23.12.2009

Christian Beeck über Union Berlin

»Jedes Spiel ist eine Party«

Einst zerfurchte er mit seinen Stollen die Spielfelder der Nation, seit 2007 ist Christian Beeck Sportdirektor beim 1. FC Union Berlin. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Wir sprachen mit ihm über Ehrlichkeit und den Stadionbau.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Christian Beeck, wie schafft man es als Sportdirektor eines Profi-Fußballvereins während der Weihnachtszeit zur Ruhe zu kommen?

Eigentlich ist das gar nicht möglich, aber ich zwinge mich einfach dazu. Ich habe zwei Kinder, eine Freundin und will die Zeit zu Hause genießen. Also schalte ich das Handy auf lautlos und überprüfe nach Heiligabend, wer zu dieser unmöglichen Zeit tatsächlich angerufen hat.



Um den Anrufer anschließend zur Schnecke zu machen?

Nein, ich rufe ganz freundlich zurück.

Für Union Berlin war diese Hinrunde alles andere als unspektakulär: der Aufstieg, der Stadionbau, die Trennung von Hauptsponsor ISP. War das nicht ein bisschen viel?

Es hört sich auf jeden Fall brutal an, aber ich habe es total genossen. Dieser Job macht mir Spaß und wenn ich Spaß habe, bin ich leidensfähig.

Als sie sich nach den Stasi-Vorwürfen gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Czilinsky von Hauptsponsor und Geldgeber ISP getrennt haben, wurde ihnen das als richtiges Handeln ausgelegt. Sind Sie selbst mit dem ganzen Ablauf zufrieden?

Ja, weil wir es so gemacht haben, wie wir auch alle anderen Probleme im Verein lösen. Wir entscheiden uns gemeinsam für etwas, wir entscheiden uns gemeinsam gegen etwas. Das hat sich in vergangenen Jahren bei allen kritischen Angelegenheiten bezahlt gemacht. Das ist es was unser kleines Team im Stab von Union Berlin ausmacht: kurze Wege zwischen den Verantwortlichen, professionelle Nähe ohne sich jeden Tag in den Armen zu liegen und knallharte Ehrlichkeit.

Seit Sie 2007 das Amt als Sportdirektor von Jörg Heinrich übernommen haben, haben Sie eine steile Karriere hingelegt: Konsolidierung in der Regionalliga, Aufstieg in die zweite Liga und nach der Hinrunde Platz sechs. Wie haben Sie das geschafft?

Das liegt doch nicht an mir, sondern zuallererst an der Mannschaft und dann an den Helfern im Verein. Jeder, ob Mannschaftsarzt, Physiotherapeut, Wäschefrau oder Platzwart bildet ein Mosaiksteinchen in unserem Gefüge. Jeder Mitarbeiter ist von großer Bedeutung. Klar, ich stehe in vorderster Front, aber es ist zwingend notwendig, dass ich dieses Team im Rücken habe. Das Wichtigste aber für Union ist der Vorstand, der ja nicht nur Fan, sondern auch Unternehmer sein muss.

Was prädestiniert Sie eigentlich für diesen Job?

Ich war ja lange Jahre eine Führungsfigur bei Energie Cottbus und Kapitän einer Profimannschaft zu sein ist es quasi das gleiche Paar Schuh, wie Sportdirektor eines Profi-Vereins zu sein. Du musst die Fähigkeit besitzen aus den unterschiedlichen Qualitäten, die dir zur Verfügung stehen, ein Team zu formen. Hinzu kommen kaufmännische Abläufe, die jederzeit erlernbar sind. Alles andere allerdings nicht.

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