Charly Körbel über das Frankfurter Waldstadion

»Hier dürft ihr eigentlich nie verlieren«

Allein 602 Bundesligaspiele machte Karl-Heinz Körbel für Eintracht Frankfurt. Der »treue Charly« über Spiele im Kabinengang und seinen Namensvetter, das Maskottchen.

Reinaldo Coddou H.

Karl-Heinz Körbel, wie finden Sie »Charly«, das Stadionmaskottchen der Arena?
Sehr charmant!

Was schoss Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten, dass es ein Stadionmaskottchen geben wird, das Ihren Namen tragen soll?
(Lacht.) Wahrscheinlich haben sie keinen anderen gefunden. Nein, im Ernst, der Name des Maskottchens wurde von den Fans gewählt. Dass sie meinen ausgesucht haben, ist sicherlich auch eine Anerkennung für meine langjährige Tätigkeit bei der Eintracht. Deshalb freue ich mich sehr und bin unheimlich stolz. »Charly« besucht auch die Eintracht-Frankfurt-Fußballschule, die ich leite. Die Kinder rufen dann immer: »Guck mal, Charly, das bist ja du.«

Wissen die Kinder in der Fußballschule, welche Verdienste Sie um die Eintracht haben?
Was der wahre Charly so alles getrieben hat, sehen sie ja im Eintracht Museum. Mehr Begeisterung erzeugt bei denen eigentlich nur der Gang in die Kabinen am Spieltag. Da hängen dann schon die Trikots der Spieler und ihre fünf Paar Schuhe stehen sauber aufgereiht auf dem Boden. So was ist natürlich aufregend für die jungen Fußballer.

Nicht nur die Bundesliga feiert mit ihrer 50. Saison Jubiläum, sondern auch für Sie steht ein Ehrentag an: 40 Jahre Eintracht Frankfurt. Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag im Waldstadion erinnern?
Ich bin mit meinem Vater zu den Vertragsverhandlungen ins Stadion gefahren. Geführt haben wir sie dann im VIP-Bereich mit dem Vorstand und ein paar Sponsoren. Das war damals ein Gemäuer, in dem ein paar Stühle standen und Kaffee und Kekse serviert wurden.

Das hat mit dem heutigen VIP-Bereich nicht mehr viel gemein.
Das sind völlig unterschiedliche Welten. Der VIP-Bereich in der Arena ist inzwischen mein Lieblingsplatz, weil wir im Gegensatz zu anderen Stadien eine offene Plattform besitzen. Dort bekommt man die Stadionatmosphäre voll mit und die VIPs und Business-Männer können sich zeigen. Ich finde das sehr spannend und amüsant.

Ihr Lieblingsort im Waldstadion zur aktiven Zeit?
Das Spielfeld, denn ich war Stammspieler und habe dadurch zwangsläufig die meiste Zeit im Stadion auf dem Rasen verbracht. Mein Lieblingsgegner war übrigens Bayern München. 18 Jahre lang habe ich gegen die Bayern kein Heimspiel verloren. In der Saison 1977/78 besiegten wir Bayern München innerhalb einer Woche zweimal mit 4:0 – in der Bundesliga und im UEFA-Pokal. Das gab es in deren Geschichte sicherlich nicht so oft. Diese Serie riss erst durch Klaus Augenthalers »Tor des Jahrzehnts« in der ersten Runde des DFB-Pokals 1989.

Sie haben für keinen anderen Verein in der Bundesliga gespielt als für Eintracht Frankfurt, mit 602 Einsätzen sind Sie Rekordspieler in der Liga­geschichte. Welche Rolle spielt das Stadion für Ihr Leben?
Für Boris Becker war Wimbledon sein Wohnzimmer, für mich war es das Waldstadion. Ich habe hier mein eigenes Aufwärmprogramm entwickelt. Wir waren stets um 13.30 Uhr in der Kabine, hatten also viel Zeit bis zum Anpfiff. Im Kabinengang bin ich losgejoggt, anschließend habe ich dort mit dem Ball gekickt. Da kamen immer neue Kollegen, die mitmachten – etwa Manni Binz. Irgendwann verzichtete man dann auf die Montage von neuen Lampen, weil wir die dauernd kaputt schossen. Ein Spielverbot in den Katakomben gab es hingegen nie.

Wurden Sie als Eintracht-Legende beim Bauprozess der Arena mit eingebunden? Sie haben in Ihrer langen Karriere einige Stadien gesehen und hätten sicher ein paar Anregungen geben können.
Nein, das war eine Angelegenheit der Stadt. Sie haben auch ohne meine Hilfe eine großartige Arena zustande gebracht. Das Stadion ist gigantisch, eines der tollsten der Welt. Zu meiner Zeit hätte ich gerne hier gespielt. Mit den starken Eintracht-Teams, die wir früher hatten, wären wir wohl zu Hause ohne Niederlage geblieben. Selbst unseren heutigen Profis sage ich: »In dem Stadion dürft ihr eigentlich nie verlieren.«

Haben Sie nichts zu kritisieren?
Doch, das Dach. Das ist beim Fußball überflüssig. Ich glaube, bei ein oder zwei Bundesligaspielen hatten wir es zu. Öfter nicht. Im Sommer ist ein geschlossenes Dach sowieso tödlich. Ich habe kürzlich bei einem Benefizspiel der Formel-Eins-Fahrer mitgespielt, bei dem das Dach geschlossen war. Eine Sauna ist nichts dagegen. Lediglich im Winter würde es Sinn machen. Doch da geht es auch nicht, weil zu viel Schnee fallen könnte, der sich auf dem Dach sammelt. Das ist zu gefährlich.

Wie standen Sie der Umbenennung in Commerzbank-Arena gegenüber?
Das gehört im modernen Fußball nun mal dazu. Egal, ob bei einem Klub wie Bayern München, Borussia Dortmund oder halt bei uns. Die Vereine brauchen das Geld. Ich bekomme natürlich mit, dass sehr viele Fans immer noch vom »Waldstadion« reden. Und ich finde das auch gut, das sollten sie auf jeden Fall beibehalten. Und unter uns: Ich mache das ab und zu auch noch.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!