Christian Beeck über Union Berlin

»Jedes Spiel ist eine Party«

Einst zerfurchte er mit seinen Stollen die Spielfelder der Nation, seit 2007 ist Christian Beeck Sportdirektor beim 1. FC Union Berlin. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Wir sprachen mit ihm über Ehrlichkeit und den Stadionbau. Christian Beeck über Union Berlin

Christian Beeck, wie schafft man es als Sportdirektor eines Profi-Fußballvereins während der Weihnachtszeit zur Ruhe zu kommen?

Eigentlich ist das gar nicht möglich, aber ich zwinge mich einfach dazu. Ich habe zwei Kinder, eine Freundin und will die Zeit zu Hause genießen. Also schalte ich das Handy auf lautlos und überprüfe nach Heiligabend, wer zu dieser unmöglichen Zeit tatsächlich angerufen hat.

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Um den Anrufer anschließend zur Schnecke zu machen?

Nein, ich rufe ganz freundlich zurück.

Für Union Berlin war diese Hinrunde alles andere als unspektakulär: der Aufstieg, der Stadionbau, die Trennung von Hauptsponsor ISP. War das nicht ein bisschen viel?

Es hört sich auf jeden Fall brutal an, aber ich habe es total genossen. Dieser Job macht mir Spaß und wenn ich Spaß habe, bin ich leidensfähig.

Als sie sich nach den Stasi-Vorwürfen gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Czilinsky von Hauptsponsor und Geldgeber ISP getrennt haben, wurde ihnen das als richtiges Handeln ausgelegt. Sind Sie selbst mit dem ganzen Ablauf zufrieden?

Ja, weil wir es so gemacht haben, wie wir auch alle anderen Probleme im Verein lösen. Wir entscheiden uns gemeinsam für etwas, wir entscheiden uns gemeinsam gegen etwas. Das hat sich in vergangenen Jahren bei allen kritischen Angelegenheiten bezahlt gemacht. Das ist es was unser kleines Team im Stab von Union Berlin ausmacht: kurze Wege zwischen den Verantwortlichen, professionelle Nähe ohne sich jeden Tag in den Armen zu liegen und knallharte Ehrlichkeit.

Seit Sie 2007 das Amt als Sportdirektor von Jörg Heinrich übernommen haben, haben Sie eine steile Karriere hingelegt: Konsolidierung in der Regionalliga, Aufstieg in die zweite Liga und nach der Hinrunde Platz sechs. Wie haben Sie das geschafft?

Das liegt doch nicht an mir, sondern zuallererst an der Mannschaft und dann an den Helfern im Verein. Jeder, ob Mannschaftsarzt, Physiotherapeut, Wäschefrau oder Platzwart bildet ein Mosaiksteinchen in unserem Gefüge. Jeder Mitarbeiter ist von großer Bedeutung. Klar, ich stehe in vorderster Front, aber es ist zwingend notwendig, dass ich dieses Team im Rücken habe. Das Wichtigste aber für Union ist der Vorstand, der ja nicht nur Fan, sondern auch Unternehmer sein muss.

Was prädestiniert Sie eigentlich für diesen Job?

Ich war ja lange Jahre eine Führungsfigur bei Energie Cottbus und Kapitän einer Profimannschaft zu sein ist es quasi das gleiche Paar Schuh, wie Sportdirektor eines Profi-Vereins zu sein. Du musst die Fähigkeit besitzen aus den unterschiedlichen Qualitäten, die dir zur Verfügung stehen, ein Team zu formen. Hinzu kommen kaufmännische Abläufe, die jederzeit erlernbar sind. Alles andere allerdings nicht.

Sie sprachen von Ehrlichkeit und Zusammenhalt. Sind das spezielle Merkmale von Union, spezielle Markenzeichen der Region?

Nein, der Erfolg, den wir aktuell haben, ist demographisch überall möglich. Nur weil es diesen Zusammenhalt und diese Ehrlichkeit in der Mannschaft gab, ist doch Bayern München 2001 Champions-League-Sieger geworden. Nur deswegen werden Weltmeisterschaften gewonnen, Abstiege verhindert und Aufstiege gefeiert.

Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga, hat Union mit großartigem Fußball für Aufsehen gesorgt. Was war Ihr persönliches Highlight der Hinrunde?

Eigentlich schon der erste Spieltag, das 3:0 gegen Oberhausen. Alle Zweifel, die vorher hatten, waren wie weggeblasen. Als sich die Mannschaft nach dem Spiel in den Armen lag, wusste ich, das wird eine tolle Saison.

Viele sagen, der Erfolg von Union ist eng verknüpft mit dem neuen Stadion. Wie wichtig waren für Sie als Spieler atmosphärische Stadien?

Enorm wichtig! Ein reines Fußballstadion, wo du die Stimmung förmlich aufsaugen kannst treibt den Adrenalinspiegel nach oben und macht dich geil auf das Spiel. Eine Tartanbahn ist da nicht förderlich. Egal mit welcher Farbe (lacht). (Hertha BSC Berlin hat eine blaue Tartanbahn, d. Red.)

Was hatte der Stadionbau beim FC Union für eine Bedeutung?

Durch diese Nähe, die da ein Jahr lang auf der Baustelle geherrscht hat ist ein wahnsinniges Gefühl der Heimatverbundenheit entstanden. 2000 Menschen haben hier geschuftet und jeder Fan sagt jetzt über dieses Stadion: Das ist meins, das ist mein zu Hause! Jedes Spiel ist eine Party für die Zuschauer. Ich erinnere mich, dass wir noch vor einem Jahr gegen Stuttgart II vor 1.000 Menschen gespielt haben. Heute haben wir an der Alten Försterei einen Zuschauerschnitt von 16.000. Die Leute kommen nicht zu Union um die blöden Lizenzspieler anzupöbeln, sie kommen um die Jungs, die sich auf ihrer Wiese den Arsch aufreißen, siegen zu sehen! Diese Atmosphäre ist einzigartig.

Was hat Sie eigentlich daran gehindert den letzten Stein im Stadion zu setzen?

(lacht)
Ich kam einfach zu spät! Da hat jemand anderes diesen Job übernommen. Ist ja auch egal, Hauptsache das Ding steht.

Beschäftigt Sie eigentlich der Absturz von Hertha BSC?

Es macht mich traurig und es tut mir leid was mit der Hertha passiert. So etwas wünscht man keinem Verein. Aber es beschäftigt mich nicht, weil das was wir bei Union machen nichts mit Hertha BSC zu tun hat.

Am Januar werden Sie beim Hallenturnier »Legenden des deutschen Fußballs« auf die Hertha-Kollegen treffen. Von Ihnen gibt es ein Zitat: »Im Hallenfußball geht es vor allem darum bis tief, tief in die Nacht zu feiern.« Stimmt das?

(lacht)
So war das jedenfalls früher immer, als ich noch gespielt habe. Ich wurde zwar nicht so oft mitgenommen, wenn es in die Halle ging, aber wenn, dann war ich dafür verantwortlich schon vor dem jeweiligen Turnier auszugucken wo die guten Kneipen und Discos sind, und wann morgens der erste Bus zurück ins Hotel fährt.

Union tritt in Berlin unter anderem noch mit Daniel Teixera, André Hofschneider und Steffen Baumgart an. Der musste sich einst minutenlang kaputtlachen, als ihm im 11FREUNDE-Interview die Frage gestellt wurde, welchen Trick er besten drauf hat.

(lachten ebenfalls minutenlang)
Riesenfrage! Die hätten sie auch mir stellen können!

Müssen wir jetzt Rumpelfußball von Union erwarten?

Ach was! Wir werden einfach über den Kampf ins Turnier finden...  


Christian Beeck ist Teil des Traditionsturniers »Legenden des deutschen Fußballs« in der Max-Schmeling-Halle. Beim prominent besetzten Budenzauber des »Flexstrom-Cups« sind am 2. Januar 2010 die Altstars von Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Hertha BSC, Union Berlin, Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln am Start. Alle Infos findet Ihr hier.

Wir verlosen 3x2 Karten für den Fan-Block des 1. FC Union Berlin. Schickt einfach eine Mail mit dem Kennwort »Eisern« an online@11freunde.de
     

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