Christoph Dabrowski über den Abstiegskampf

»Man läuft nicht lächelnd rum«

Christoph Dabrowskis 2:1 für Bochum gegen Schalke zeigte alles, was man im Abstiegskampf braucht: Biss, Wut, Kraft und Glück. Vor dem Spiel in Bielefeld sprachen wir mit dem Kapitän über das Revier, Lothar Woelk und das nackte Überleben. Christoph Dabrowski über den AbstiegskampfImago

Christoph Dabrowski, wie fühlt man sich im Abstiegskampf?

Natürlich ist es schöner, wenn man oben mitspielt oder sich im gesicherten Mittelfeld aufhält. In diesem Jahr ist es aber leider so, dass wir schon die ganze Saison im Tabellenkeller stecken. Wichtig ist, sich nicht unterkriegen zu lassen. Nach jedem Nackenschlag regt sich das Umfeld, Kritik kommt auf, und als Spieler ist man auch mal frustriert. Entscheidend ist dann, positiv zu bleiben und weiter an sich zu glauben.

[ad]

Wie schlägt sich das auf die Laune nieder? Wird dann im Training mal härter eingestiegen, um den Frust abzubauen?

Natürlich rennt man nicht lächelnd durch die Stadt, wenn es nicht läuft. Aber auch wenn es im Training mal knallt, muss alles im Rahmen bleiben. So, dass man sich danach wieder in die Augen schauen kann. »Friede, Freude, Eierkuchen« bringen dich auf Dauer nicht weiter.

Abstiegskampf in Bochum ist ja nichts Neues. Haben Sie sich daran gewöhnt?


Ich bin jetzt im dritten Jahr beim VfL. In den letzten beiden Jahren hatten wir in der Rückrunde mit dem Abstieg nichts zu tun und waren sogar in UI-Cup-Nähe. Aber auch da hatten wir immer wieder einmal das Messer am Hals, haben uns am Ende aber immer durchgesetzt.

Und nagt es sehr an Ihnen?

Das bringt ja nichts. Man muss ruhig bleiben und nach vorn blicken. Dann geht es auch wieder aufwärts.

Stichwort »positiv«. Was ging in Ihrem Kopf vor, als Sie Ihr Tor gegen Schalke geradezu erkämpften?

Ach, das ging so schnell. Da war kaum Zeit, sich Gedanken zu machen. Mein einziges Problem war, den Ball unter Kontrolle zu bringen – das war viel schwieriger, als es aussah. Umso glücklicher war ich, dass mir das gelang und ich diesen wichtigen Treffer erzielen konnte.

Sie sind Zugezogener im Ruhrgebiet. Sind die Derbys gegen Dortmund oder wie jüngst gegen Schalke für Sie dennoch besondere Spiele?

Wenn man zu einem Ruhrgebietsverein geht, bekommt man ganz schnell mit, wie besonders diese Spiele sind. In der Woche vor dem Derby kribbelt es und man spürt, wie hungrig das Umfeld auf einen Sieg ist. Die Stimmung des Publikums ist entsprechend. Derbys sind für alle etwas Besonderes, auch für die Spieler.

Wie steht's mit Bochumer Legenden wie »Ata« Lameck oder Lothar Woelk? Sind diese Männer Vorbilder für Sie?

Lameck kenne ich sehr gut, wir verstehen uns prächtig. Vor Leuten wie ihm und ihren Leistungen habe ich großen Respekt. Er hat viel für den Verein getan, vor allem in der Außenwirkung. Nacheifern ist jedoch schwierig, wir leben jetzt in einer ganz anderen Zeit.

Wie sehr fehlt der Mannschaft Thomas Zdebel, der den Verein eher unfreiwillig verlassen hat?


In der Winterpause sind einige Sachen passiert, die die Vereinsführung dazu bewogen hat, Thomas abzugeben. Er war zweifellos ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, aber leider kam es dazu, dass beide Seiten auseinander gegangen sind. Für mich ist das jetzt Vergangenheit, es geht weiter. Mit sechs Punkten aus drei Spielen haben wir einen guten Start in die Rückrunde hingelegt, hoffentlich machen wir da weiter.

Sie stammen aus Berlin. Was trauen sie der Hertha noch zu?


Hertha hat bewiesen, was man als geschlossene Mannschaft mit maßgeschneiderter Taktik erreichen kann. Sie spielen sehr effizient und sind in der Lage, vermeintlich stärkere Teams zu schlagen. Wenn sie diese Konstanz erhalten bleibt, bleiben sie bis zum Schluss oben dabei. Mit dem Quentchen Glück ist sogar die große Überraschung drin.

Sie haben in der Jugend für Hertha gespielt. Drücken Sie die Daumen?


Naja, ich hab ja nur ein Jahr für Hertha gespielt. Natürlich verbinde ich noch viel mit der Stadt in der ich ausgewachsen bin. Weil ich zudem mit Arne Friedrich sehr gut befreundet bin, drücke ich ihm natürlich die Daumen. Ansonsten gibt es keine Verbindungen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!