20.04.2012

Cedrick Makiadi über die Aufholjagd des SC Freiburg

»Da war der Glaube wieder da«

Der SC Freiburg galt in der Winterpause als sicherer Abstiegskandidat, dann startete das Team eine Aufholjagd. Cedrick Makiadi gehört zu den Stützen des SC, im Interview erklärt der Kapitän die beeindruckende Rückserie.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago

Cedrick Makiadi, in der Winterpause war Freiburg abgeschrieben, nun kann das Team vorzeitig den Klassenerhalt sichern. Was ist passiert?
Cedrick Makiadi: Ein sehr wichtiger Aspekt war mit Sicherheit, dass Christian Streich als Trainer übernommen hat. Er ist jemand, der sich hier in Freiburg und der Region bestens auskennt und in der Freiburger Fußballschule tätig war. Christian Streich hat frischen Wind reingebracht, bei ihm erhält jeder Spieler seine Chance, egal ob alt oder jung. So entstand ein Konkurrenzkampf, von dem wir alle profitieren.

Christian Streich ist ein ungewöhnlicher Trainer, es kommt vor, dass er das Aufwärmprogramm mitmacht. Was haben Sie gedacht, als Sie ihn das erste Mal gesehen haben?
Cedrick Makiadi: Man muss dazu sagen, dass er schon zur Zeit, als Robin Dutt hier Trainer war, als Co-Trainer die Trainingsinhalte mitgestaltet hat. Wir Spieler haben seit vier Jahren Kontakt zu ihm. Mit Sicherheit ist es in der Bundesliga nicht alltäglich, dass sich der Trainer vor dem Spiel warmmacht. Aber das zeigt, dass er das Spiel mitlebt und sich vorbereitet. Das Ganze ist keine Show, so ist Christian Streich und so war er auch als Jugendtrainer.

Wäre unter ihm die Hinrunde für den SC besser verlaufen?
Cedrick Makiadi: Das weiß man nicht. Es hätte auch alles ganz anders kommen können, wenn er bereits im vergangenen Sommer angefangen hätte. Vielleicht war die Winterpause genau der richtige Zeitpunkt. Wir waren Letzter und hatten nichts mehr zu verlieren. Dann kam Christian Streich, er hat uns das nötige Selbstvertrauen zurück gegeben und jeden Einzelnen stark gemacht. Ich habe bereits im Trainingslager das Gefühl bekommen: Für uns ist noch einiges möglich.

Was macht Freiburg besser als andere Teams im Abstiegskampf?
Cedrick Makiadi: Wir haben den Kopf frei, einfach weil wir nichts mehr zu verlieren hatten. Und nach dem ersten Spiel in der Rückrunde gegen Augsburg war der Glaube wieder da. Die jungen Spieler lassen sich nicht verrückt machen. Und wir haben den Vorteil, dass hier der mediale Druck nicht so hoch ist wie anderswo. Wir können auch in schwierigen Phasen in Ruhe arbeiten.

Vor der Winterpause kündigte der Verein einigen Spielern, der Trainer wurde entlassen. So etwas kannte man gar nicht aus Freiburg.
Cedrick Makiadi: Es ist richtig, dass bei uns in der Mannschaft nicht alles in Ordnung war. Man kann auch nicht sagen, dass wir vor Spielfreude gestrotzt hätten. Da fehlte uns einfach auch der Glaube an uns selbst. Der Verein sah sich dann gezwungen, zu reagieren. Heute muss man sagen: Es war nicht so verkehrt. Für mich ist es natürlich schwierig, weil ich mich mit den Spielern, die weg gingen, gut verstanden habe. Mit einigen stehe ich heute noch in Kontakt. Doch der Verein ist es, der die Entscheidungen trifft. Wir Spieler müssen nach Vorne schauen. So ist das Geschäft.

Hatten die personellen Entscheidungen auch Einfluss auf Ihre Rolle im Team?
Cedrick Makiadi: Ja, definitiv. Spieler wie Pappiss Cisse oder Heiko Butscher waren diejenigen, die die Verantwortung getragen haben. Es kamen viele Spieler aus der A-Jugend neu dazu, da war ich gefordert als jemand, der schon lange dabei ist. Ich gebe den jungen Spielern viele Ratschläge, doch wichtig ist, dass ich auf dem Platz voran gehe. Ich will das Zeichen setzen: Kommt, wir packen es zusammen an. Die anderen müssen wissen, dass ich nicht nur die Binde spazieren trage, sondern die Rolle verinnerlicht habe.

Sie blühen in der Rückrunde auf, haben bereits vier Tore geschossen.
Cedrick Makiadi: Ich spiele seit Beginn der Rückrunde konstant. In den vergangenen Jahren habe ich auch gute Spiele für Freiburg gemacht, doch das Niveau nicht gehalten. Das war alles sehr schwankend bei mir. Momentan bin ich ganz zufrieden, muss aber noch weiter an mir arbeiten.

Sie haben noch einen Vertrag bis 2014. Wie sehen denn die weiteren Ziele mit dem SC aus?
Cedrick Makiadi: Wir müssen erst einmal den Klassenerhalt schaffen. Wenn der unter Dach und Fach ist, haben wir eine echte Mammutaufgabe bewältigt. Was danach kommt, werden wir dann sehen.

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