06.10.2011

Charly Körbel im Interview

»Die Eintracht ist mein Leben«

1972 bestritt der damals 17-jährige Charly Körbel sein erstes Spiel als Vorstopper für Eintracht Frankfurt. Bis zu seinem Karriereende 1991 blieb er den Hessen treu – und hält heute einen ewigen Rekord. Heute wird er 56 Jahre.

Interview: Maximilian Hendel Bild: imago


Auch wenn Sie anfangs noch kein Anrecht auf Massage hatten - Sie gehörten sofort zum Stamm der ersten Mannschaft. Warum kam Erich Ribbeck trotz Ihres jungen Alters nicht an Ihnen vorbei?


Ich hatte für mein Alter bereits eine große Erfahrung - und vor allem keine Angst. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon über 50 Jugendländerspiele bestritten. Und außerdem wurde ich in eine gestandene Mannschaft gesteckt, in der ich lange einfach nur mitschwimmen musste. Die Alten wussten ja gar nicht, dass ich mitgespielt habe. (lacht) Die ausgefuchsten Kerle haben mich geführt, sich auf dem Platz um mich gekümmert. Ich war ruckzuck in dieser Maschinerie drin.

Wie schafft man es als 17-jähriges Talent sich in dem Haifischbecken Profifußball zu behaupten und sich schließlich durchzusetzen?

Man muss sich den Spaß und die Leidenschaft immer bewahren, sonst kannst du kein guter Fußballer werden. Man muss lernen zu erkennen, wo es nicht weitergehen kann, wo man gegen die Wand läuft und nicht weiterkommt. Und eins muss wissen: Der Körper ist ein Kapital! Als ich 21, 22 Jahre alt war, habe ich gemerkt, dass ich für dieses Kapital auch etwas tun muss. Ich habe mich um meinen Körper gekümmert, bin in Heilquellen gefahren. Es kommt also nicht von ungefähr, warum ich in meiner Karriere kaum verletzt war. Auch jetzt - ich habe keine Probleme, ich habe nichts. Wenn mich jemand fragt, wie ich früher mit Muskelfaserrissen umgegangen bin, kann ich nicht helfen  ich hatte nie einen.

Ein Zitat des jungen Uli Hoeneß besagt: »Dich«, und damit meint er Sie, »hole ich mal nach München.«


(lacht) Ja, das war während der Länderspielreise 1974 nach Ungarn. Solche Sachen vergisst man einfach nicht, und wir lachen immer wieder darüber, wenn wir uns sehen. Uli Hoeneß und Paul Breitner waren schon damals sehr geschäftstüchtig. Die beiden saßen hinter mir im Bus und haben über signierte Buchverkäufe oder über Sponsorenverträge mit der Volksbank philosophiert. Der Uli war ja zu der Zeit noch ein junger Spieler. Das hat mich dermaßen beeindruckt.

Gab es während Ihrer Zeit in Frankfurt einen Moment, in dem Sie die Eintracht verlassen wollten?

1983 schien hier alles den Bach herunter zu gehen. Die Mannschaft war im Begriff sich aufzulösen, ein totaler Umbruch. Ich hatte das Angebot, mit Bruno (Bruno Pezzey, d. Red.) nach Bremen zu gehen, auch Galatasaray Istanbul hatte bei mir angeklopft. Ich bin zum Präsidenten und sagte: »Dann gehe ich auch weg, das hat doch keinen Sinn mehr.« Für mich war klar, dass ich die Eintracht verlasse, wenn wir keine Mannschaft mehr beisammen hätten. Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, etwas Neues zu machen. Wir sind dann zusammen mit Bernd Nickel in den Urlaub nach Amerika geflogen. Niemand wusste im Grunde genommen zu diesem Zeitpunkt, wer noch bei der Eintracht spielen würde.

Wie konnten die Verantwortlichen des Vereins Sie schließlich doch überzeugen zu bleiben?

Als ich aus Amerika zurück kam haben sie mich gleich abgefangen und fragten: »Willst du mithelfen, eine neue Mannschaft aufzubauen? Wir haben jetzt wieder die finanziellen Möglichkeiten.« Ich habe mich wieder breit schlagen lassen, weil ich mir dachte: »Das kannst du doch nicht machen, den Verein jetzt im Stich lassen…«

In diesem Moment entschlossen Sie sich, für immer zu bleiben?

Mein Glück – beziehungsweise mein Pech – (lacht) war, dass damals jeder Verein auf eine Liste des DFB zwei Spieler setzen konnte, die unverkäuflich waren. Das wäre ja heute gar nicht mehr denkbar, aber ich stand zu jeder neuen Saison auf dieser Liste. Irgendwann hatte ich das Ganze derart verinnerlicht – es wurde einfach mein Leben.

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