22.09.2011

Chinedu Obasi über Helden und Vaterfiguren

»Jay-Jay Okocha ist mein ewiges Idol«

Mit seinen 25 Jahren ist der Nigerianer Chinedu Obasi längst ein Routinier bei der TSG Hoffenheim. Im Interview spricht er über seine Vaterfigur Ralf Rangnick, warum John Obi Mikel wie ein Bruder für ihn ist und über sein großes Idol Jay-Jay Okocha.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Chinedu Obasi, deutsche Fußballfans kennen Sie seit vier Jahren als Spieler der TSG Hoffenheim, über die Jahre vor Ihrem Wechsel nach Deutschland weiß man dagegen eher wenig. Wie sind Sie als kleiner Junge zum Fußball gekommen?

Chinedu Obasi: Ich wuchs in Enugu auf, einer Stadt im Süden von Nigeria. Und an Fußball kommt in meiner Heimat niemand vorbei, Fußball ist omnipräsent. Mein erster Verein waren die Samba Boys, ein Klub, der deswegen so genannt wurde, weil es den Trainern vor allem um Technik und Spaß am Spiel ging. Mit etwa 13 Jahren wechselte ich zu River Lane FC. Gleichzeitig vertrat ich meine Schule beim so genannten Shell-Cup. Ich spielte ein ziemlich gutes Turnier. Und dann bekam ich einen Brief.

>>> Chinedu Obasi – seine Karriere in Bildern



Was war das für ein Brief?

Chinedu Obasi: Der Absender war der nigerianische Fußballverband: Eine Einladung für die U17-Nationalmannschaft! Ich war überglücklich. Ein Jahr zuvor saß ich zu Hause vor dem Fernseher, mein Bruder und ich sahen uns ein Match der U17 an. Ich sagte zu ihm scherzhaft: »Da spiele ich auch bald.« Und ich hatte Recht. Die Nominierung brachte dann meine Karriere ins Rollen.

Welche Rolle spielte der Fußball in diesen Jahren in Ihrem Leben?

Chinedu Obasi: Ich lebe nicht nur für Fußball, ich lebe Fußball mit jeder Faser meines Körpers. Das war damals so und das ist heute so. Früher dachte ich den ganzen Tag nur an Fußball, ich vergaß sogar zu essen, wenn ich die Möglichkeit hatte Fußball zu spielen. Bis heute hat sich daran eigentlich nicht viel geändert. Außer, dass man mich heute rechtzeitig ans Essen erinnert.

Es gibt nicht wenige Fans in Deutschland, die sagen: Fußball ist meine Religion. Ist das in Nigeria auch der Fall?

Chinedu Obasi: Ich glaube, dass man Fußball und Religion in Nigeria nicht miteinander vergleichen kann. Religion ist in Nigeria etwas sehr Persönliches, Privates. Teilweise auch sehr spirituell. Fußball... Wie soll man das erklären? Fußball ist sehr sehr groß in Nigeria. Und extrem wichtig. Es bewegt die Menschen, aber auf einer anderen Ebene als Religion.

Wo wir gerade von etwas sehr Großem sprechen: In Deutschland und Europa wird man nigerianischen Fußball wohl auf ewig mit dem Namen Jay-Jay Okocha verbinden. Wie wichtig ist Okocha in Nigeria?

Chinedu Obasi: Jay-Jay? Er ist eine echte Legende, vermutlich ist er sogar bekannter  als der Präsident! (lacht) Als er Nigerias »Dreamteam« 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta zur Goldmedaille führte, saß das ganze Land vor dem Fernseher. Das war einfach magisch, wie sie erst im Halbfinale Brasilien schlugen und dann im Endspiel Argentinien! Jay-Jay und Nwankwo Kanu werden auf ewig meine Helden bleiben.

1996 waren Sie gerade zehn Jahre alt: Hatten Sie denn auch Okocha- Poster in Ihrem Kinderzimmer hängen?

Chinedu Obasi: Ich glaube nicht, aber das war auch gar nicht nötig. Nach 1996 musste man nur vor die Tür gehen und schon blickte man in das Gesicht von Jay-Jay. Es gab niemanden in meiner Klasse, der nicht seine Schulbücher mit Jay-Jay-Bildern vollgeklebt hatte. Gerade in Enugu: Jay-Jay kommt hierher, er ist sogar im gleichen Stadtteil geboren worden wie ich! Geh in Enugu auf die Straße und frag nach Jay-Jay, die Leute werden ausflippen vor Freude.

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