10.01.2007

Christian Schulz im Interview

„Ich bin in den Notizblöcken“

Christian Schulz ist der neue Dieter Eilts: Seit Ewigkeiten bei Werder und stets zuverlässig. Aber will er nicht auch mal raus aus Bremen? Vielleicht, sagt er im Gespräch mit 11freunde.de. Erstmal will er Meister werden - und zurück zu Jogi.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Herr Schulz, sind Sie eine Allzweckwaffe?

(lacht) Ich hab natürlich schon auf vielen Positionen gespielt. Vielleicht bin ich eine Allzweckwaffe für die Defensive und da auch eher für den linken Bereich. Es ist also doch eingeschränkt.

Sie sind in der Werder-Jugend eher als Offensivkraft aufgebaut worden und von Jahr zu Jahr weiter in die Defensive gerückt. Was nehmen Sie aus dieser Entwicklung mit in den Profialltag?

Vor allem das Wissen, wie man sich auf den unterschiedlichen Positionen zu verhalten hat. Natürlich kann man die Jugend nicht mit der Bundesliga vergleichen, aber das Grundsätzliche kriegt man mit auf den Weg.

Für Sie muss es doch ein Vorteil sein, in der Offensive gespielt zu haben. Einfach, weil Sie das Verhalten der Angreifer besser antizipieren können als andere.

Das ist im Kopf schon ein bisschen mit drin, aber jeder Stürmer ist ein anderer Spielertyp, eine eigene Persönlichkeit. Alle haben andere Laufwege. Da hilft es nicht ganz so viel, selber mal offensiv gespielt zu haben. Man muss sich mit dem Stürmer näher auseinandersetzen – das dauert immer eine gewisse Zeit. Aber bis jetzt habe ich meinen Gegenspieler noch immer gefunden (lacht).



In Bremen spielen Sie sowohl als Linksverteidiger als auch im linken Teil der Mittelfeldraute. In der U21 haben Sie auch schon in der zentralen Defensive gespielt. Was ist Ihnen am liebsten?

Am liebsten ist mir ein Platz im Mittelfeld, und das weiß der Verein auch. Aber natürlich nutze ich meine Chancen, die ich bekomme. Auf der linken Außenbahn, wo ich jetzt über drei Jahre im Profibereich gespielt habe und ja auch Nationalspieler geworden bin, fühle ich mich auch ganz wohl. Aber letztendlich gilt: über kurz oder lang will ich mich im Mittelfeld etablieren.

In der Hinrunde haben Sie 13 Bundesligaspiele und 3 Einsätze in der Champions League absolviert. Sind Sie mit Ihrem persönlichen Saisonverlauf zufrieden?

Der Start ist recht holprig verlaufen. Die ersten Spiele sind nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Danach wurde es dann eigentlich okay. Ich bin aber zufrieden, da ich auch mal meine Chance im Mittelfeld bekommen habe.

Gegen Frankfurt und Wolfsburg haben Sie wieder für Pierre Womé in der Abwehrkette gespielt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass am ersten Rückrundenspieltag in der Anfangself stehen?

Ich bin sehr zuversichtlich. Ich muss in der Vorbereitung zusehen, dass ich meinen Platz im Training immer wieder mit guten Leistungen beanspruche. Und es ist nun mal so, dass hinten links die größte Möglichkeit besteht, ins Team zu rücken. Im Mittelfeld herrscht ein enormer Konkurrenzkampf – da spielen einfach noch mal zwei, drei Spieler mehr auf sehr hohem Niveau.

Sie sind so etwas wie der bodenständige Gegenentwurf zu Spielern wie Womé.

Meine Spielweise ist sicherlich nicht spektakulär. Aber ich habe immer meine Aufgaben erfüllt, die der Trainer mir aufgetragen hat. Letztendlich habe ich am Ende immer wieder gespielt. Von daher denke ich, dass das Spektakuläre am Anfang zwar immer etwas hervorgehoben wird, sich am Ende aber immer Kontinuität und Leistung durchsetzen. Das sieht man seit drei, vier Jahren.

Sie haben in den letzten Jahren auf Ihrer Position viel Konkurrenz gehabt. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Der Spruch kommt natürlich sehr häufig. Gerade bei Vereinen, die etwas höher spielen. Da ist dann auch das Geld da, um einen gewissen Konkurrenzkampf zu schüren. Bis jetzt hat es sich für mich immer positiv ausgezahlt - auch dadurch, dass ich vom Verein auf meiner Position immer neue Reizpunkte gesetzt bekommen habe. Dadurch konnte ich meine Entwicklung immer weiter nach oben treiben. Insofern ist schon etwas Wahres dran, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Allerdings muss man auch zusehen, dass man die Spieler bei Laune hält. Wenn der Verein den Konkurrenzkampf möchte, dann müssen sich die Verantwortlichen darüber Gedanken machen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden