Christian Hochstätter über Spielerberater

»Nicht mein Business«

Christian Hochstätter war Manager und Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Zuletzt arbeitete er als Spielerberater – ohne Freude. Ein Gespräch über Vagabundentum, Geld und Real Madrid. Christian Hochstätter über SpielerberaterImago

Christian Hochstätter, Sie waren Manager bei Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Im vergangenen Jahr wechselten Sie dann die Seite und wurden Spielerberater.

Ich kannte den Profifußball als Spieler und Manager. Nach Ende des Engagements bei Hannover 96 wollte ich die Zeit dafür nutzen, etwas Neues auszuprobieren und ins Beratergeschäft reinzuschnuppern. Nach einem dreiviertel Jahr war aber Schluss. Ich habe recht schnell gemerkt, dass das nicht mein Business ist.

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Warum nicht?

Es gibt seitens der Spieler eine gewisse Vorstellung, wie sie beraten werden wollen. Ich musste feststellen, dass eine gute Beratung, wie ich sie interpretiere, in der Form gar nicht gewünscht wird.

Weil es den Spielern letztlich nur ums Geld geht?


Das kann man pauschal so nicht sagen. Das Geld steht nicht grundsätzlich im Vordergrund. Ich habe jedoch den Eindruck, dass viele Spieler gar nicht wissen, was ein guter Berater für sie alles tun kann. Sie sehen in ihm nur eine Art Headhunter. Im Endeffekt geht es aber vor allem um eine gute Karriereplanung.

Was zeichnet denn einen guten Berater aus?

Seine Persönlichkeit und sein Standing in der Branche. Ein guter Berater verfügt über ein engmaschiges Netzwerk auf nationaler, aber auch internationaler Ebene. Er kennt den Markt, hat Lebenserfahrung und kann auf ein gutes Team auch außerhalb des Fußballs zurückgreifen, wie zum beispielsweise einen Steuerberater und einen Rechtsanwalt.

Der Ruf des Spielerberaters ist nicht der allerbeste.

In meiner Zeit als Sportdirektor hatte ich mit guten, aber auch mit schlechten Beratern zu tun. Wie in jedem Beruf gibt es solche und solche.

Sie selbst hatten in Ihrer aktiven Zeit nie einen Berater.

Ich wollte alles selbst im Griff haben. Heute würde ich das anders machen. Mit einem guten Berater an der Seite, wäre meine Karriere vielleicht anders verlaufen.

Sie haben immerhin für Gladbach 339-mal in der Bundesliga gespielt.

Das ist schon was. Aber manchmal ärgere ich mich darüber, dass es nur zu zwei Länderspiel-Einsätzen und einem Titel, dem Pokalsieg 1995, gereicht hat. Ich denke, dass noch mehr drin gewesen wäre. Wahrscheinlich hätte ich auch mal den Verein wechseln sollen.

Gladbach war Ihre einzige Station als Profi – in Zeiten des modernen Fußballer-Vagabundentums unvorstellbar.

So etwas gibt es heute nur noch ganz, ganz selten. Wegen der vielen Transfers fällt es den Leuten schwerer, sich mit Spielern und Klubs zu identifizieren. Andererseits tut es einem Profi sicher auch mal gut, den Verein zu wechseln. Das wirkt sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus.

Manchmal führt der kurze Weg eines hoffnungsvollen Talents zu einem großen, renommierten Verein, wie dem FC Bayern München oder Real Madrid, schnurstracks auf die Ersatzbank. Wäre es nicht schlauer, sich Schritt für Schritt nach oben zu arbeiten und das eine oder andere lukrative Angebot dankend abzulehnen?


Das sagt sich leicht. Aber die Jungs haben nur zehn bis 15 Jahre Zeit, um sich als Profi in finanzielle Unabhängigkeit zu bringen. Die Berufsausbildung, die man vor dem Fußball, abgeschlossen hat, nützt nach der Karriere gar nichts mehr. Daher ist es schon aus finanzieller Sicht verständlich, wenn ein junger Spieler einen gut dotierten Vertrag bei einem Spitzenklub unterschreibt. Es geht allerdings nicht nur ums Geld. Man träumt als Nachwuchsspieler doch davon, für einen Klub wie den FC Bayern, Real Madrid oder den FC Barcelona spielen zu dürfen.

Hätten Sie als Berater einem Sami Khedira den Wechsel zu Real Madrid empfohlen?

Das ist schwer zu sagen. Aber es ist sicher eine große Chance. Ich denke, es ist ein schwieriges Unterfangen, einem Spieler abzuraten, zu Real zu gehen. Falls man das tut, der Spieler dann zu einem kleineren Verein wie Valencia wechselt und es dort nicht funktioniert, hat man als Berater einen schweren Stand. Es gibt ja keine Garantie darauf, dass sich der Spieler bei einem kleineren Klub durchsetzt. Es kann auch dort schief gehen. Gleichzeitig zeigt Christoph Metzelders Wechsel zu Schalke 04, dass Real Madrid keine Sackgasse ist, sondern ein gutes Sprungbrett für die Jungs sein kann.

Ist die Bundesliga durch den überzeugenden WM-Auftritt der deutschen Nationalmannschaft für Stars aus dem Ausland attraktiver geworden?

Ich denke, dass dadurch der Stellenwert der Bundesliga nochmals gestiegen ist. Die WM 2006 in Deutschland war sehr wichtig. Die Stadien, die Stimmung darin und die Spielweise der deutschen Mannschaft haben dem Fußballstandort Deutschland unglaublich gut getan.

Und wie geht es bei Ihnen persönlich weiter?

Ich möchte gerne wieder in einem Verein arbeiten. Wann und wo das sein wird, kann ich nicht sagen. Im Profifußball tut sich ja manchmal von einem auf den anderen Tag etwas Neues auf.

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Christian Hochstätter ist 1963 in Augsburg geboren und kam über den Post SV Augsburg zum FC Augsburg. 1982 wechselte der Mittelfeldspieler zum Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Dort war Hochstätter bis 1998 unter Vertrag und schoss in 339-Bundesligaspielen 55 Tore. 1995 gewann der Neffe von Helmut Haller mit Gladbach den DFB-Pokal. Im Jahr 1987 kam Hochstätter unter Franz Beckenbauer zu zwei Länderspieleinsätzen. Nach seiner Profikarriere war er bis 2005 Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Im November 2006 trat Hochstätter bei Hannover die Nachfolge von Manager Ilja Kaenzig an. Im Januar 2009 wurde die Zusammenarbeit beendet. Hochstätter, der mit seiner Familie in Korschenbroich am Niederrhein lebt, arbeitete danach für kurze Zeit für die Spieleragentur Stars and Friends.

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