01.03.2008

Christian Rahn im Interview

„Man ließ mich links liegen“

Christian Rahn hat eine seltsame Karriere hinter sich: Nationalspieler, im Verein trotzdem Bankdrücker und schließlich Arbeitsloser. Um nicht aus dem Tritt zu kommen, klopfte er bei Hansa an – und fand endlich seine Fußballfamilie.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Herr Rahn, geht es bergauf?

Ich denke schon. Meine Leistungen in der Vorrunde waren zwar schwankend, aber die ersten drei Spiele der Rückrunde liefen super.

Denken Sie heute noch an die Nationalmannschaft?


Nein.

Nachdem Sie im Mai 2002 für die Nationalmannschaft debütierten, war in der Presse zu lesen: „Für die Nationalmannschaft gut genug, für den Verein reicht es nicht.“ Dem „Spiegel“ sagten Sie damals, dass Sie mit solcherlei Kommentaren locker umgehen. Wir locker waren Sie wirklich?

Das war sicherlich keine einfache Situation für mich. Aber ich hatte die Rückendeckung von Rudi Völler und Michael Skibbe. Von daher war ich schon recht locker, denn ich wusste, dass es da Leute gibt, die auf mich stehen – auch wenn ich beim HSV kaum zum Einsatz kam.



Unterhielten Sie sich damals mit Rudi Völler über Ihre Situation beim HSV?

Natürlich. Wir haben viel darüber geredet. Eine groteske Situation: Irgendwann entschied ich dann, mich über die Nationalmannschaft für den Verein zu empfehlen.

Es klappte aber nicht. War der Druck für Sie vielleicht zu groß?


Nein. Ich denke nicht...

Rudi Völler sagte damals: „Bei den Brandbomben von Christian Rahn wäre ich auch gerne noch mal Stürmer.“ Sind Sie an zu hohen Erwartungen gescheitert?

Vielleicht. Aber man kann heute auch nicht sagen, wie meine Karriere verlaufen wäre, wenn ich zur EM 2004 mitgefahren wäre. Ich musste damals, nachdem mich Völler schon nominiert hatte, aufgrund einer Verletzung absagen. Nach dem Rücktritt von Völler und dem neuen Trainergespann um Jürgen Klinsmann war es für mich schwierig, überhaupt noch einmal Fuß zu fassen in der Nationalmannschaft. Und dann gab es im Verein auch Veränderungen: Klaus Toppmöller ging, Thomas Doll kam, und ich war der, der links liegen gelassen wurde.

Würden Sie heute sagen, dass die Berufung zum Nationalspieler hinderlich für Ihre Entwicklung war?

Auf keinen Fall. Ich habe fünfmal in der Nationalmannschaft gespielt, und diese fünf Spiele gehören heute zu meinen Karriere-Highlights. Das ist eine Erfahrung, die man mir nicht mehr wegnehmen kann. Und es war für mich eine Bestätigung meiner Leistung, die ich vorher in der U-21-Mannschaft gebracht habe und die sich dann auch streckenweise im Verein widergespiegelt hat.

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