Christian Wörns über Dortmund-Paris

»Kennen Sie Jay-Jay Okocha?«

Wenn heute Abend der ehemalige Christian-Wörns-Klub Borussia Dortmund auf den ehemaligen Christian-Wörns-Klub Paris St. Germain trifft, dann wird Christian Wörns eine C-Jugend trainieren. Wir sprachen trotzdem mit ihm. Christian Wörns über Dortmund-Paris

Christian Wörns, ich höre Flutlicht und rieche Gras. Wo stecken Sie nur?

Ich bin C-Jugend-Trainer beim Hombrucher SV, die Jungs hatten grade ein Freundschaftsspiel. Hier sind ja Ferien. Meinen Spielern soll schließlich nicht langweilig werden.

Heute Abend spielt Ihr Ex-Verein Borussia Dortmund gegen Ihren Ex-Verein Paris St. Germain. Sie werden doch sicherlich im Stadion sein?

Nein, um 19 Uhr beginnt unser Training. Wenn ich Glück habe, kann ich mir die letzte Viertelstunde noch vor dem Fernseher anschauen.

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Sie sind 1998 von Bayer Leverkusen nach Paris gewechselt. Gleich nach der WM in Frankreich. Warum Paris?

Weil die mich gefragt haben und ich schnell zugesagt habe. Vielleicht sogar zu schnell.

Warum »zu schnell«?

Ich war schon immer jemand, der seine Entscheidungen sehr schnell getroffen hat. Im Sommer 1998 war ich ablösefrei, der Verein hat mich gereizt, die Stadt auch und ohne groß zu überlegen, sagte ich den Parisern zu. Mit etwas mehr Geduld hätte es vielleicht auch ein noch größerer Verein werden können.

Hatten Sie nicht die Nase voll von Frankreich? Im Viertelfinale gegen Kroatien mussten Sie mit einer Notbremse einen Fehlpass von Lothar Matthäus ausbügeln und flogen nach 40 Minuten vom Platz. Deutschland schied mit 0:3 aus und musste nach Hause fahren.

Ach, das Leben geht doch weiter. Wenn ich mich mit dieser Roten Karte ewig aufgehalten hätte, hätte der Job doch keinen Spaß mehr gemacht. Ganz ehrlich: Während meiner gesamten Zeit in Frankreich habe ich nicht einmal an diesen Platzverweis gedacht.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Pariser Mitspieler?

Natürlich. Marco Simone war dabei, zweifacher Champions League Sieger mit Milan. Oder Jay Jay Okocha... Kennen Sie den noch?

Aber Herr Wörns, entschuldigen Sie mal...

Man kann ja nie wissen. Okocha kam jedenfalls fast zeitgleich mit mir zu PSG. Der hat damals 22 Millionen Mark gekostet! 22 Millionen Mark mehr als ich.

Mussten Sie als alter Waldhof-Schüler einer Fummelkutte wie Okocha im Training auch mal zeigen, wo der Hammer hängt?

(lacht)
Nein, nein. Der hat zwar ständig versucht mir die Kugel durch die Beine zu schieben, aber letztlich war das doch brotlose Kunst.

Keine Grätsche über die Bande um die Verhältnisse zu klären?

Das Platzhirschgehabe war nicht nötig. Außerdem brauchten wir damals ja jeden gesunden Mann. Das hätte ich meinem Trainer (Artur Jorge, d. Red.) schwer verkaufen können.

In Paris blieben Sie nur ein Jahr – und gingen 1999 zu Borussia Dortmund. Heute spielen beide Mannschaften gegeneinander...

...und man darf sich Einiges erhoffen. Paris ist in der heimischen Liga Dritter, Dortmund sogar Erster – da spielen zwei richtig gute Mannschaften gegeneinander.

Was gefällt Ihnen am BVB 2010 am Besten?

Dass die Mannschaft taktisch hervorragend geschult ist. Man erkennt das ganz wunderbar, wie Sie es immer wieder schafft, die gegnerischen Defensivketten anzugehen. Da wird der Ball nicht ewig über den Platz getrieben, da sind Ideen vorhanden und kluge Köpfe mit schnellen Beinen, die die Ideen auch verwirklichen können. Noch ein Vorteil für Trainer Jürgen Klopp: Er hat eine große Auswahl zuverlässiger Spieler.

Was meinen Sie damit?

Ob Hummels, Sahin oder Kagawa – das sind alles Jungs, die in dieser Form in jedem Spiel Top-Leistungen ohne große Qualitätsverluste abliefern können. Wenn Nuri Sahin in der Lage ist, zwölf Kilometer pro Partie zu laufen, dann wird er auch mindestens elf davon schaffen. Das macht die Arbeit eines Trainers deutlich angenehmer.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten jetzt noch ein paar Spiele für den BVB zu absolvieren – würden Sie das machen?

Auf jeden Fall! Ich könnte mir wirklich Schlimmeres vorstellen, als Teil dieser Mannschaft zu sein.

Der Sportplatz vom Hombrucher SV ist knapp zwei Kilometer vom Westfalenstadion entfernt. Wann spielt der erste Ihrer Schützlinge vor der »Süd«?

Hoffentlich schon bald, das ist ja unser großes Ziel, mal einen von den Jungs bei der Borussia unterzubringen. Was meinen Sie, warum ich meine Mannschaft auch in den Ferien durch die Gegend springen lasse?

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