08.08.2007

Christofer Clemens im Interview

„Zu langsam aus der Abwehr“

Die Bundesliga hechelt den europäischen Top-Ligen hinterher. Woran liegt das? Die Firma Mastercoach bewertet mit modernster Technik die Spiele der Bundesliga. Wir haben Vertriebsleiter Christofer Clemens nach seinen Erkenntnissen befragt.

Interview: Karsten Doneck Bild: Imago
Herr Clemens, was hat die abgelaufene Bundesliga-Saison für Sie als Statistiker Überraschendes gebracht?

Nicht so viel Überraschendes.

Aber ein paar Daten haben Sie doch sicherlich? Ihre Firma Mastercoach hat schließlich ein Spielanalysesystem in mehreren Stadien installiert, das mittels Sensoren exakte Daten über Spielerverhalten liefert.

Wir erheben unsere Daten in vier Ländern: England, Frankreich, Spanien und Deutschland. Dabei lässt sich nach wie vor feststellen, dass in Deutschland der Ball am langsamsten aus der Abwehr heraus gespielt wird. In Englands Premier League kommt zum Beispiel der Ball in etwa doppelt so schnell wie in der Bundesliga aus der Verteidigung heraus.

Aber deutsche Fußballer gleichen Defizite bekanntlich durch starke Physis aus...

Bei der physischen Komponente, also auch bei der Frage, wie viel ein Spieler läuft, gibt es international kaum Unterschiede. Aber in England und Frankreich wird bei Sprints oder beim Erreichen hoher Laufgeschwindigkeiten schneller agiert als in der Bundesliga.



Aber irgendwo muss doch auch die Bundesliga ihre Vorzüge haben.

Sicher, die Spitzenvereine VfB Stuttgart, Schalke 04 oder Werder Bremen, denen ja auch attraktiver Fußball bescheinigt wird, haben versucht, ihr Spiel mit weniger Ballkontakten aufzuziehen, sie haben grundsätzlich versucht, den Ball häufiger vorwärts als quer zu spielen.

Welche Bundesligaklubs sind Ihrem hochtechnisierten Analyse-System eigentlich angeschlossen?

Wir wenden unsere Technolgie bei fünf Bundesligisten an: Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, HSV, Wolfsburg und Bochum. Auch in der 2. Bundesliga haben wir mit dem SC Freiburg, Greuther Fürth und 1860 München drei Kunden.

Wie teuer ist es, Ihr ganzes technisches Equipment und Know how zu nutzen?

Die sensorische Technologie - da liegt der Preis bei ungefähr 25.000 Euro. Dazu kommen noch Kosten für Serviceleistungen, wenn ein Klub auch Auswärtsanalysen haben möchte oder im Europapokal spielt. Da kommen noch mal zwischen 30.000 und 80.000 Euro zusammen.

Wenn bei Fußballübertragungen im Fernsehen der Kommentator erzählt, der Spieler, der da gerade ausgewechselt wird, sei 11,56 Kilometer gelaufen - wie genau ist so ein Wert?

Also wenn wir das mit unserer Technologie machen, dann stimmt das bis auf wenige Zentimeter ziemlich genau.

Welche Daten ermitteln Sie?

Alle möglichen, technisch-taktische zum Beispiel: Wer spielt welchen Pass, wieviel Zweikämpfe gewinnt oder verliert ein Spieler, was passiert nach dem Ballgewinn, wo geht der erste Pass hin. Dazu kommen physische Daten: Laufwege, Beschleunigungsvermögen, Geschwindigkeit und so weiter.

Wer nutzt die Daten?


Der gesamte Trainersatab, die Leistungsdiagnostiker in den Vereinen. Oder die Sachen werden auch in den Scouting-Büros ausgewertet.

Kann sich denn bei Ihnen ein Bundesliga-Trainer vor dem nächsten Spiel über den Gegner informieren?

Vertraulichkeit ist oberstes Gebot.


Dieser Artikel erschien mit freundlicher Genehmigung von tagesspiegel.de.
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