22.01.2009

Christian Beeck über Fan-Randale

»Das ist Besorgnis erregend«

Union Berlin ist Zweiter in der dritten Liga. Doch neben dem Höhenflug hatten die »Eisernen« zuletzt auch negative Presse. Wir sprachen mit Sportdirektor Christian Beeck über harte Entscheidungen und Fan-Randale.

Interview: Daniel Wehner Bild: Imago
Christian Beeck über Fan-Randale
Herr Beeck, Sie haben 2005 ihre Spielerlaufbahn bei Cottbus beendet. Seit 2007 sind sie Sportdirektor bei Union Berlin. Ein länger gehegter Wunsch?

Mit Wünschen und Träumen ist das so eine Sache, wenn man aufhört, Fußball zu spielen. Ich musste ja verletzungsbedingt (Anm. d. Red.: langwierige Knieverletzung) aufgeben, weil mir wirklich alles wehtat. Und dann ist man auch froh, dass es zu Ende ist. Ich hätte sicherlich noch liebend gerne viele Jahre schmerzfrei weiter Fußball gespielt, aber die Möglichkeit bestand nicht. Beim 1. FC Union Berlin besteht die Chance von der Oberliga in den bezahlten Fußball zurückzukehren. Diese Möglichkeit und meine Anfangsjahre als Fußballer hier machen es aus. Hier kann ich vieles zurückgeben, was ich als Spieler bekommen habe.



Dabei müssen sie mitunter hart durchgreifen. Anfang Januar haben Sie Steven Ruprecht suspendiert, da er Torsten Mattuschka die Freundin ausgespannt hatte. Und im April musste bereits Guido Spork wegen wiederholter Eskapaden gehen.

Ich will das gar nicht mit Härte verbinden. Ich glaube, dass es wichtig ist, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Daher hätte jeder andere an unserer Stelle genauso gehandelt. Es gibt einfach Situationen, in denen man handeln muss. Bei Steven Ruprecht und Guido Spork war das der Fall.

Das heißt, sie mussten gehen, um den Teamgeist zu wahren?


Ja, denn in einer Fußballmannschaft ist so ein Verhalten nicht hinzunehmen. Ich weiß, dass so etwas wie bei Steven an jeder Straßenecke passiert, aber im Fußball geht das nicht. Wenn das Vertrauen zum wiederholten Male missbraucht wurde, dann muss man eine Entscheidung treffen, auch wenn die dann sehr hart ist.

Neben dem Platz sorgten Union-Fans zuletzt für Negativ-Schlagzeilen. Das Freundschaftsspiel  in Rostock stand vor dem Abbruch. Zuvor wurde beim Hallenturnier in Berlin randaliert.

Ich glaube, dass jeder Einzelne auf den Rängen und dem Rasen eine Verantwortung hat. Wir sollten gut aufpassen, was um uns passiert, und auch bereit sein einzuschreiten, wenn Dinge passieren, die nicht passieren dürfen. Dazu gehören solche Geschichten wie in der Sömmering-Halle und im Ostseestadion.

Wie haben Sie persönlich die Zwischenfälle in Rostock erlebt?

Ob Hansa-Fan, Union-Fan, oder jeder andere Fan: Ich verstehe es nicht und bin noch immer überrascht, welch hohes Aggressionspotential die Leute in sich tragen. Menschen, die zivilisiert gekleidet sind und wie Versicherungsvertreter aussehen, haben mit einer verbalen Aggression Druck abgelassen, dass mir die Worte fehlen. Das Bild ist fast überall das gleiche, egal ob Sie nach Rostock, Essen, Frankfurt am Main oder Osnabrück schauen. Das finde ich Besorgnis erregend.

Was passiert denn mit denjenigen, die die Feuerwerkskörper aus dem Berliner Block ins Ostseestadion geschossen haben?

Unser Sicherheitsbeauftragter beobachtet das Ganze sehr intensiv. Wir werden uns bemühen, die Verantwortlichen zu finden. Aber das weite friedliche Spektrum, das das Fandasein des Vereins hergibt, sollte wegen ein paar Idioten nicht vergessen werden. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten am Stadionumbau (Anm. d. Red.: Da das Berliner Heimstadion, die »Alte Försterei«, umgebaut wird, trägt Union seine Spiele zunächst im Jahnsportpark aus). Ob Psychologen, Architekten oder Fliesenleger: Alle haben unentgeltlich sogar bei Temperaturen von minus 18 Grad  geholfen. Auch ich habe einen halben Tag lang Beton abgezogen.

Was wird das Besondere sein an der neuen »Alten Försterei«?


Wir werden kein riesiges Stadion mit vielen Sitzplätzen haben. Dafür aber eine sehr enge Fußballarena, in der unheimlich viele  Menschen stehen, Bier trinken, Bratwurst essen und Zigaretten rauchen können. In dieser Form ist das in Deutschlands Fußballstadien nicht mehr möglich. Die Stimmung im Stadion wird durch das Dach entsprechend an Lautstärke gewinnen, die Atmosphäre wird sensationell sein. So wollen wir uns präsentieren, auf unserem eigenen Grundstück. Das wird uns von fast allen anderen Vereinen fundamental unterscheiden.

Mit neuem Stadion im Rücken steht Union am Ende der Saison…

Ich wünsche uns, auf einem der ersten beiden Plätze zu landen. Damit tendiere ich eher weg von unserem kaufmännischen Geschäftsführer, der sich natürlich die Relegation wünscht, um ein ausverkauftes Spiel und eine volle Kasse zu haben. Ich möchte am Ende gerne auf Platz eins oder zwei stehen, damit alle mal wieder richtig Urlaub machen können, um Luft zu holen für die schweren Aufgaben, die dann mit Sicherheit kommen werden.

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