20.03.2008

Charly Körbel über Lajos Detari

»Manchmal hat er fast geheult«

Wenn Karl-Heinz Körbel über Lajos Detari spricht, gerät er ins Schwärmen. Ein Fußballverrückter sei der Ungar gewesen, einer, der Spiele alleine entscheiden kann. Doch Körbel kannte auch die andere Seite des sensiblen Spielmachers.

Interview: Maximilian Hendel Bild: Imago
Detari behauptet, dass vor allem Berater und das ungarische Sportministerium seinen Weg diktierten. Inwieweit glauben Sie dieser Abhängigkeit und Einflussnahme?

Ob er wirklich nur eine Marionette war, weiß ich natürlich nicht. Aber ich habe oft mitbekommen, wie er abends mit diversen Beratern über Geld und Vereine gesprochen hat. Er hatte ja noch andere Angebote. Aber diese Zahl, egal ob sie stimmt oder nicht, 17- oder 18-Millionen Mark, die war utopisch. Alle haben verrückt gespielt, auch die Eintracht. Noch heute weiß keiner so richtig, wo die Millionen überhaupt hin sind.

In einer »Kicker«-Schlagzeile stand einmal: »Detari leimt Frankfurt.« Haben Sie sich von ihm geleimt gefühlt?

Nein. Lajos ist ein von Grund auf ehrlicher Mensch, den das ganze Theater sehr getroffen hat. Ich glaube schon, dass auch die Eintracht letztendlich einfach nur auf das Geld achtete. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo sie sagten: »So viel Geld kriegen wir nie mehr.« Ich behaupte, wenn er das Gefühl gehabt hätte, unbedingt gebraucht zu werden, wäre die Chance da gewesen, ihn zu halten.

Wie wichtig war in dieser Saison der Pokalsieg?

Wir haben ja keine gute Runde gespielt. Eine Seuchensaison. Durch den Pokalsieg wurden die Probleme, die da waren, eigentlich nur übertünscht. Wir waren ziemlich lange ganz weit unten. Die Mannschaft befand sich im Umbruch. Ganz zu Schweigen vom Wechselzirkus um Lajos, der dann losging.

Er spielte mit Schuhen in den ungarischen Landesfarben. Hat er sich in der Rolle des bunten Vogels wohl gefühlt?

Ja, klar. Die Mannschaft hat ihn deswegen auch oft hochgenommen. Es lief bei ihm nicht, dann hat er die Schuhe wieder in die Ecke geworfen, dann hat er wieder die anderen Schuhe genommen. 14 Tage, drei Wochen ging es ja nur um die Schuhe. Er hat fast geheult.

Haben Sie in dieser Zeit mit ihm geredet?

Das hätte ich manchmal gerne, aber er hat sich dann auch völlig verschlossen, weil er so stur und beleidigt war – gerade in der Sache mit der Mannschaft und den Schuhen. Mit niemandem hat er geredet, er war zutiefst beleidigt. Das ist ja auch dieser Stolz, den die Ungarn haben.

Trotz aller Rückschläge – sei es sportlich oder die mit dem Umfeld zu tun hatten – besaß er ein wahnsinniges Selbstvertrauen. Woher nahm er dieses Selbstbewusstsein?

Er hat immer wieder gesagt: »Ich beweise es euch!« Ich weiß noch, dass wir ihn auf seine Einladung mit meiner Familie mal in Budapest besucht haben. Wir haben da eine riesengroße Puppe als Andenken geschmuggelt. Als ich damals zum ersten Mal seine Freunde kennen lernte, und sah, was in seiner Umgebung alles passiert war, habe ich erstmals richtig verstanden, wie er tickt und warum er so tickt.

Sein Charakter spiegelte sich auch auf dem Platz wider.

Ich hab immer gesagt: »Du bist ein richtiger Paprika-Mann.« Einer, der Stur ist wie ein Holzklotz, aber innen genauso sensibel. Bei ihm gab es nie einen Mittelweg. Und das zeigte sich auch auf dem Platz – entweder top oder katastrophal.

Warum konnte er seinen Möglichkeiten nicht gerecht werden?

Er hat sich einfach zu sehr unter Druck gesetzt. Weil er auch einer der wenigen Fußballer war, die es nach der »Goldenen Ära« in Ungarn geschafft haben. Lajos wollte unbedingt in diese riesigen Fußstapfen eines Puskas treten, aber dazu war er einfach nicht robust genug. Vor allem hatte vor allem nicht die Menschen an seiner Seite, die richtigen Berater, die ihm mal sagten: »So, Lajos jetzt ist erstmal genug. Geh mal einen Schritt zurück, um voranzukommen.«

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