch über die WM 2002, Essen in Wiesbaden und Jürgen Klinsmann.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Christoph Metzelder, Sie absolvierten im August 2001 Ihr erstes Länderspiel. Der Teamchef hieß Rudi Völler. Wie war es, unter ihm Nationalspieler zu werden?
Wie die Öffentlichkeit habe auch ich Rudi Völler von Beginn an als großen Sympathieträger wahrgenommen. Wie Franz Beckenbauer verfügt er über die Gabe, intuitiv viele Dinge richtig zu machen. Vieles, was er anfasst, führt er zum Erfolg. Und dieses Gefühl strahlte er damals auch auf die Mannschaft aus.

Sie waren einer der ersten Nachwuchsspieler, die unter Völler vor der WM 2002 in den Stamm der Mannschaft aufrückten.
Bei Rudi Völler erhielten viele junge Talente eine Chance, auch aufgrund von Absagen und Ausfällen der etablierten Spieler. Etliche haben den Sprung nicht geschafft. Ich hatte aber das Glück, dass ich Stammspieler wurde, weil Christian Wörns und Jens Nowotny sich vor der WM verletzten. Nur dadurch kam ich in die Situation, regelmäßig zu spielen.

War Völler ein Trainer, der jungen Talenten Selbstbewusstsein einflößen konnte? Oder war dafür sein Assistent Michael Skibbe zuständig?
Rudi Völler hat mir – ähnlich wie Matthias Sammer beim BVB – von Anfang an ein Gefühl gegeben, dass mich stark machte. Natürlich wusste er, dass er kaum Alternativen auf meiner Position hatte. Er musste mich ins kalte Wasser werfen, was gerade in der Vorbereitung auf die WM 2002 nicht immer funktioniert hat. Aber Völler hat mir immer wieder positiv zugesprochen, was dann dazu führte, dass ich beim Turnier meinen Job ganz gut machte.

Sie haben nach außen stets sehr selbstbewusst und gefestigt gewirkt. War es trotzdem gut, dass ein Typ wie Völler Ihnen bei der Nationalelf zur Seite stand?
Ein Profi macht den größten Sprung in seiner Entwicklung, wenn er zur Nationalmannschaft kommt. Dort tritt er aus dem Vereinsumfeld heraus und wird plötzlich deutschlandweit beachtet. Auf der anderen Seite bedeutet das im Negativfall auch massive Kritik. Deshalb war es von großem Vorteil, einen Typen wie Völler zu haben, der so viel Erfahrung hatte und einem auch in schwierigen Situationen ohne Kompromisse den Rücken stärkte.

In welchen Situationen war das nötig?
Wir absolvierten vor der WM Testspiele gegen Argentinien und Wales. Da sah die Abwehr nicht besonders gut aus. Im letzten Freundschaftsspiel gegen Österreich fingen wir dann auch wieder zwei Gegentore. Da wurde schon daran gezweifelt, ob ein 21-Jähriger mit einer Handvoll Länderspielen einer WM gewachsen sei. Aber dann gewannen wir das Vorrundenspiel gegen Saudi-Arabien mit 8:0 – und die Dynamik aus diesem Erfolg hat sich aufs ganze Turnier ausgewirkt.

Rudi Völler sagt, das entscheidende Spiel bei der WM 2002 sei das letzte Vorrundenmatch gegen Kamerun gewesen. Beim Stand von 0:0 wurde Carsten Ramelow vom Platz gestellt, trotzdem gewann das deutsche Team mit 2:0. Haben Sie Völler den Druck bei der Pausenansprache angemerkt?
Persönlich habe ich nie erlebt, dass er sich echauffiert hat oder sogar Zweifel hatte. Ich habe ihn immer sehr kontrolliert und menschlich erlebt. In der Pause stellten wir erstmalig auf eine Viererkette um und gewannen das Spiel in Unterzahl. So wie er hinter der Mannschaft stand, war es für alle Beteiligten schon sehr beruhigend.

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