26.06.2009

Christian Fiedler zieht Bilanz

»Hoeneß sah knackig aus«

Herthas langjähriger Keeper Christian Fiedler muss aufhören – Knie total kaputt. Wir sprachen mit ihm über sein Karriereende, die DVD von seiner Operation, seine Arbeit als Torwarttrainer und die Turnhose von Dieter Hoeneß.

Interview: Michael Rosentritt und Stefan Hermanns Bild: Imago
Herr Fiedler, wie haben Sie Ihren Sommerurlaub verbracht: noch wie ein Fußball-Profi oder schon wie ein Trainer?

Ich habe mich wesentlich mehr erholt als in früheren Jahren. Lange Ausdauerläufe habe ich mir erspart. Meine Karriere als Spieler habe ich abgehakt. Musste ich abhaken. 



War es ein komischer Urlaub für Sie?

Absolut nicht. Ich will nicht sagen, dass ich froh bin, dass alles vorbei ist. Aber ich habe beim Laufen gemerkt, dass mein Knie wieder anfängt zu schmerzen. Natürlich könnte ich mich noch einmal durchbeißen. Aber nur noch mit Schmerzmitteln – das muss nicht sein. Ich will ja nicht in ein paar Jahren als Einbeiniger herumlaufen. Wenn ich höre, dass Rüdiger Vollborn jetzt ein neues Kniegelenk braucht … Der ist Mitte 40. Darauf habe ich keine Lust.

Ist es nicht ein seltsamer Gedanke: Hertha beginnt heute mit der Saisonvorbereitung, und Sie sind nicht dabei. 

Bin ich doch – als Torwarttrainer. Aber es wird auf jeden Fall anders sein. Du gehst nicht mehr zu den Spielern in die Kabine, sondern zu den Trainern. Trotzdem freue ich mich auf die neue Aufgabe. Ich habe schon früh darüber nachgedacht, was nach der Karriere kommt.

Sie werden weiterhin jeden Tag auf dem Platz stehen, am Wochenende bei den Spielen sein, im Sommer im Trainingslager …


… stimmt, der alte Rhythmus bleibt, und es kommen noch neue Aufgaben hinzu. Wir werden auch die Nachwuchstorhüter trainieren, du musst die Trainingseinheiten vorbereiten, alles nachbearbeiten und analysieren – als Spieler hast du das einfach so vorgesetzt bekommen. 

Wird sich Ihr Verhältnis zu den ehemaligen Mitspielern verändern?

Nein, eigentlich nicht. Ich will nicht sagen, dass ich sowieso ein bisschen distanzierter war, aber ich war nie der, der mit den Jungs um die Häuser gezogen ist und bei den Feierlichkeiten groß dabei war. 

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Dass ich etwas aufbauen kann. Einem erfahrenen Torhüter wie Jaroslav Drobny werde ich nicht mehr viel Neues beibringen, aber denen, die aus der Jugend nachkommen. Da gibt es Bedarf. Von Sascha Burchert abgesehen hat Hertha keinen aktuellen Junioren-Nationaltorhüter. 

Herthas Torwarttrainer Enver Maric hat gesagt, er freue sich auf Ihre Ideen.

Ich habe mir immer schon Dinge überlegt, die man verändern könnte. Enver hat zu mir gesagt: Pass auf, lass das sein. Das machen wir, wenn du Trainer bist. Das ist dann dein Ding. Natürlich möchte ich auch etwas von mir einbringen. Aber die Arbeit soll auch so fortgeführt werden, wie Enver sie bisher mit Nello di Martino gemacht hat. Ich halte seine Philosophie für richtig. Das, was Enver aus den Torhütern rausholt, ist überragend. 

Wird Hertha künftig eigentlich drei Torwarttrainer haben?

Das weiß ich nicht. Aus diesen Sachen halte ich mich auch raus.

Hat Cheftrainer Lucien Favre eine klare Philosophie vom Torhüterspiel?

Er sagt immer, Torhüter brauchen eine Nase fürs Spiel. Favre lässt auch den Torwarttrainern freie Hand. Er mischt sich da sehr wenig ein.

Dürfen Sie Favre künftig duzen?


Wenn er mir das Du anbietet, mache ich das. Aber ich werde es nicht von mir aus ansprechen. So bin ich erzogen.

Es heißt, Favre hätte Sie gerne noch als erfahrene Nummer zwei in der Hinterhand gehabt.

Da müssen Sie mehr wissen als ich. Ich habe ihn darauf angesprochen. Er hat gesagt, er vertraut unseren beiden jungen Torhütern, er möchte jetzt einen Schnitt machen. Das ist auch vollkommen okay. 

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