Christian Lell über Bayern gegen Barcelona

»Bayern kommt weiter – ohne Gegentor!«

Christian Lell war Teil der Bayern-Elf, die 2009 mit 0:4 gegen den FC Barcelona verlor. Nun spielt er in Spanien für UD Levante. Ein Gespräch über Tipps für Heynckes, Messis Fitness und Hoeneß' Steueraffäre.

Christian Lell, wie viele Anrufe haben Sie in den letzten Tagen bekommen?
Einige. Vor allem aus München.
 
Ach, Ihr Ex-Klub will sich bei Ihnen über den FC Barcelona informieren?
Nein, ich habe mit einigen Reportern von TV-Sendern oder Zeitungen gesprochen. Mich haben keine Spieler aus dem Bayern-Kader angerufen. Das werden sie auch nicht tun.
 
Wieso ist das denn so? Will man sich nicht die Blöße geben?
Das hat damit nichts zu tun. Der FC Bayern hat so eine Informationsbeschaffung schlichtweg nicht nötig, denn er hat zahlreiche qualifizierte Mitarbeiter, die einen Gegner wie den FC Barcelona en detail analysieren können.
 
Jupp Heynckes reagierte jüngst ein wenig angefressen, als ihn jemand fragte, ob er Pep Guardiola für Ratschläge konsultiert habe.
Zurecht. Heynckes ist ein gemachter Mann, der muss sich nicht bei Guardiola erkundigen.
 
Haben Sie denn noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?
Kaum. Über Andreas Ottl weiß ich, wie es Philipp Lahm geht. Das war’s. So viele ehemalige Mitspieler sind ja auch gar nicht mehr da.
 
Sie haben mit dem FC Bayern 2009 gegen den FC Barcelona gespielt. Damals standen Sie mit Spielern wie Andreas Ottl, Breno, Jose Sosa, Hamit Altintop und Hans-Jörg Butt auf dem Platz. Mit Verlaub: Die Voraussetzungen vor dem heutigen Spiel sind andere, oder?
Absolut. Wobei man diese Mannschaften nicht vergleichen kann. Die Bayern-Elf, die damals 0:4 in Barcelona verlor, hatte überhaupt keinen Rhythmus. Sie hat davor und danach nie wieder so zusammengespielt. Das war eine Mannschaft, die aufgrund von Verletzungen aus der Not geboren wurde.
 
Sie haben damals gegen Lionel Messi gespielt. Wie verteidigt man gegen ihn?
Das ist schwer bis unmöglich, denn auch wenn man sich vornimmt, hart gegen ihn zu spielen, muss er dir immer noch die Möglichkeit dazu geben. Messi ist so schnell, ballsicher und wendig, dass er sich gar nicht erst auf Zweikämpfe einlassen muss.
 
Bereiten Sie sich mit dem UD Levante eigentlich speziell auf Spiele gegen Barcelona oder Real Madrid vor? Gucken Sie sich vor solchen Spielen zum Beispiel die Laufwege oder Finten der zentralen Gegenspieler noch einmal genauer an?
Natürlich kann ich mir vornehmen, bestimmte Laufwege zu unterbinden, doch letztendlich schalten diese Spieler problemlos einfach ein paar Gänge nach oben, wenn sie merken, dass der Gegner besonders motiviert ist.
 
Sie haben am vergangenen Wochenende mit UD Levante mal wieder gegen Barca gespielt...
...ich war leider nicht dabei. Ich habe muskuläre Probleme gehabt.
 
Sie hätten beinahe Ihren ersten Sieg gegen Barca verpasst.
Auf dem Papier sieht es nach einer knappen Partie aus, das stimmt. Wir haben nur 0:1 verloren. Doch lassen Sie sich davon nicht täuschen! Wir haben 90 Minuten Defensivarbeit verrichtet, und der FC Barcelona hat einige Spieler geschont.
 
Der FC Bayern spielt momentan mit jeder B-Elf seine Gegner an die Wand.
B-Elf haben Sie gesagt. Ich finde es schwer, von einer »B-Elf« zu sprechen, wenn man sich den aktuellen Kader der Bayern anguckt. Auch Heynckes hat kürzlich gesagt, dass es keine B-Elf gibt.

 
Im Liga-Hinspiel zwischen Levante und Barca waren Sie dabei – und Barcelona spielte mit der besten Elf. Wer war Ihr Gegenspieler?
Da habe ich gegen Iniesta gespielt. Das war hart. Allerdings bin ich in diese Partie gegangen wie in jede andere. Es hat ja auch zunächst ganz gut geklappt.
 
Bis zur 56. Minute.
Bis zur Halbzeit haben wir ein 0:0 gehalten. Kurz nach Wiederanpfiff machte Messi zwei Tore, in der 56. Minute schoss Iniesta das 0:3 und schließlich machte Fabregas noch das 0.4.
 
Und Sie mussten unweigerlich wieder an die Schmach von 2009 denken?
Ach, ich habe schon ein paar Mal dran gedacht. Aber es ist nicht so, dass mich Erinnerungen an das Champions-League-Spiel von damals runterziehen.
 
Wie hart geht Ihr Trainer eigentlich mit Ihnen ins Gericht, wenn Ihr Team gegen Barcelona oder Real Madrid verliert?
Es kommt immer darauf an, wie man verliert.
 
Gegen Real setzte es zuletzt ein 1:5-Pleite.
Die war verdammt unnötig, denn wir sind in Führung gegangen. Real drehte das Ergebnis schnell in ein 2:1, und es sah so aus, als ob es dabei bliebe. Doch dann schossen die zwischen der 84. und 90. Minute noch drei Tore. Da gab es natürlich klare Worte vom Trainer.
 
Was ist eigentlich der große Unterschied zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid?
Lionel Messi.
 
Real Madrid hat Cristiano Ronaldo.
Auch ein großartiger Spieler. Messis Leistungen schätze ich aber noch höher ein.
 
Spielt er denn gegen die Bayern?
Die spanischen Medien und der Klub halten sich sehr bedeckt. Das ist ein Zeichen dafür, dass er spielt. (lacht)
 
Wird er am Dienstagabend treffen?
Ich glaube an ein Weiterkommen der Bayern – ohne Gegentor. Ich tippe auf einen 1:0-Heimsieg und ein 0:0 im Camp Nou.

Herr Lell, glauben Sie eigentlich, dass Uli Hoeneß' Steuer-Affäre die Bayern-Spieler belastet?
Ich denke schon, dass dieser Nebenschauplatz den einen oder anderen Spieler beschäftigt, denn viele haben in Uli Hoeneß ein Vorbild oder sogar eine Vaterfigur gesehen. Doch auf dem Platz, mit Beginn der Partie, wird kein Spieler mehr dran denken. Jeder, der was anderes behauptet, hat keine Ahnung von Fußball.

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