04.09.2007

Christoph Dabrowski im Interview

„Unsere Arbeit trägt nun Früchte“

Wenn sich einer mit dem Abstiegskampf auskennt, dann Christoph Dabrowski, der Mittelfeld-Turm vom VfL Bochum. Letztes Mal befreiten er und die Seinen sich noch fulminant aus dem Keller. Doch was wird die neue Spielzeit bringen?

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Trotz der Schlappe in Hannover: Glückwunsch zum erfolgreichen Saisonstart, Herr Dabrowski. Was können die Bochumer Fans in dieser Saison von ihrem VfL noch erwarten?

Das ist jetzt eine schöne Momentaufnahme. Aber wir wissen den Start einzuordnen und sind uns bewusst, dass es nicht die ganze Saison über so gut laufen wird wie jetzt am Anfang. Wir wollen die Euphorie in die nächsten Spiele mitnehmen und werden unser möglichstes tun, um weiter erfolgreich zu sein. Wirklich aussagekräftig ist die Tabelle erst ab dem 10 Spieltag. Dann können wir eine Prognose abgeben, wo unser Weg langgeht.



Sie hatten zu Hause mit Werder und Hamburg sowie auswärts in Cottbus ein kniffeliges Auftaktprogramm. Sind Sie angesichts der Abgänge von Gekas und Misimovic selbst ein wenig vom erfolgreichen Saisonstart des VfL überrascht?

Auch mit Gekas und Misimovic hätte uns niemand einen guten Start garantieren können. Wir haben eine super Vorbereitung gemacht und die Neuzugänge gut integriert. Doch egal wie eine Vorbereitung läuft, beim Ligastart weiß man nie genau, wo man steht. Wir freuen uns, dass wir gleich am Anfang Punkte eingefahren haben, das macht die Integration unserer Neuzugänge um einiges einfacher.

Wenn sich abzeichnet, dass solch wichtige Spieler wie Gekas und Misimovic den Verein verlassen, versucht man dann als Mitspieler die Kollegen zum Bleiben zu überreden?

Nein, das würde auch nichts bringen. Jeder Spieler hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Karriereziele. Im Fußball ist es nun mal so, dass Spieler den Verein wechseln, weil sie sich woanders eine bessere Perspektive erhoffen oder einen besseren Vertrag bekommen. Man wünscht den Spielern alles Gute und muss dann schauen, dass man das Beste aus dem neuen Team herausholt.

Ist Vereinstreue heute eigentlich nur noch eine Illusion, die die Fans zwar noch haben, aber die mit der Realität nicht mehr viel gemein hat?

Die Zeiten, in denen ein Spieler 10 Jahre bei einem Verein bleibt, sind vorbei. Auf der einen Seite gibt es noch die Spielertypen, die sich 100% mit einem Verein identifizieren. Auf der anderen Seite gibt es aber auch andere Spieler, die zwar professionell sind, einen Verein aber nur als Durchgangsstation auf ihrer Karriereleiter sehen. Das finde ich nicht unbedingt verwerflich. Dabei ist es aber wichtig, in der Zeit trotzdem alles für den Verein zu geben. Und bei den meisten Spielern ist das auch so. Auch nach so einem Fall wie mit van der Vaart darf man nicht alle Fußballprofis über einen Kamm scheren und ihnen die Identifikation mit den Vereinen absprechen.

Letzte Saison war der Saisonstart des VfL weitaus schlechter. Da steckten Sie vom ersten Spieltag an bis weit in die Saison hinein tief im Abstiegskampf. Was hatte das für Auswirkungen auf den Trainingsalltag?

Auf die tägliche Arbeit hat es bei uns weniger Einfluss gehabt. Mit Marcel Koller haben wir einen Trainer, der sehr systematisch arbeitet. Er wirft nicht gleich sein ganzes Konzept über den Haufen, nur weil das Team mal für drei Spieltage auf einem Abstiegsplatz steht.

Aber der Druck ist doch sicher immens, wenn man auf einem Abstiegsplatz steht?

Wenn man unten drin steht, spürt man natürlich einen größeren Druck. Aber den hat man eigentlich immer. Auch jetzt, wo wir in der Tabelle gut dastehen, haben wir Druck, aber das ist ein positiver Druck. Da tritt man mit mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein auf. Es kann aber auch von Vorteil sein, wenn man sich die ganze Saison mit dem Abstiegskampf auseinander setzten muss. Wenn eine Mannschaft erst kurz vor Saisonende unten reinrutscht, fällt es ihr oft schwer, dann den Schalter auf Abstiegskampf umzulegen.

Was haben Sie getan, um sich von dem Stress des Abstiegskampfes abzulenken?

Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, da komme ich auf andere Gedanken. Aber natürlich beschäftigt man sich tagtäglich mit der Situation. Jetzt ist es schön, die Saison von einer höheren Tabelleregion aus angehen zu können und nicht gleich wieder unten drin zu stehen.

Ihre letzten Vereine Bochum, Hannover und Bielefeld sind in der Bundesliga sportlich etwa eine Kategorie. Wie groß sind die Unterschiede im so genannten Umfeld der Vereine?

Hannover ist von der Presselandschaft schon sehr speziell. Da gibt es einen großen Boulevard, der immer nach Geschichten sucht. Im Erfolgsfall herrscht da große Euphorie, und im Misserfolg wird man von der Presse zerfetzt. Da kann man in Bielfeld oder Bochum schon um einiges ruhiger arbeiten. Was die Professionalität des Umfeldes anbelangt, braucht sich der VfL Bochum vor vielen anderen Bundesligavereinen nicht zu verstecken.

Bereiten die Bundesligavereine ihre Spieler auf den Umgang mit der Presse vor?

Zum Teil. Problematisch ist es, wenn ein Verein keinen Pressesprecher hat. Da gibt es bei einigen Vereinen sicher Nachholbedarf. Ein Pressesprecher kann bei vielen Dingen schon im Vorfeld Dampf aus den Sachen nehmen und in die richtigen Bahnen lenken. Das ist hier in Bochum vorbildlich.

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