11.08.2010
Chinesische Investoren in Liverpool
»Es ist schwer zu stoppen«
422 Millionen Euro Schulden beim FC Liverpool. Der Verein sucht einen neuen Investor, die Fans bangen um die Zukunft. Peter Furmedge vom »Supporters Club« in Liverpool spricht über globale Geschäfte an der Anfield Road.
Interview:
11Freunde
Bild: Imago
Peter Furmedge, macht es noch einen Unterschied, welcher Investor bei Liverpool einsteigt?
Für uns zählt nicht so sehr, dass es sich um einen chinesischen Investor handelt. Was uns Sorgen bereitet, ist, dass Herr Huang und seine Partner in Verbindung zu Investment Cooperations stehen. Letztendlich kann man wohl davon ausgehen, dass Liverpool von einem Banker gekauft werden soll. Wir wollen unseren Verein nicht mit Hedgefonds oder anderen Spekulationsgeschäften gesichert wissen.
Welche Lösung wäre ihrer Meinung nach die beste?
Für mich wäre die momentan beste Lösung, wenn die staatliche Royal Bank of Scotland den Verein übernehmen würde. Die Institution, bei der der Klub den Großteil der Schulden hat, sollte mit ins Boot geholt werden. Dann könnte man über ein vernünftiges Modell sprechen.
Die Bank wird ihr Geld irgendwann einmal zurückbekommen wollen.
Ich würde am liebsten persönlich zu Bank gehen, um die Schulden zu begleichen.
Haben Sie es versucht?
Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich bin kein reicher Investor.
Liverpool ist auf reiche Geldgeber angewiesen. Welchen Ausweg gibt es überhaupt?
Natürlich sind wir in einer sehr schwierigen Situation. Unabhängig davon, wer der Käufer von Liverpool sein wird. Wir kennen nie die wahre Motivation, wir kennen das Finanzierungsmodell der Investoren nicht genau. Wir wissen nicht, ob sie dem Verein nicht noch mehr Schulden bringen. Im Moment wissen wir kaum, was die Zukunft bringt. Wir müssen abwarten.
Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Die Verantwortlichen des Vereins geben an, dass nächste Woche die endgültige Entscheidung fallen könnte. Bei den ganzen Verhandlungen ist es für uns Fans allerdings schwer, wirklich Einblick zu bekommen.
Was kann »Spirit of Shankley« in so einer Situation erreichen?
Wir sind offen dafür, mit jedem möglichen Investor zu sprechen. Wir haben uns auch schon an Verantwortliche bei der FA gewandt, um zu erreichen, dass man Investoren daraufhin prüfen sollte, wie sinnvoll deren Engagement ist. Wir haben uns an Supporters Direct und politische Parteien gewandt. Wir versuchen, Verständnis dafür zu bekommen, dass wir mitreden wollen. Und das wollen wir weiter voran treiben.
Stößt Ihr Engagement auf Verständnis?
Es gibt durchaus Verständnis für unsere Anliegen. Aber so, wie die Dinge in Großbritannien momentan liegen, ist es schwer, dem Ganzen Einhalt zu geben. Jeder hat den Eindruck, dass wir uns in einer Entwicklung befinden, die kaum noch zu stoppen ist. Die Vereine werden momentan von einem Besitzer zum nächsten weitergegeben. Und die sind inzwischen meistens vom gleichen Schlag.
Welche Gefahren sehen Sie?
Meine größte Angst ist, dass wir zu Spekulationsgeschäften verkommen. Käufer, die ihr Geld irgendwo auf den Cayman-Islands anlegen und die Vereine nur noch als »Cashcow« für mehr Gewinne sehen, dominieren eine Welt, die eigentlich den Fans gehört.
Sind die Vereine dazu gezwungen, die Verantwortung abzugeben, damit sie weiter existieren können?
Ich hoffe darauf, dass die Verantwortlichen im Verein zu der Einsicht gelangen, dass ohne eine Verbindung zum Fußball keine Zukunft für den Klub besteht. Wir wollen keine Klubbesitzer, die herkommen und sofort alle Entscheidungen an sich reißen wollen. Was künftige Besitzer sehen sollten, ist ein langfristiges Sanieren des Vereins. Und nicht den Anspruch, nur die Schulden des Klubs zu kaufen und damit kurzfristig viel Geld verdienen zu wollen.
Sehen Sie das als realistisches Ziel?
Da es bei uns keine Beschränkungen wie die 50+1-Regel beim Kauf von Vereinen wie in Deutschland gibt, sind wir dem freien Markt noch viel mehr ausgesetzt. Dem entgegen zu wirken, ist eine große Herausforderung. Wir können nur an die Vernunft der Vereinsführung appellieren.



