10.01.2007

Christian Schulz im Interview

„Ich bin in den Notizblöcken“

Christian Schulz ist der neue Dieter Eilts: Seit Ewigkeiten bei Werder und stets zuverlässig. Aber will er nicht auch mal raus aus Bremen? Vielleicht, sagt er im Gespräch mit 11freunde.de. Erstmal will er Meister werden - und zurück zu Jogi.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago


Sie sind noch jung und trotzdem schon ein Urgestein und dienstältester Werderaner – wann werden Sie Führungsspieler?

Man wächst da allmählich rein – es kommt immer mehr. Wir haben aber Spieler in den Reihen, die mir da Einiges voraushaben. Die Nationalspieler zum Beispiel. Aber ich fühle mich wohl in der Mannschaft und weiß, dass mein Wort auch was zählt. Ich bin auf einem guten Weg zum Führungsspieler.

Ist das ein Anspruch, den Sie an sich selbst haben?

Auf jeden Fall. Aber wie gesagt: Da wächst man rein. Mit 22 oder 23 ist man noch kein Führungsspieler. Das kommt erst ein paar Jahre später, wenn man sich über Jahre hinweg etabliert hat und die Mannschaft in- und auswendig kennt.

Das tun Sie doch jetzt schon.

Stimmt. Aber ich denke, dass es um einen Reifeprozess geht, den man in meinem Alter noch nicht abgeschlossen hat.

Kommen wir zur Nationalelf. Nach den drei Spielen, die sie 2004/2005 für die Nationalmannschaft gemacht haben, ist es relativ ruhig um Ihren Namen geworden. Sind Sie verheizt worden?

Verheizt nicht, nein. Aber für mich persönlich ging es einen Tick zu schnell. Bei Werder Bremen war ich noch nicht mal richtig etabliert und schon Nationalspieler. Jetzt würde ich sicherlich anders mit der Sache umgehen. Ich bin froh, dass ich die Chance bekommen habe, mich dort zu zeigen. Ich weiß jetzt, was man da alles erleben kann, und es ist natürlich auch wieder ein schönes Ziel für mich. Die Aufgabe wieder annehmen, um irgendwann wieder in den Reihen der Nationalmannschaft zu stehen.

Sind Sie vielleicht auch zu wenig spezialisiert, um sich für eine konkrete Position aufzudrängen?

Ja, natürlich. Viele legen diese Vielseitigkeit auch negativ aus. Und es ist auch so, dass ich mich in den nächsten Jahren auf eine bestimmte Position festlegen möchte, weil ich den Standpunkt schon häufiger gehört habe und auch vertrete. Aber momentan, als noch jüngerer Spieler, ist es eher ein positiver Faktor, dass man seine Einsätze bekommt, dass man sich in den Vordergrund spielt. In den nächsten zwei Jahren will ich mich festlegen und ins Mittelfeld vorrücken.

Gehen wir von Ihrer Stammposition auf der linken Abwehrseite aus. Wie realistisch sehen Sie Ihre Chancen auf eine Wiederkehr in die Nationalmannschaft? Immerhin machen auf dieser Position Philipp Lahm, Marcell Jansen und Christian Pander Ansprüche geltend.

Da schließt sich der Kreis: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich sehe die Leistungen der Spieler, die in der Nationalmannschaft sind und versuche, das genauso zu bringen. Oder mich noch ein bisschen mehr in den Vordergrund zu spielen, so dass der Bundestrainer wieder auf mich zurückgreifen will.

Hatten Sie denn in der letzten Zeit Kontakt zu Jogi Löw?

Nein, das nicht. Aber im „kicker“ hat er meinen Namen erwähnt. In den Notizblöcken bin ich noch drin. Das hat mir Vertrauen gegeben. Jetzt heißt es: Warten und gute Leistung bringen.

Setzt man sich als junger Profi feste Punkte: Mit 25 bin ich Nationalspieler und mit spätestens 28 will ich ins Ausland?

Nein, man setzt sich in seiner Karriere keine festen Punkte. Es kommt so, wie es kommen muss. Sicherlich gibt es so ein paar Fixpunkte: Zum Beispiel, dass man eher ins Ausland geht, wenn man etwas älter ist. Ansonsten mache ich mich frei von solchen Dingen.

In einer Saisonkritik stand über Sie: „Schulle kommt – und funktioniert immer.“ Es ist ja durchaus eine Kunst, immer sofort da zu sein, wenn man eingewechselt wird. Wie halten Sie die Spannung?

Ich versuche im Training immer alles abzufordern, was ich auch im Spiel zeigen will und was ich da brauche. Das ist sicherlich ein großer Vorteil von mir – viele Spieler lassen sich da ein bisschen fallen, wenn sie ins zweite Glied gerückt sind. Formell ist das kein großer Unterschied für mich. Wenn ich spiele oder mal wieder eingewechselt werde, nachdem ich lange nicht mehr gespielt habe, versuche ich durch die Trainingseinheiten mein Pensum zu bringen und so zu agieren, als hätte ich die ganze Saison schon auf dem Platz gestanden.

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