10.12.2012

Christoph Metzelder über das neue Schalke

»Die Trainerwechsel auf Schalke sind schwer zu überbieten«

Für die große Reportage in der neuen 11FREUNDE #134 reisten wir Ende November nach Gelsenkirchen und sprachen mit den Köpfen des Klubs über das neue Schalke 04. Christoph Metzelder über seltsame Trainerwechsel, Kabinenhierarchien und seinen Übersetzerjob für Raul.

Interview: Tim Jürgens und Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Hatten Sie den Eindruck, dass mit Rangnick der Spaß zurückkehrte?
Ich habe ein großes Problem, wenn Spieler direkt nach einem Trainerwechsel sagen, jetzt sei alles besser. Bei 25 Spielern ist nun mal die Hälfte nicht richtig beteiligt. Und die sind tendenziell unzufrieden, egal, ob der Trainer Magath oder Rangnick heißt. Um es kurz zu machen: Spaß hat ein Fußballer, wenn er Erfolg hat, also mit einem Trainer, der einer Mannschaft den Weg zum Erfolg weist. Punkt.

Die Zeit unter Ralf Rangnick scheint im Nachhinein dennoch wie eine glückliche Phase.
In den Wochen vor dem Pokalfinale herrschte auch unter ihm eine große Unsicherheit in der Mannschaft. Wir hatten die letzten vier Saisonspiele verloren und uns in der Bundesliga gerade noch über die Ziellinie gerettet. Jedenfalls war der Pokalsieg eine große Erleichterung für alle.

Gerade für Ihren Kumpel Raul lief es unter Rangnick weniger gut?
Da ich viel für Raul übersetzte, wurde ich unfreiwilliger Zeuge eines Gesprächs im Sommertrainingslager mit dem Trainer.

Worum ging es?
Rangnick macht ihm klar, dass Raul in seinem System sportlich nicht mehr unumstritten sei. Das war auch für mich als Übersetzer keine einfache Situation. Sie waren auf Rauls Seite? Ich fand, dass Ralf Rangnick sehr gut mit jüngeren Spielern arbeitet. Aber die Art und Weise das ABC des Fußballs noch mal en Detail zu erklären, kam gerade bei den Älteren nicht gut an.

Wie haben Sie Raul erklärt, was Schalke ist?
Die WM 2006 hat für alle Spieler, die teilgenommen haben, das Renommee der Bundesliga deutlich verbessert. Die neuen Stadien, das Umfeld, er wusste schon bevor er hierher kam, was das Ruhrgebiet ist.  

Haben Sie an dem Transfer mitgearbeitet.
In aller Bescheidenheit, ja. Ich bin mit Magath nach Madrid zum ersten Gespräch mit ihm geflogen. Als wir kamen hatte er sich schon informiert, Gelsenkirchen gegoogelt, nachgeschaut, wo die Jugendteams von Schalke spielen und wo die nächste internationale Schule liegt.

Konnten Raul die Vorgänge, die ständigen Trainerwechsel, in seiner Zeit auf Schalke noch schocken. Oder ist einer wie er mit allen Wassern gewaschen?
Letzteres. Hier wird vielleicht ein Trainer entlassen, aber von Real war er es gewohnt, dass mit jedem neuen Präsidenten eine komplett neue Zeitrechnung beginnt.

Wie kam er mit Magaths Methoden zurecht?
Felix hat ihn lange in Ruhe gelassen, aber auch er hat sehr unter den Trainingsmethoden gelitten. Dennoch sagte mir Raul bei seinem Abschied, der beste Trainer auf Schalke sei für ihn Magath gewesen.

Warum hat das Experiment Raul auf Schalke letztlich so gut geklappt?
Weil er in der Lage war, die Mentalität des deutschen Fußballs zu verinnerlichen. Er ist ein zwar südländischer Spieler, aber er hat ein Arbeitsethos, das preußischer ist, als bei vielen hiesigen Spielern.
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