Christian Wück über WWW und Trainerschein

»Ich bin ein Computerfreak«

Christian Wück ist ein Trainer moderner Prägung. Er betreibt einen eigenen Blog. Wir sprachen mit dem Ex-Profi über seine Internet-Affinität, seine elfmonatige Schulzeit während der Trainerausbildung in Köln und OPs am offenen Herzen. Christian Wück über WWW und Trainerschein

Herr Wück, Gratulation zu Ihrem neuen Job. Was gab den Ausschlag für Holstein Kiel?

Ich freue mich darüber, in einem Verein zu arbeiten, der Ziele und eine klare Struktur hat und sehr seriös und gesund geführt wird.

Wie sind die ersten Eindrücke von Mannschaft und Verein?

Die Bedingungen hier in Kiel und die Qualität des Teams ist top. Die Mannschaft braucht aber eine klare Struktur und eine eindeutige taktische Richtlinie. Damit kann man das individuelle Potenzial bündeln und erfolgreich sein.

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Welche taktische Marschroute schwebt Ihnen vor?

Ich werde wie in Ahlen ein 4-3-3-System spielen lassen. Derzeit übe ich das neue System mit der Mannschaft ein und hoffe, dass es schon bald greift.

4-3-3, wie bei van Gaal in München. Wer ist denn der Arjen Robben von Holstein Kiel?

Wir haben mehrere Spieler, die als schnelle Außenstürmer spielen können. Mir fallen spontan Francky Sembolo, Marc Heider und unser Goalgetter Michael Holt ein.

Sie betreiben unter www.wück.de einen eigenen Blog. Warum?

Statische Auftritte sind einfach nicht mehr aktuell. Generell verbinde ich damit mein Hobby mit dem Nützlichen. Ich bin schon seit meiner Kindheit ein Computerfreak. Die Website ist eine gute Präsentationsplattform und ich freue mich, dass ich mit Fans und Interessierten so in Kontakt treten kann.

Wie ist die Resonanz bislang?

Sehr gut. Natürlich gibt es auch negative Stimmen, aber solange es nicht beleidigend wird, lasse ich die auch auf der Seite stehen.

Im Juni dementierten Sie auf Ihrer Website einen Kontakt zum 1. FC Kaiserslautern. Ist der eigene Blog schlicht der einfachste Weg mit Journalisten zu kommunizieren?

Ich bekam damals mehrere Emails von FCK-Fans. Da war es am einfachsten, den Weg über einen Beitrag auf der Homepage zu wählen statt zig Mal die gleiche Antwort zu schreiben.

Haben Sie die Seite auch selbst umgesetzt?

Alles, was Sie auf der Seite sehen, ist von mir. Nur das Designgerüst basiert auf einer Vorlage. Ich habe den Ehrgeiz, verschiedene Designs auszuprobieren und das zu finden, was mir am besten gefällt.

Gibt es keine Bedenken von Vereinsseite, dass Sie alles in die Welt hinausbloggen und –twittern?

Ich weiß genau, was ich darf und was nicht. Interna werde ich sicherlich nicht ausplaudern.

Sie sind seit 30. April »staatlich anerkannter Fußball-Lehrer«. Was haben Sie für Erinnerungen an die elfmonatige »Schulzeit«?

Es war eine sehr stressige, aber auch lehrreiche Zeit, die leider negativ endete mit meiner Entlassung in Ahlen.

Begrüßen Sie es, dass Trainer von Profimannschaften nun den Schein vorweisen müssen?

Insgesamt geht der DFB den richtigen Weg damit, die Ausbildung und den Beruf aufzuwerten. Aber dann darf man auch meines Erachtens keine Ausnahmeregelungen mehr zulassen.

Was meinen Sie konkret?

Übergangslösungen mit Interimstrainern, die keinen Schein haben. Wenn es DFB-Politik ist, in den ersten beiden Ligen nur noch anerkannte Trainer arbeiten zu lassen, dann muss das auch durchgezogen werden. Es gibt so viele Trainer mit Schein, die arbeitslos sind. Ich gehörte ja sieben Monate auch dazu. In der Situation sind solche Ausnahmen ein Schlag ins Gesicht.

Wie oft waren Sie während Ihrer Ausbildung in Köln?

Bei uns erstreckten sich die Kurse von Montag 12 Uhr bis Donnerstag 16 Uhr. Mehr als 20 Prozent der Unterrichtszeit durften wir nicht fehlen.

Als offizielle Begründung ihrer Entlassung in Ahlen hieß es, der Verein brauche einen Trainer, der ganzwöchig zur Verfügung stehe. Wurde das Ihnen gegenüber auch so kommuniziert?

Nein, überhaupt nicht. Das war ein rein vorgeschobener Grund für die Öffentlichkeit. Im Entlassungsgespräch war davon keine Rede. Man wollte es sich einfach machen, weil die Entscheidung sportlich nicht zu begründen war.

Trainerlehrgang und Anstellung im Profifußball. Was bleibt bei diesem Kraftakt auf der Strecke?

Ich habe vom ersten Lebensjahr meiner kleinen Tochter praktisch nichts mitbekommen. Nach meiner Entlassung in Ahlen hatte ich da einiges nachzuholen.

Wer hat mit Ihnen zusammen die Schulbank in Köln gedrückt?

Es waren einige bekannte Namen darunter wie Holger Stanislawski, Christian Hock, Henning Bürger, Matthias Hamann oder Manni Bender.

Stimmt es, dass Stanislawski der Klassenbeste war?

Ja, der war unser Streber. (lacht) Er hat das aber auch verdient. Holger hatte die besten Vorraussetzungen, weil er schon eine Ausbildung zum Physiotherapeuten hinter sich hatte. Er ist aber einfach auch auf dem Platz ein super Trainer, was man ja derzeit an St. Pauli sieht.

Sind Sie mit den Schulkameraden um die Häuser gezogen?

Wir hatten unsere Stammkneipe, wo wir immer zusammen Fußball geschaut und gegessen haben. Um die Häuser ziehen war nicht drin. Am nächsten Tag bimmelte um acht ja schon wieder die Schulglocke!

Stand viel graue Theorie auf dem Lehrplan?

Ja, besonders im Bereich Trainingswissenschaft und Sportmedizin. Ich könnte mittlerweile am offenen Herzen operieren!

Was hat sich in punkto Training seit Ihrer aktiven Zeit geändert?

Sehr viel. Dehnen wird beispielsweise aktuell als unnötig angesehen, außer vielleicht nach dem Spiel. Wenn ich zurückdenke, wie oft ich mich damals gedehnt habe...

Vor einem Spiel im »Hexenkessel« Betzenberg ließen Sie einmal mit Ohrstöpseln trainieren, um lautere Kommunikation zu fördern. Haben Sie diesen Kniff auch beim Lehrgang gelernt?

Nein, das war meine Idee. Hat auch gut geklappt, jedenfalls bis zur 50. Minute. Danach wurde aus einer Führung dann leider noch ein 1:4.

Wer ist als Trainer Ihr Vorbild?

Willi Entenmann, mein erster Trainer. Er hat mich als 17-Jährigen in das Geschäft Bundesliga eingeführt, hat generell sehr viel mit den Spielern gesprochen. Das halte ich heute auch so. Ich möchte meinen Jungs möglichst erklären, warum sie spielen oder nicht. Ich will offen zu den Spielern sein

Wie wahrt man da die Autorität?

Das schließt sich nicht aus. Man kann autoritär und ehrlich zugleich sein. Die Spieler müssen sich auf mich verlassen können und umgekehrt.

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