Charly Dörfel über Labbadia

»Er ist gut für eine Halbzeit«

In den 60ern Charly Dörfel beackerte er den Flügel am Rothenbaum, später verfolgte er seinen HSV als Fan. Wir sprachen mit ihm über Bruno Labbadia, verstörte Spieler und Zugvögel.

Charly Dörfel über LabbadiaImago

Charly Dörfel, der HSV hat Bruno Labbadia entlassen. Die richtige Entscheidung?
Ich kenne Bruno Labbadia schon ziemlich lange. Von seiner Zeit beim HSV und auch über die Altliga. Und vorweg: Ich mag den wirklich sehr gern. Ein lieber Junge. Doch was sich leider zum wiederholten Male gezeigt hat: Er ist nur gut für eine Halbzeit. Das war nicht nur in Leverkusen so, sondern auch bei Greuther Fürth.

Woran liegt das?
Anfangs versprüht er viel Euphorie. In kritischen Zeiten aber – wenn etwa viele Verletzte eine eingespielte Mannschaft auseinander reissen – scheint Labbadia die Kontrolle zu verlieren. Er ist dann zu lasch. Zudem wurde er von den Spielern scheinbar nicht richtig ernst genommen. Interna kenne ich natürlich nicht, doch wie ihm die Spieler am Ende auf dem Kopf herumgetanzt sind, das spricht ja Bände. Da muss ein Trainer rigoros durchgreifen. So wie einst Ernst Happel. Oder auch zuletzt Martin Jol und Huub Stevens. Bruno ist einfach eine Nummer zu brav und zu artig für unseren Verein.

Wäre nach Martin Jols Abgang also ein anderer Trainertyp gefragt gewesen?
Absolut. Ich hätte mir einen Trainer gewünscht, der ein ähnlicher Typ wie Jol ist. Christian Gross etwa, ein sehr resoluter und selbständiger Trainer. Der war ja auch mal im Gespräch.

Nicht nur zwischen Trainer und Spielern hat es Probleme gegeben, auch in der Mannschaft ging es in der Rückrunde wenig harmonisch zu.
Was da im Einzelnen stattgefunden hat, kann ich nicht zu sagen. Doch schon als Fan im Stadion sieht man: Da ist kein Esprit, kein Zusammenhalt. Die Spieler laufen über den Platz wie Taubstumme. Hinzu kommt, dass einige Spieler durch ihre Rolle in der Mannschaft immer mehr Selbstbewusstsein verloren.

Sie meinen einen Spieler wie Piotr Trochowski?
Ich hatte das Gefühl, der hat 'nen Knacks bekommen. Eigentlich ist er ein guter Spieler, zudem einer, der sich vollends mit dem HSV identifiziert. Er ist in Hamburg aufgewachsen, ein Hamburger Jung. Den hätte man besser behandeln müssen. Mit dem hätte man einfach mal richtig sprechen müssen.

Wie war das früher bei Ihnen?
Natürlich gab es auch mal Probleme mit dem Trainer. Doch bei uns wurde Tacheles geredet. Nur selten schwieg man sich über Wochen aus. Jürgen Werner oder Uwe Seeler setzten sich in schwierigen Zeiten mit uns hin und dann wurde gesprochen. Danach ging es geschlossen zum Vorstand.

Einer wie Frank Rost hätte gut bei Ihnen reingepasst.
Absolut. Den bewundere ich. Das ist einer, der den Mund aufmacht. Der Junge kommt ja aus dem Osten, ein alter DDR-Mann, sehr tough, sehr hartnäckig. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er der einzige Spieler des aktuellen Kaders ist, der sich wirklich Sorgen um den Verein macht.

Einige Fans glauben, dass auch die glorreiche Vergangenheit des Vereins die Spieler lähmt.

Das kann schon sein. Der HSV war ja mal 'ne Macht, vielleicht werden da unterbewusst ständig Vergleiche angestellt. Doch kann ich nicht die Köpfe gucken. Und ganz ehrlich: Bei einigen Spielern habe ich auch gar nicht das Gefühl, dass sich jemand mit der Vereinshistorie beschäftigt. Die kommen zu den Klubs, stecken ein paar Scheine ein und ziehen weiter. Wie die Kraniche.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!